Innovationszentrum Westspitze Tübingen

Terrassen und Garten auf verschiedenen Höhen

Unweit des Hauptbahnhofes, parallel zu den Bahngleisen und dem Neckarufer, bildet das Innovationszentrum Westspitze Tübingen nach Plänen von a+r Architekten ein städtebauliches Zeichen. Mit bis zu sieben Geschossen erhebt sich der kompakte Büro- und Gewerbebau auf einem mehreckigen Grundstück, welches sich gen Osten aufweitet. Die nach Westen gerichtete Front markiert die Spitze des städtischen Blocks und formt eine Art Turm.

Der in dunklem Klinker bekleidete Betonsockel beherbergt das Erdgeschoss.
Eine Dachterrasse im siebten Obergeschoss umgreift die sogenannte Skybar (Ansicht aus nordwestlicher Richtung).
Fassade aus Aluminium, Glas und PV-Elementen

Drei verschieden hohe Flachdächer

Der Hybridbau aus Holz und Beton ist Auftakt eines neuen, gemischten Quartiers auf der Achse des alten Güterbahnhofes im Osten Tübingens. Der Gebäudekomplex ist abgetreppt: Vom höchsten Gebäudeteil mit fünfeckigem Grundriss ausgehend erstreckt sich südlich entlang der Reutlinger Straße ein dreigeschossiger Quader. Der nördliche Gebäudeteil zur Hannah-Bernheim-Straße bleibt eingeschossig.

Sockel und Gebäudekern aus Stahlbeton

Der Gebäudesockel aus Stahlbeton ist mit dunklen Klinkern bekleidet und beherbergt das Erdgeschoss. Zwei Untergeschosse nehmen unter anderem Stellplätze für Pkw auf. Ein Gebäudekern mit Treppenhaus und Aufzügen ist ebenfalls aus Stahlbeton errichtet: Er wirkt aussteifend und ermöglicht die weitere Aufgliederung des Grundrisses in rechteckige Felder, welche für den effizienten Einsatz von Deckenelementen aus Holz erforderlich sind.

Aluminium, Glas und PV-Elemente

In die vorgehängte Aluminiumfassade des Holz-Hybrid-Baus sind farbig beschichtete Photovoltaikelemente integriert. Die in einem warmen Erdton gehaltene Fassade hat unterschiedliche Tiefen und Oberflächen. Im Zusammenspiel mit bronzefarben schimmernden PV-Elementen entsteht ein wechselhaftes Erscheinungsbild. So verändert sich das kompakte Volumen im Tagesverlauf durch Licht- und Schattenspiele, die Großform erscheint weniger massiv.

Tragwerk aus regional erwirtschaftetem Holz

Die Fassadengeometrie ist auf die Anforderungen des Holztragwerks abgestimmt: Insgesamt wurden 1.100 Kubikmeter Massivholz von Fichten aus dem Nordschwarzwald und aus Oberschwaben verbaut. Die Deckenelemente überspannen sieben Meter und sind als Holz-Beton-Verbund mit 20 cm Brettschichtholz und 10 cm Aufbeton ausgeführt. 

Lichte Innenräume und bepflanzte Wände

Große, meist raumhohe Fenster und helle Sichtholzflächen, perforierte weiße Akustikdecken, weiß verputzte Wände und marmorierte hellgraue Bodenbeläge sorgen für lichte Innenräume. Lebendige, farbige Akzente setzen begrünte Trennwände, die als vertikale Gärten mit Elchfarnen, Orchideen und anderen tropischen Pflanzen gestaltet sind. Im Erdgeschoss gibt es einen großen Saal für Kongresse und andere Veranstaltungen. Auf der obersten Etage eröffnet ein Gemeinschaftsraum mit Terrasse einen spektakulären Rundumblick. 

Flachdächer mit Terrassen, Photovoltaik und Garten 

In nur fünf Minuten ist die Westspitze Tübingen vom Hauptbahnhof zu Fuß erreichbar. Das im Stadtraum weithin sichtbare Gebäude folgt einem nachhaltigen Konzept: Es ist eines der ersten Holzhybrid-Projekte dieser Größenordnung und im KfW-Effinzienzhaus-Standard 55 errichtet. Die Flachdächer in drei verschiedenen Höhen werden als Terrassen genutzt, sind begrünt und mit Photovoltaik ausgestattet. Die Freianlagen hat Georg Wasmer von Maier.Wasmer Landschaftsarchitektur entworfen. 

Viel Aussicht in luftiger Höhe

Im siebten Obergeschoss umgreift eine nach Westen gerichtete Dachterrasse die sogenannte Skybar und bietet spektakuläre Aussicht an drei Seiten. Der repräsentative Ort eignet sich gut für Veranstaltungen; der Terrassenboden ist mit Keramikdielen ausgeführt. Pflanzgefäße mit Gräsern und Stauden sind als mobile Begrünung aufgestellt, etwa mittig ist ein Pflanztresen in den Dachaufbau integriert. Die Dachfläche der Skybar ist extensiv begrünt und mit PV-Elementen versehen. 

Die 120 Quadratmeter große Dachterrasse im dritten Obergeschoss gehört zu einer Gewerbeeinheit; der Terrassenbelag besteht aus Holz. Weitere Bereiche des Nutzdachs auf dieser Höhe sind ebenfalls extensiv begrünt und mit Photovoltaik ausgestattet. 

Dachgarten als Erholungsraum

Der Dachgarten über dem eingeschossigen nördlichen Gebäudeflügel ist Treffpunkt und Erholungsraum für alle Beschäftigten. Zwei Rampen führen aus dem Gebäude auf die rund 400 Quadratmeter große Pausen- und Grünfläche, deren Wege sich zu kleinen Plätzen aufweiten. Zwischen Stauden und Sträuchern, im Schatten von Bäumen und mit Blick auf einen Quellstein gibt es verschiedene Sitzgelegenheiten. 

Aus statischen Gründen waren die Aufbauhöhen und Substratstärken begrenzt: Für Sträucher und Kleinbäume sind Substratstärken bis zu 60 cm erforderlich. Realisieren ließ sich die abwechslungsreiche, funktionale und ästhetische Gestaltung mithilfe einer Systemlösung, zu der eine Dämmung, die Abdichtung, ein starkes Schutzvlies sowie 60 mm hohe Dränelemente gehören.   

Mit seiner hohen Aufenthaltsqualität erhielt der Dachgarten den dritten Preis beim Wettbewerb des BuGG „Gründach des Jahres 2024“. -us

Bautafel

Architektur: a+r Architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: pro.b Planungsgesellschaft, Tübingen (Projektentwicklung und -steuerung); Maier Wasmer Landschaftsarchitektur, Berlin (Planung Freianlagen mit Dachgarten); Pronatur, Garten- und Landschaftsbau, Metzingen (Ausführung Dachbegrünung); Bauder, Stuttgart (Hersteller Dachbegrünungsaufbau: BauderGreen FSM 600, BauderGreen DSE 40 und 60, BauderGreen FV 125 Filtervlies, BauderGreen Mineraldrän Lava L, Substrate BauderGreen LBB-I und LBB-E)
Bauherr:
Westspitze Gewerbebau, Berlin
Fertigstellung: 2020
Standort: Eisenbahnstraße 1, 72072 Tübingen
Bildnachweis: Brigida Gonzalez (Fotos Westspitze); Bauder, Stuttgart (Fotos Dachbegrünung); a+r Architekten, Stuttgart (Pläne); Maier Wasmer Landschaftsarchitektur, Berlin (Entwurfsplanung Freianlagen)

BauNetz Architekt*innen

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