Kelterhalle des Weinguts Bietighöfer in Billigheim-Ingenheim

Abgestuftes Dach mit Lichtband und Flüssigabdichtung

Bei der Übernahme des Pfälzer Weinguts Bietighöfer befasste sich der Jungwinzer Stefan Bietighöfer intensiv mit Tradition und Moderne im Weinbau; dieser wurde auf dem Gut im Ortsteil Mühlhofen von Billigheim-Ingenheim bereits im 17. Jahrhundert betrieben. Als Burkhard Architekten aus dem nahen Landau mit der Planung und Ausführung einer neuen Kelterhalle beauftragt wurden, machten sie den Gegensatz zwischen Tradition und Moderne zum zentralen Entwurfsthema. Eine Erweiterung war infolge der vergrößerten Rebfläche notwendig geworden, die alte Kelterhalle bot nicht genügend Kapazitäten. Im Zuge der Expansion wurde ein Gesamtkonzept erstellt, das neben einer neuen Halle und der geplanten Vinothek die Erneuerung der Außenanlagen, der Wirtschaftshöfe und von Teilen der Außenwände im Bestand umfasst.

Ansicht Nord: Die Kelterhalle schließt direkt an eine bestehende, sogenannte „Blumenhalle“ an, die nun als Tanklager dient; als gestalterischer Kontrapunkt zum Sichtbeton wurde sie mit Cortenstahlplatten verkleidet
Die Öffnungen im Leichtbeton der Kelterhalle sind auf das Notwendigste reduziert
Die Schalungsfugen des Betons sollten sichtbar bleiben

Inmitten der Weinbaugemeinde Mühlhofen gelegen, ist das alte Weingut ein Ensemble mit viel Fachwerk und Sandsteinmauern, bewachsen von Rosen und Wein. Der Neubau hingegen ist vollständig aus Sichtbeton errichtet. Zeitgenössische und traditionelle Architektur sind damit im Ortskern verankert – ein harter Schnitt, der nicht für alle Bewohner des kleinen Ortes leicht zu verdauen ist. Um die bebaubare Fläche maximal zu nutzen, schließt die neue Halle direkt an eine bestehende, sogenannte „Blumenhalle“ an, die nun als Tanklager dient. Als Kontrapunkt zum Beton ist diese mit Cortenstahlplatten (4,00 x 1,25 Meter) bekleidet. Beim Entwurf der Kelterhalle orientierten sich die Architekten an der Gebäudehöhe der Blumenhalle, dem vorhandenen Geländeniveau und einer maximal zulässigen Gebäudehöhe auf der Grundstücksgrenze von 5,50 Meter. Als Ergebnis entstand ein Quader auf einer Grundfläche von 21,00 x 13,00 Meter, dessen Höhenentwicklung mittig um 1,50 Meter abgestuft ist. Der Baukörper verliert dadurch nicht an Kraft, fügt sich aber gefälliger in den Bestand.

Die Öffnungen des Betonquaders sind auf das Notwendigste reduziert: Zwei Türen und ein Sektionaltor, dazu eine über Eck laufende, schmale Festverglasung, die Besuchern von der vorgelagerten Terrasse Einblick in die Produktionsstätte erlaubt. Das Gebäude sollte innen wie außen die gleiche Oberfläche aufweisen; als Produktionsstätte für Wein muss es jedoch strenge klimatische Anforderungen erfüllen. Die Dämmung musste also in den Mauern integriert sein. Die Schalungsfugen sollten sichtbar bleiben, damit die Errichtung des Baukörpers nachvollziehbar bleibt – ein Verputzen kam nicht infrage. So wurden Wände und Deckenplatten rundum aus 35 cm starkem, bewehrtem LC 25/28 Beton erstellt. Dieser gewährleistet als Leicht- bzw. Dämmbeton die klimatischen Anforderungen an den Innenraum (zwischen 4°C und 23°C). Die abgestuften Deckenplatten wurden mit der gleichen Schalung wie die Wände erstellt.

Flachdach
Ein durchgehendes Lichtband zwischen oberer Dachfläche und Abstufung sorgt für die ausreichend natürliche Belichtung der Halle. Beide Dachflächen sind nur leicht ins Gefälle gezogen und werden über jeweils zwei Flachdachgullys entwässert. Als Abdichtung wurde nach einer ersten Grundierung eine mineralische Dichtschlämme (drei bis vier Millimeter Schichtstärke) aufgespritzt. Auf eine Attika wurde bewusst verzichtet – dementsprechend endet die Beschichtung am Dachrand.

Bautafel

Architekt: Burkhard Architekten, Landau/Pfalz
Projektbeteiligte:
Wolfgang Hey, Büro für Tragwerksplanung, Landau (Statik); Otto Andelfinger, Busenberg (Bauunternehmung); Schomburg, Detmold (Hersteller Flüssigabdichtung)
Bauherr: Weingut Bietighöfer, Billigheim-Ingenheim, Ortsteil Mühlhofen
Fertigstellung:
2013
Standort: Oberdorfstraße 13, 76831 Billigheim-Ingenheim
Bildnachweis: Hans-Georg Merkel, Landau/Pfalz

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