Industriegebäude mit neuer Nutzung in Pulheim

Vom Walzwerk zum Campus

Bis Anfang der 1990er Jahre wurde in den Industriehallen des Walzwerkes in Pulheim noch Bandeisen hergestellt. Das Areal, das Ende des 19. Jahrhunderts erstmals bebaut wurde, umfasst mehrere Hallengebäude aus Stahl, Glas und rotem Backstein und existiert seit mehr als hundert Jahren. Fritz Uebemann kaufte das Werk 1915 und produzierte - mit einigen Unterbrechungen - geschweißte Präzisionsstahlrohre und kaltgewalztes Bandeisen. 1992 wurden die Maschinen des Werkes aufgrund veränderter Marktbedingungen in den Iran verkauft, wo sie noch heute produzieren.

Zweigeschossige Parzellen für Einzelhandel und Dienstleistungsbetriebe
Erhaltenes Dachtragwerk einer abgerissenen Halle
Kunstgalerie

Sanierung/Modernisierung
Die historisch wertvollen Gebäude mit dem Charme und der Patina alter Industriehallen wurden zunächst ohne weitere Umbauten an unterschiedliche Gewerbebetriebe sowie den Inhaber einer Kartbahn vermietet. Brandschutzvorschriften erforderten langfristig jedoch eine entsprechende Sanierung und Aufteilung der großflächigen Innenräume, so dass die Hallen nach kurzer Zeit wieder frei wurden. 

Nach den Vorschlägen des Kölner Architekten Rolf Dahlbender wurden die Räumlichkeiten nach und nach behutsam saniert und einer neuen Nutzung zugeführt. Gastronomie, Theater, Veranstalter, Künstler, Galerien sowie kleine Einzelhandels- und Dienstleistungsbetriebe fanden in dem speziellen Interieur eine neue Wirkungsstätte. Die loftähnlichen Büros und Ateliers bieten dabei auf mehr als 150 Quadratmetern Nutzfläche eine ungewöhnliche Arbeitsatmosphäre. Um die Erschließung der kleinteiligeren Nutzung zu gewährleisten, mussten zwei Hallen abgerissen werden, deren Dachtragwerk jedoch als Reminiszenz an die alte Industriearchitektur erhalten blieb.

Im Jahr 2010 zog die Fachhochschule des Mittelstands in einen Teil des ehemaligen Walzwerkes ein, wo sie seitdem drei technologie- und managementorientierte Bachelorstudiengänge anbietet. Die Räumlichkeiten bestehen aus einer offenen, zweigeschossigen Erschließungshalle, die durch ein Glasdach entlang des gesamten Dachfirsts von oben belichtet wird. Eine umlaufende Galerie und zwei großzügige Treppen erschließen die bislang noch nicht genutzten Bereiche im 1. Obergeschoss. Die Büroräume der Lehrenden und Mitarbeiter sowie die Seminarräume im Erdgeschoss grenzen sowohl an die zentrale Halle als auch an die raumhohe Glasfassade und sind durch transparente Trennwände einsehbar. Eine in die Halle integrierte offene Küche mit Tresen dient den Studierenden als Treffpunkt. Die eingesetzten Materialien entsprechen der Geschichte des Ortes oder sind kompatibel eingebunden: Sichtbare Stahlträger wurden mit Glas, Metall, Ziegeln, Kalksandstein und großflächigen Holzfußböden kombiniert.

Ende 2010 waren die bislang geplanten Sanierungs- und Umbaumaßnahmen der vermieteten Parzellen weitgehend abgeschlossen. Trotzdem bietet das gesamte Areal ein großes Potenzial für Erweiterungen und weitere Ausbauten. Ein Hotel mit Seminarangebot wird auf dem Gelände bereits realisiert.

Bautafel

Architekt: Rolf Dahlbender, Köln
Projektbeteiligte: Wolf-Rüdiger Schmidt-Holzmann, Pulheim (Bauleitung); Bauunternehmung Peter Hammerich, Frechen (Maurer- und Betonarbeiten); Schmittmann & Wagner, Düsseldorf (Heizung und Sanitär); Frank Systemtechnik, Leichlingen (Dacharbeiten); Alu-Bau-Graf, Offstein (Fassade)
Bauherr:
Uebemann Rohr- und Walzwerk, Pulheim
Fertigstellung: 2010
Standort: Rommerskirchener Str. 21, 50259 Pulheim

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