Kindergarten Elsa Triolet in Mitry-Mory bei Paris

Pavillons rahmen einen Innenhof

Nordöstlich von Paris liegt in der Gemeinde Mitry-Mory der Kindergarten Elsa Triolet. Das Grundstück befindet sich in einem suburbanen Quartier mit orthogonalem Straßennetz und kleinteiliger Wohnbebauung. Der Neubau ersetzt ein Gebäude aus der Nachkriegszeit, dessen räumliche Struktur und baulicher Zustand den heutigen Anforderungen an Bildungsbauten nicht mehr entsprachen. Anstelle eines kompakten Bauvolumens entwickelten Richter Architectes eine kleinteilige Anlage in Holzbauweise. Mehrere Baukörper gruppieren sich um einen geschützten Innenhof, der das räumliche und soziale Zentrum bildet und den Kindern als sichere Spiel- und Aufenthaltsfläche dient. Den Kindergarten mit acht Gruppenräumen ergänzen ein Freizeitzentrum und eine Mensa, welche auch durch die benachbarte Grundschule genutzt werden.

Nach außen wirkt die Anlage geschlossen, um den Verkehrslärm abzuschirmen.
Zum Innenhof hingegen öffnet sich das Gebäude über große Fenster und Zugänge zu den Außenspielflächen.
Innenhof als zentraler Spiel- und Aufenthaltsbereich

Innenhof als geschützter Freiraum

Der Kindergarten wird von Norden über die Avenue de Verdun erschlossen. Der Zugang führt in einen zentralen Eingangs- und Verteilerbereich, von dem alle Nutzungen erreichbar sind. Während sich die Gruppenräume zum Innenhof richten, orientieren sich die Erschließungs- und Nebenfunktionen überwiegend zur Straße. Öffentliche Zugangsbereiche und ruhige Spielzonen sind klar getrennt; Herzstück der Anlage ist der geschützte Freibereich. Der Neubau gliedert sich funktional in drei Bereiche: den Kindergarten im Westen, das Freizeitzentrum im Osten und zwei Speisesäle im Süden. Die Gruppenräume orientieren sich nach Süden oder Osten. Sie öffnen sich mit großen Fensterflächen zum Hof und haben jeweils einen direkten Ausgang ins Freie. Ein großer Bewegungsraum zwischen Kindergarten und Freizeitzentrum steht allen zur Verfügung. 

Pultdächer – variabel und konstruktiv sinnvoll

Eine kleinteilige Dachlandschaft – überwiegend Pultdächer und ein Schmetterlingsdach – prägt den Kindergarten und bewirkt den äußeren Zusammenhalt. Die pavillonartigen Bauten gruppieren sich um den Innenhof wie eine Häusergruppe, ihre Maßstäblichkeit fügt sich gut in die umgebende Wohnbebauung ein. Die eher geringe Dachneigung erzeugt eine klare, ruhige Wirkung, vereinfacht die Entwässerung und die Konstruktionsweise. Im Inneren zeigt sich eine überraschend große räumliche Vielfalt: Auch wenn die Dächer in eine Richtung geneigt sind, entstehen durch unterschiedliche Ausrichtung verschiedene Raumvolumen. Die Oberlichter entlang der Dachversätze verlaufen mal längs und mal quer, sodass auch die Lichtstimmungen variieren.

Holzskelettbau mit Wand- und Deckenscheiben 

Der Kindergarten ist als Holz-Hybridbau konstruiert. Die primäre Tragstruktur bildet ein Holzskelett, dessen Stützen und Träger aus Brettschichtholz (BSH) ein regelmäßiges Raster bilden. Das ermöglicht eine flexible Organisation der Grundrisse und eine klare Gliederung. Die Decken bestehen aus großformatigen Brettsperrholzplatten (CLT) beziehungsweise Massivholzdecken aus Kiefer, die innen teilweise sichtbar belassen wurden und die warme, natürliche Atmosphäre des Kindergartens prägen. Die Aussteifung des Gebäudes erfolgt über CLT-Wandscheiben sowie punktuell über Betonbauteile.

Fassade und Innenraum

Die Gebäudehülle bilden vorgefertigte, gedämmte Holzrahmenelemente mit einer außenseitigen Kiefernholzschalung. Diese ist teils farbig lasiert, sodass einzelne Baukörper unterschiedliche Farbtöne aufweisen. Die kleinteilige Struktur der Pavillons wird dadurch betont, die Anlage wirkt lebendig und kindgerecht. Zudem schützt die Lasur vor Witterung und erhöht die Dauerhaftigkeit der Fassade.

Die Innenräume sind zurückhaltend und klar gestaltet: Kiefernholz findet sich hier in Teilen der sichtbaren Holzkonstruktion, aber auch in Wandbekleidungen und Einbaumöbeln. Weiß verputzte Wände, ein heller Linoleumboden und naturfarbene Akustikplatten an den Decken ergänzen die Holzoberflächen.

Bautafel

Architektur: Richter Architectes et associes, Straßburg, Paris
Projektbeteiligte: REK architectes, Straßburg (Bauleitung); SIB Etudes Wolfisheim, Ingénierie Bois, Bischheim (Tragwerksplanung); Solares Bauen, Freiburg (Bauphysik); Bruno Kubler, Straßburg (Landschaftsarchitekt)
Bauherr/in: Stadt Mitry-Mory
Fertigstellung: 2024 
Standort: 7 Av. de Verdun, 77290 Mitry-Mory, Frankreich
Bildnachweis: Luc Boegly, Paris

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