KinderKunstLabor in St. Pölten

Hybridkonstruktion und Lärchenholzlamellen

Einen zeitgenössischen Kulturbau, der konsequent aus der Perspektive von Kindern entwickelt wurde, realisierten Schenker Salvi Weber Architekten in St. Pölten. Die österreichische Stadt westlich von Wien verfügt über ein vielfältiges Kulturangebot. Das viergeschossige KinderKunstLabor befindet sich in zentraler Lage zwischen Innenstadt und Kulturbezirk, am Rande des Altoonaparks. Die Räume sind offen und flexibel konzipiert, haben unterschiedliche Höhen und fließende Übergänge. Die Orientierung erfolgt über Licht, Farbe und Sichtbezüge anstelle langer Flure. Konstruktiv handelt es sich um einen Holzhybridbau mit einer markanten, teilweise transluzenten Holzfassade, die gefiltertes Tageslicht ins Innere bringt und eine spielerische Atmosphäre erzeugt.

Schenker Salvi Weber Architekten aus Wien realisierten einen zeitgenössischen Kulturbau, der konsequent aus der Perspektive von Kindern entworfen wurde.
Der Holz-Hybridbau ist mit einer markanten, teilweise transluzenten Holzfassade ausgestattet.
Westseite (Ansicht Johann-Gasser-Straße)

Architektur als offener Lern- und Erfahrungsraum

In Zusammenarbeit mit international renommierten Künstlern finden in dem Gebäude Ausstellungen und Workshops statt, die jungen Menschen zeitgenössische Kunst näher bringen sollen. Das Haus ist also weniger ein Museum, als vielmehr ein offenes Labor: Kinder im Alter bis zwölf Jahren können sich hier spielerisch und mit allen Sinnen in mit den vielfältigen künstlerischen Ausdrucksformen auseinandersetzen. Ob Videokunst, Fotografie oder Malerei, ob Klangkunst, Installation oder Performance – inhaltlich wechseln die Ausstellungen mehrmals im Jahr und greifen unterschiedliche Themen auf. Gemeinsam mit Architekten und Künstlern war ein Kinderbeirat in den Planungsprozess eingebunden und wirkte an der Gestaltung der Ausstellungsräume mit.

Ausstellungsräume, Labor, Spielplätze und Café

Leicht abgewinkelte Fassaden verleihen dem kompakten und skulpturalen Neubau eine dynamische Wirkung. Der Grundriss basiert auf einem Dreieck mit gekappten Ecken, sodass sich im Inneren ein sechseckiges Raumprinzip entwickelt. Die Räume gehen ineinander über, die Sichtbezüge sind vielfältig. Offene Ausstellungsbereiche werden durch kleinere Rückzugsräume ergänzt. Die Architektur ist Lern- und Erfahrungsraum. Auf vier Ebenen verteilen sich Ausstellungsflächen, Labore, Büros sowie Spielbereiche und ein Café. Herzstück ist ein etwa 400 Quadratmeter großer Ausstellungsraum, ergänzt durch eine Kinderbibliothek und ein über zwei Geschosse gespanntes Kletternetz.

Konstruktion und Tragwerk

Das Gebäude basiert auf einem hybriden Tragwerk, bei dem Beton auf die statisch notwendigen Bauteile wie den Kern und die Fundamente beschränkt ist, während die übrigen vertikalen und horizontalen Lasten von einer Holzstruktur getragen werden. Diese besteht aus Brettschichtholzträgern, Stützen und vorgefertigten Fassadenelementen. Die Deckenränder sind über radial angeordnete Träger mit dem Betonkern verbunden. Sämtliche Verbindungen sind mechanisch ausgeführt, etwa über Stahlverbinder oder Stabdübel, wodurch eine demontierbare, reversible Konstruktion mit Wiederverwendungspotenzial entsteht. Das System ermöglicht große Spannweiten, hohe Flexibilität und erfüllt die Anforderungen an die Erdbebensicherheit.

Material und Fassade

Holz prägt die architektonische Erscheinung maßgeblich. Alle Brettschichtholzelemente wurden vorgefertigt und mit trockenen Verbindungen montiert, was eine präzise Bauweise und die Sichtbarkeit des Tragwerks gewährleisten soll. Die Fassade kombiniert Lärchenholz in einer Pfosten-Riegel-Konstruktion mit tiefen vertikalen Lamellen, die als Sonnenschutz und Witterungsschutz dienen. Innen kommen natürliche Materialien wie akustisch wirksame Holzwolle-Leichtbauplatten (HWL-Platten genannt) zum Einsatz. Weitgehend unbehandelte Oberflächen ermöglichen eine authentische Alterung.

Gestaltung und Details

Die Konstruktion bleibt im gesamten Gebäude sichtbar und unverkleidet. Technische Installationen sind sichtbar ausgeführt und folgen der Logik des Tragwerks. Die zentrale Erschließung dient zugleich als sozialer Raum. Gezielt platzierte Öffnungen, wie etwa runde Fenster auf Kinderhöhe, sorgen für reichlich Tageslicht. Konstruktion, Oberfläche und Einbauten sind klar aufeinander abgestimmt und folgen einem reduzierten, kindgerechten Gestaltungsprinzip.

Bautafel

Architektur: Schenker Salvi Weber, Wien, Berlin
Projektbeteiligte: Werner Sobek, Stuttgart (Statik); FCP Fritsch, Chiari & Partner, Wien (Projektmanagement); Schöberl & Pöll, Wien (Bauphysik und Akustik); BPS Engineering, Wien (Elektroplanung, Gebäudetechnik); IMS Brandschutz (Brandschutz); bauchplan Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, Wien (Landschaftsplanung); Designbüro Christian Ploderer, Wien (Lichtplanung)
Bauherr/in: Stadt St. Pölten
Fertigstellung: 2024
Standort: Schulring 24, 3100 St. Pölten
Bildnachweis: Patrick Johannsen, Wien

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