Kaufhaus Galleria in Gwanggyo

Mit additiver Fertigung zu spannungsvollem Fassadenbild

Im Einzugsgebiet der südkoreanischen Hauptstadt Seoul entsteht aktuell die Planstadt Gwanggyo – mit vielen Hochhäusern und einem neuen Einkaufszentrum des niederländischen Architekturbüros OMA. Die Fassade aus zahlreichen, dreieckigen Mosaiksteinen in Kombination mit komplexen Glasstrukturen hebt sich stark vom umgebenden Stadtbild ab: Das Bauwerk soll künftig als neues Zentrum des öffentlichen Lebens fungieren und ist optisch wie bautechnisch ein Hingucker.

Das Kaufhaus mit vielfältigem Kulturangebot trägt als Treffpunkt zum öffentlichen Leben in der Stadt bei.
Die steinern wirkende Mosaiksteinfassade wird durch komplexe Glaselemente regelrecht aufgebrochen.
Für die Herstellung der polygonalen Glasfassade kam die 3D-Drucktechnologie zum Einsatz.

Zwischen Natur und Stadt

Als erstes Franchise-Kaufhaus Südkoreas im Luxusmarkensegment wurde Galleria in den 1970er Jahren gegründet. Mit dem Bau des Einzelhandelmarktes in Gwanggyo eröffnete 2020 die sechste Filiale des Unternehmens. Von hohen Wohn- und Bürotürmen umgeben liegt das Kaufhaus am Rande des Suwon Gwanggyo Lake Park – als Bindeglied zwischen Natur und städtischer Umgebung. Von der stadtnahen Natur inspiriert, ragt das Kaufhaus skulptural wie ein Stein aus dem Boden. Diesen Effekt verstärkt die kleinteilige Fassade aus unzähligen dreieckigen Mosaiksteinen in verschiedenen Erdtönen. Diese sind so arrangiert, dass der Farbverlauf aus der Ferne an horizontale Gesteinsschichten erinnert.  

Der zwölfstöckige Komplex beinhaltet neben einem Markt mit Delikatessenangebot im Erdgeschoss zahlreiche Boutiquen in den Etagen zwei bis acht. Ein großzügiges Restaurant im neunten Obergeschoss, sowie ein darüber liegendes, zweistöckiges Kino, Aufenthaltsbereiche und eine begehbare Dachterrasse bilden den oberen Abschluss des Gebäudes.


Bandartig schlängelt sich ein öffentlicher Weg durch alle Etagen. Entlang des Weges finden sich immer wieder kaskadenartige Bereiche, die Platz für Ausstellungen und Aufführungen bieten. Das Einzelhandelsangebot wird so um verschiedene Kulturaktivitäten ergänzt. Diese interne Wegeführung ist deutlich in der Gebäudehülle ablesbar: Entlang der Schleife wird die steinerne Mosaikfassade durch eine konvexe, facettierte Glasfassade aus dreiecksförmigen Einzelverglasungen unterbrochen. Dadurch tritt das Gebäudeinnere in Kontakt mit der städtischen Umwelt: Für Passant*innen wird das Innere des Komplexes sichtbar und Besucher*innen haben unterschiedliche Blickbeziehungen nach außen.

Kunststoffknoten aus dem 3D-Drucker

Die komplexe Fassade aus Stein und Glas ist zugleich Besonderheit und Herausforderung: Eine Vielzahl von Fugenknoten aus Stahl hält die Einzelteile der polygonalen Glasfassade zusammen. Kein Knotenpunkt gleicht dabei dem anderen. Mit der Herstellung der Fassade einschließlich der diversen Knotenpunkte war das koreanische Architekturbüro Withworks beauftragt: Sie entwickelten ein Verfahren, bei dem sie die 3D-Drucktechnologie mit dem traditionellen Feingussverfahren kombinierten. Für großformatige Feingussmodelle spezialisierte 3D-Drucker stellten die 230 verschiedenen Knotenpunkte aus Kunststoff her. Im nächsten Schritt wurden die gedruckten Knoten mit einer keramischen Schicht überzogen und ausgebrannt, wobei der Kunststoff rückstandslos schmolz und die Keramik aushärtete. In die übrig gebliebene Hohlform konnte anschließend das geschmolzene Metall gegossen werden.

Laut Architekturbüro überzeugte die Kombination der beiden Verfahren in wirtschaftlicher wie ästhetischer Hinsicht. Die 3D-Drucktechnik ermöglichte eine schnelle Herstellung der unterschiedlichen Knotenpunkte, die auf konventionellem Wege die Kosten überstiegen und den Zeitplan gesprengt hätten. Die präzise Oberflächenqualität der gedruckten Modelle und der entsprechenden Stahlteile trägt zum komplexen Erscheinungsbild der Glasfassade bei. Durch den Einsatz von CAD- und Gießsimulationssoftware wurden mögliche Komplikationen bereits im Vorfeld reduziert. Dadurch konnten Nachproduktionen und Nachbearbeitungen, etwa durch Schweißen, vermieden werden – ein Plus für die Einhaltung des Zeitplans. Mit der additiven Fertigung setzten die Architekt*innen auf eine werkzeuglose Konstruktion – alle 230 Knotenpunkte konnten dadurch in nur vier Monaten gedruckt, gegossen und installiert werden.

Bautafel

Architektur: OMA, Rotterdam
Projektbeteiligte: Gansam Architects & Partners, Seoul (Ausführungsplanung); Hanwha E&C, Seoul (Bauunternehmen); WITHWORKS, Seoul (3D Vorhangfassade); VS-A, Seoul (Fassadenberatung); DAEHYE Interior Design & Architecture, Seoul (Außenverkleidung); KoPEG Engineering (Tragwerksplanung); ENG Engineering, Jacksonville (TGA-Planung); NARA Engineering, Kadawatha (Elektroplanung); Samoo M.E.P Consultant, Seoul (Brandschutz)
Bauherr/in: Hanwha Galleria, Seoul
Fertigstellung: 2020
Standort: 124 Gwanggyojungang-ro, Gwanggyo, Südkorea
Bildnachweis: Hong Sung Jun für OMA (Fotos); OMA (Pläne und Diagramme)

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