Instandsetzung und Erweiterung: Schwimmbad in Saint-Méen-le-Grand

Alt und Neu vereint in Schiefer, Holz und Glas

In der landschaftlich eindrucksvollen, rauen Bretagne ist Schiefer als Material für Dachdeckungen verbreitet. Und zwar nicht nur auf historischen Gebäuden – bei diesen allerdings regelmäßig. Die Gemeinde Saint-Méen-le-Grand befindet sich westlich von Rennes inmitten der Bretagne. Dort sanierten und erweiterten Atelier Raum architectes, deren Büro sich in Nantes befindet, ein in den 1990er-Jahren errichtetes öffentliches Schwimmbad. Obwohl es in den Jahren 2008, 2013 und 2015 renoviert oder erweitert wurde, entsprach es nicht mehr den aktuellen Anforderungen der Gemeinde.

Dem zuvor unauffälligen Bestand fügten sie drei Baukörper hinzu.
Alt und Neu verbindet eine umlaufende dunkle Holzfassade (Ansicht Nordwest).
Minimierte Dachüberstände und beinahe rahmenlose Fenster zeichnen das Ensemble aus.

Klare Konturen in Schiefer, Holz und Glas

Atelier Raum architectes ergänzten und verwandelten die bestehende Gebäudegruppe derart, dass sich das Ensemble in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer denkmalgeschützten Abtei heute zeitgemäß darstellt. Während die Abtei von historischen Bruchsteinmauern, spitz zulaufenden Fensterbögen und Schieferdächern geprägt ist, zeigt der 2022 fertiggestellte Gebäudekomplex fein strukturierte, dunkle Holzfassaden mit beinahe rahmenlosen Fensteröffnungen und Schieferdächer mit minimiertem Dachüberstand. Die neue Schwimmhalle allerdings sticht hervor: Sie öffnet sich unter einer weit spannenden Dachkonstruktion mit Glasfassaden zur Landschaft. Insgesamt weckt die Agglomeration scheinbar eng zusammengerückter Häuser Assoziationen zu landwirtschaftlichen Höfen, wie sie für die Region typisch sind.


Fortführung und Ergänzung des Bestehenden

Das Erscheinungsbild des Bestands war unauffällig: Sockel aus Beton, Wände aus Mauerwerk, Dächer als schiefergedeckte Holzkonstruktionen. Die Architekten nutzten das Vorhandene so weit als möglich, setzten die Kubaturen fort und fügten im Nordwesten und Südosten einen Baukörper im gleichen Format hinzu. Mit einer umfassenden Holzfassade schufen sie eine dämmende Hülle, die darüber hinaus eine Ensemblewirkung erzeugt. Als Blickfang ist die neue Schwimmhalle bekrönt von einem den üblichen Maßstab sprengenden, weit spannenden Dach; ausgerichtet zur Abtei im Südosten. Gestalterisch verfolgten die Planenden bei ihrem Entwurf neben einem grundlegenden Respekt gegenüber dem Vorhandenen den Willen zur Abstraktion.

Dunkle Hülle, heller Kern

Obgleich die Dachlandschaft an eine Hausgruppe denken lässt, sind die Gebäudeteile im Inneren miteinander verbunden. Das Schwimmbecken im Zentrum des Bestands ist der Erholung und Entspannung vorbehalten. Ein Kinderbecken befindet sich im Übergang zur neuen Schwimmhalle mit Sportbecken. Weitere Funktionen wie die Verwaltung, der Eingangsbereich, die Umkleiden und Schließfächer, Sanitärbereiche, Stau- und Lagerflächen reihen sich um die zentralen Funktionen an der West- und Nordseite. Ähnlich der einheitlichen äußeren Hülle gelang die Verbindung alter und neuer Räume im Inneren durch Fortführung der Materialien (Holz, Fliesen, Mauerwerk, Holzwolle-Leichtbauplatten) und Farben (vorrangig Weiß).

Schiefer als Dachdeckung für Alt und Neu

Das weit gespannte Dach der neuen Schwimmhalle ist eine Konstruktion aus Brettschichtholz mit doppelten Fachwerkträgern. Die tragende Struktur ist unterseitig bekleidet, auch technische Elemente wie Lüftungsrohre und Entrauchungsklappen befinden sich im zu Inspektionszwecken begehbaren Dachraum. Die bestehenden, mit Naturschiefer gedeckten Dächer wurden vollständig saniert und gereinigt. Im Sinne einer einheitlichen Gesamtwirkung sind auch die Neubauten einschließlich der großen Halle mit Naturschiefer gedeckt. Es handelt sich um eine für die Region typische Rechteckdeckung; die Schieferplatten sind mit schwarzen Edelstahlhaken befestigt. -us

Bautafel

Architektur: Atelier Raum Architectes, Nantes
Projektbeteiligte: LEICHT Structural engineering, Rosenheim (Statik); Tual, Nantes (Gebäudetechnik); Vincent Hédont, Bordeaux (Akustik); Cruard Couverture, Simplé (Dachabdichtung und Schieferdeckung), Deschamps, Gerbaix (Holz- und Metallarbeiten); Bernard Électricité, Acigné (Elektroplanung)
Bauherr/in: Communauté de communes Saint-Méen Montauban
Fertigstellung: 2022
Standort: Rue du Révérend Père Janvier, 35290 Saint-Méen-le-Grand, Frankreich
Bildnachweis: Charles Bouchaib

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