Kindertagesstätte Koppelesbach in Winnenden
Holzhybridbau mit grüner Fichtenholzfassade
Am Rande des Wohngebiets Schelmenholz in Winnenden befindet sich die Kindertagesstätte Koppelesbach, im Übergang zur offenen Landschaft mit Wiesen, Feldern und dem namensgebenden Bach. Dessen mäandernder Verlauf im Südosten des langen Gebäuderiegels begrenzt die Freiflächen des Kindergartens und wird durch einen Zugang überbrückt. Er verknüpft das Areal mit einer Wendeschleife und Stellplätzen, einer Wohnstraße zum Ortsteil Schelmenholz und der überregionalen Landstraße. Schleicher Ragaller Architekten aus Stuttgart entwarfen den etwa 75 Meter langen Holzhybridbau, der entlang der nordwestlichen Grundstücksgrenze angeordnet ist. Mit seiner grün lasierten Holzfassade fügt er sich harmonisch in die Landschaft.
Zweigeteiltes Dach
Mit einem begrünten Flachdach an der Nordwestseite und einem von Südosten ansteigenden Pultdach ist das Dach zweigliedrig. Damit bleibt der Baukörper zum angrenzenden Wohngebiet niedrig, während eine Reihe von Oberlichtern im Versatz zum Pultdach Tageslicht zentral ins Gebäude führt. Die Gruppenräume sind von zwei Seiten belichtet. Ein weiter Dachüberstand bietet Sonnen- und Witterungsschutz auf der Terrasse im Übergang zum Außenspielbereich. Großzügige Fenster sorgen für einen starken Landschaftsbezug. Mittels Lüftungsflügeln in der Fassade lassen sich die Gruppenräume natürlich be- und entlüften.
Klare Zonierung
Der Neubau bietet Platz für rund 20 Krippen- und 70 Kindergartenkinder in vier Gruppen. Der Haupteingang befindet sich zurückgesetzt und vor Witterung geschützt an der Südostseite. Dahinter öffnet sich eine helle Eingangshalle als zentraler Verteiler mit Sichtbezügen zum Speisesaal und einem Mehrzweckraum. Oberlichter sorgen auch hier für zusätzliches Tageslicht. Während Personal-, Sanitär- und Schlafräume im flachen Gebäudeteil aufgereiht sind, befinden sich die Gruppenräume unter dem Pultdach. Der zentrale Flur trennt die lebhafteren von den ruhigeren Bereichen. Garderoben und Sitznischen gliedern die Erschließungszone und schaffen zusätzlich Aufenthaltsbereiche.
Holztragwerk auf massivem Sockel
Der Holz-Hybridbau ist im KfW-55-Standard realisiert. Bodenplatte, nördliche Stützwände sowie einzelne Innenwände bestehen aus Stahlbeton. Weil das Gebäude ins Gelände eingebettet ist, ließ sich Aushubmaterial für die Wiederverfüllung nutzen. Die oberirdische Tragstruktur ist als Holzständer- und Holzrahmenkonstruktion ausgeführt. Die Holzständer bestehen aus Konstruktionsvollholz aus Fichte und Tanne, zur Aussteifung der Holzrahmenkonstruktion dienen OSB-Platten (Grobspanplatten). Das Dachtragwerk bilden Sparren aus Konstruktionsvollholz mit einer aussteifenden Dachscheibe in Brettsperrholz.
Eine vertikale Holzschalung aus sägerauer Fichte bildet die umlaufend einheitliche, hinterlüftete Fassade. Als Witterungsschutz erhielt das Holz einen zweifachen Anstrich mit einer mineralischen Dünnschichtfarbe in einem natürlichen Grünton. So erhält das Gebäude ein freundliches und kindgerechtes Erscheinungsbild.
Innenraumgestaltung mit Farbe
Auch im Innenraum ist Holz das prägende Material, kommt bei Einbauschränken in den Gruppenräumen, Sitzfensterbänken mit integriertem Stauraum und den Garderoben zum Einsatz. In Bereichen mit hoher Geräuschbelastung verbessern Holzwolle-Leichtbauplatten an den Decken und perforierte Wandpaneele aus weiß lasiertem Tannenholz die Raumakustik.
Farbige Wandflächen setzen Akzente in den Sanitär- und Garderobenbereichen: Jede Gruppe erhielt ihre eigene Farbe, um den Kindern die Orientierung zu erleichtern. Sichtbare Balken aus Fichten- und Tannenholz sind weiß pigmentiert, ebenso die Türen aus Tannenholz. Die Möbel bestehen aus weiß pigmentierten Dreischichtplatten (Fichte). Auch die dreifach verglasten Fenster haben Holzrahmen.
Bautafel
Architektur: schleicher.ragaller architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: Gerd Gauger, Winnenden (Statik); Gräßle & Heinzelmann Planungsgesellschaft für Elektrotechnik, Winnenden (ELT-Planung); Renz Ingenieurgesellschaft, Schorndorf (TGA-Planung); werkgruppe gruen – Landschaftsarchitekten, Bad Liebenzell (Landschaftsarchitektur); Kurz und Fischer, Winnenden (Bauphysik); LW Konzept, Stuttgart (Brandschutzkonzept)
Bauherr/in: Stadt Winnenden
Fertigstellung: 2024
Standort: 71364 Winnenden
Bildnachweis: Zooey Braun
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