Kinderhaus am Neckarbogen in Heilbronn

BIM-Modell für BUGA-Projekt 2019 ab Leistungsphase 5

Bundesgartenschauen bieten weitaus mehr als Stiefmütterchenparaden in Blumenrabatten. Die alle zwei Jahre in wechselnden Städten stattfindenden Ausstellungen zu Gartenbau und Landschaftsarchitektur zeigen mittlerweile auch, wie Grünzüge Stadtteile verbinden, die Aufenthaltsqualität erhöhen und Teil der urbanen Entwicklung sein können. So wurde für die BUGA 2019 in Heilbronn auch eine Stadtausstellung konzipiert. Auf dem Gelände der Neckarinsel um den Floßhafen entsteht ein neues Quartier: Es umfasst 23 Gebäude, anhand derer zunächst innovative Bauweisen und -materialien aufgezeigt werden. Nach Ende der Ausstellung sind die Bauten für eine dauerhafte Nutzung zum Wohnen und Arbeiten vorgesehen. Eines davon ist das Kinderhaus KINJA am Neckarbogen an der nordöstlichen Spitze des Areals. Finkh Architekten zeichnen für den Entwurf verantwortlich, die Ausführungsplanung lag in den Händen von JSB Architekten.

Die Grundidee für die Ausstellungsdauer und Nachnutzung vom Kinderhaus ist, mit großzügig gestalteten Lernlandschaften die Lust am Spielen, Entdecken, Ausprobieren, Lernen und Kommunizieren fördern
Finkh Architekten zeichnen für den Entwurf verantwortlich, die auf BIM basierende Ausführungsplanung lag in den Händen der Architekten vom Büro JSB
Über die IFC-Schnittstelle erfolgte der Datenaustausch mit den Fachplanern; die Ausführungsplaner von JSB fügten sie schließlich im BIM-Gebäudemodell zusammen

Die Grundidee für das Kinderhaus ist, mit großzügig gestalteten Lernlandschaften die Lust am Spielen, Entdecken, Ausprobieren, Lernen und Kommunizieren zu fördern. Die entsprechenden Räume werden durch hölzerne Kuben gebildet, die auf fünf Ebenen gestapelt sind. Die Flächen dazwischen sind offen und großzügig mit Sitzinseln und Rutschen gestaltet, Loggien und Balkone erweitern die Räume nach außen. Ein zentrales Atrium ist der kommunikative Kern des Hauses: er ist Empfang und Begegnungsort zugleich. Nach der BUGA soll das Gebäude auch als Familienzentrum dienen: Auf vier Ebenen können 90 Kinder betreut werden. Im obersten Geschoss sind darüber hinaus fünf kompakte Zwei- und Dreizimmerwohnungen für alleinerziehende Väter und Mütter und ihre Sprösslinge geplant. Der Bauherr legt Wert auf kostengünstigen Wohnraum, was den sozialen Charakter des Hauses zusätzlich untermauert und bei der Konstruktion und Technik Berücksichtigung fand.

Errichtet wird das Gebäude hauptsächlich in Holz und Beton. Als tragender Teil der Holzhybridkonstruktion sind Stahlbetonwandscheiben und Rundstützen vorgesehen, auf denen die Stahlbetondecken lagern; die Treppenhauskerne werden ebenfalls in Stahlbeton ausgeführt. Für die Ausfachungen der Außenwände sind mehrschichtige Holzelementwände geplant, für große Fassadenflächen Pfosten-Riegel-Konstruktionen aus Holz mit Aluminiumdeckschalen. Auf eine aufwendige Klimatisierung wird verzichtet. Die Gruppenräume sollen mit dezentralen Lüftungsgeräten ausgestattet werden; lediglich die Wirtschaftsküche mit Frischkostzubereitung soll ein zentrales Lüftungsgerät erhalten, das die Küchendämpfe über das Dach ableitet. Die zentrale Heizanlage für das Baufeld mit insgesamt sechs Einzelbauten wird neben der gemeinsamen Tiefgarage im Untergeschoss des Kinderhauses aufgestellt.

BIM
Basierend auf dem Gebäudeentwurf von Finkh Architekten (LPH 1-4) bauten JSB Architekten für die Ausführung ein BIM-Modell nach der Genehmigungsplanung komplett neu auf. Der Rohbau wurde anhand der Planungsgrundlage modelliert und mit Informationen zu Bauteilen und Elementen ergänzt. Hierzu gehört beispielsweise die Modifikation von Fenstern und Türen auf der Basis von Standardobjekten und deren Attributen sowie die Anpassung von Sonderbauteilen. Mit voranschreitender Planungstiefe wurde das erstellte Modell stetig ergänzt, abgeglichen und sein Detaillierungs- und Informationsgrad ergänzt.

So ist das Modell über die IFC-Schnittstelle an den Statiker und den TGA-Fachplaner übergeben worden, die ihre Fachplanungen nach Bearbeitung zurückspielten. Die Ausführungsplaner übernahmen die Daten und fügten sie schließlich im BIM-Gebäudemodell zusammen. Auf diese Weise entsteht ein konsistentes Modell, das über die Planungs- und Bauphase kontinuierlich wächst. Dabei kommt Open-Bim aus Sicht von JSB Architekten eine große Bedeutung zu: Die Planungspartner können mit ihren eigenen Werkzeugen, Hard- und Softwarelösungen arbeiten und dank des Austauschformates IFC ihre Fachmodelle in das Gesamtmodell einspielen.

Der Ansatz, Building Information Modeling erst später ab der LPH 5 in der Projektarbeit zum Einsatz zu bringen, bietet für Architekten, die noch nicht mit BIM vertraut sind, neue Chancen: Sie können sich auf die Leistungsphasen 1 bis 4 konzentrieren, ihren Entwurf konventionell in 2D oder 3D vorplanen und nach der Baugenehmigung durch spezialisierte Büros in eine BIM-Planung überführen lassen.

Bautafel

Architekten: Finkh Architekten, Stuttgart (LPH 1-4) / Jundi Schrade Baumeister (JSB) Architekten, Stuttgart (LPH 5)
Projektbeteiligte: Boll und Partner, Stuttgart (Tragwerksplanung); Wagner-Klein-Usenbenz, Neckarsulm (Haustechnik); SIB, Heilbronn (Elektrotechnik); Ingenieurbüro Langner, Eschborn (Bauphysik); Feil Brandschutzkonzepte, Erlenbach (Brandschutz)
Bauherr: Stadtsiedlung Heilbronn
Fertigstellung: 2019
Standort: Heilbronn
Bildnachweis: JSB Architekten, Stuttgart

Fachwissen zum Thema

Das Dateiaustauschformat IFC ist wesentlich für die Umsatzung von BIM-Projekten. Damit können BIM-Modelle samt nicht-geometrischer Informationen zwischen proprietären Softwares ausgetauscht werden.

Das Dateiaustauschformat IFC ist wesentlich für die Umsatzung von BIM-Projekten. Damit können BIM-Modelle samt nicht-geometrischer Informationen zwischen proprietären Softwares ausgetauscht werden.

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