Hybridhochhaus in Frankfurt am Main

Pfosten-Riegel- trifft Elementfassade

Mit „nur“ 145 Metern Höhe wirkt es für Frankfurter Verhältnisse geradezu bescheiden – das von Cyrus Moser Architekten im neuen Senckenberg Quartier zwischen den Stadtteilen Bockenheim und Westend errichtete Hochhaus One Forty West. Sind doch Commerzbank Tower und Messeturm mehr als hundert Meter höher. Charakteristisch für diesen Neubau am ehemaligen Standtort des 2014 gesprengten Uni-Turms ist aber nicht seine Höhe, sondern es sind die vielzähligen Nutzungen, die sich auch an der Fassade ablesen lassen.

Mit 145 Metern ist es bei weitem nicht das höchste Hochhaus Frankfurts.
Der Nutzungsmix besteht aus Wohnen im oberen...
...und einem Hotel im unteren Teil.

Nutzungsmix und spiralförmiges Balkonfassadenband

Das Hochhaus mit 41 Ober- und vier Untergeschossen ist wie folgt organisiert: Im Erdgeschoss befinden sich verschiedene Lobbys und ein Restaurant, über die Etagen zwei bis 23 erstreckt sich ein Hotel mit 276 Zimmern, 149 Appartements, Konferenzräumen, Fitness, Spa und einer Skybar einschließlich öffentlich zugänglicher Terrasse im 15. Obergeschoss. In 84 Metern Höhe beginnt die Wohnnutzung: Vom 24. bis zum 31. Obergeschoss sind 93 Mietwohnungen und darüber – vom 32. bis zum 40. Obergeschoss – 94 Eigentumswohnungen untergebracht. Jede Wohnung ist mit bodentiefen Panoramafenstern ausgestattet und hat mindestens einen Balkon mit Glasbrüstung.

Die Balkone – C-förmige Module aus Decke, seitlicher Wandschotte und Vordach ­– sind versetzt zueinander angeordnet, sodass sie sich spiralförmig zu einem knapp drei Kilometer langen, aufsteigenden Band um den Turm zusammenfügen, dessen Erscheinungsbild sie oben, im Bereich der Miet- und Eigentumswohnungen prägen. Zeitgleich mit dem Hybridhochhaus haben Cyrus Moser Architekten in dem vierteiligen Ensemble des Senckenberg Quartiers den 106 Meter hohen Senckenbergturm als zweiten Hochpunkt mit Büroraum für maximal 1.200 Beschäftigte auf 26 Geschossen realisiert. 

Fassade: Pfosten-Riegel- und Elementfassade mit windstabilem Sonnenschutz von MHZ

Aus der Überlagerung von Hotel- und Wohnnutzung ergibt sich ein Fassadenmodul von 2,10 Metern für das gesamte Gebäude. Der zweigeschossige Sockel auf trapezförmigem Grundriss hat eine Stahl-Pfosten-Riegel-Fassade kombiniert mit einer hinterlüfteten Glasfaserbetonbekleidung, Blechbekleidungen und Lochfenstern. Der Gebäudeschaft mit den Hotelzimmern im zweiten bis fünfzehnten Obergeschoss hat eine im Vergleich zum Wohnteil dezente Aluminium-Elementfassade, die Skybar im 15. und 16. Obergeschoss wiederum eine Stahl-Pfosten-Riegel-Fassade und einen Balkon mit Windfang. Die darüber liegenden Geschosse mit den Hotelappartements und den Wohnungen haben eine Aluminium-Elementfassade mit vorgefertigten Balkonen und Vordächern, teils raumhohen Balkonverglasungen, Glasbrüstungen, Trennwandschotts sowie manuell und motorisch betriebenen Schiebetüren.

Zahlreiche intelligente Technologien sollen den Nutzenden Komfort und Sicherheit gewährleisten und darüber hinaus zur Energieeffizienz beitragen. Um ein angenehmes Raumklima zu schaffen und gleichzeitig Heizenergie und Strom einzusparen, wurden 1.150 Fenster mit dem automatisierten, außenliegenden Metallbehang s_enro von MHZ versehen. Die filigrane Bauweise aus recycelbaren Aluminium-Mikrolamellen verspricht die bei Hochhäusern wichtige Windstabilität bis zur Windwiderstandsklasse 5. Der Sonneneintrag in das Gebäude wird um bis zu 90 Prozent reduziert, während aufgrund des hohen Transparenzgrads zugleich Tageslicht die Innenräume erhellt.

Die Elementfassade und die Balkonanlagen wurden etagenweise mit Hilfe eines Minikrans montiert. Dabei musste berücksichtigt werden, dass aufgrund der spiralförmigen Anordnung immer je sechs bzw. sieben Balkone direkt ineinandergreifen. Die vorgefertigten Balkonelemente haben jeweils zwei Kragarme, die über T-Hook-Konsolen mit dem Rohbau verschraubt wurden. Die c-förmigen Balkonmodule haben, entsprechend dem Fassadenraster, eine Breite von 8,40 Metern. Insgesamt wurden fast 1.400 Balkon-Einzelelemente verbaut.

Bautafel

Architekten: Cyrus Moser Architekten, Frankfurt am Main
Projektbeteiligte: Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft (Projektmanagement), Gassmann+ Grossmann Baumanagement, Stuttgart (Baumanagement), Werner Sobek Frankfurt, Frankfurt am Main (Tragwerksplanung), DS-Plan Ingenieurgesellschaft für ganzheitliche Bauberatung und Generalfachplanung (TGA-Planung und Fassadenplaner), Lindner Fassaden, Arnstorf (Fassade); MHZ (Sonnenschutz; Produkt: s_enro)
Bauherr: T-Rex Grundstück, T-Rex Smart Living, T-Rex Hotel, Gemeinschaftsunternehmen der Commerz Real und der Groß & Partner Grundstücksgesellschaft, Wiesbaden
Fertigstellung: 2021
Standort: Senckenberganlage 15, 60325 Frankfurt am Main
Bildnachweis: Thomas Gessner, Frankfurt am Main; Sebastian Herkner, Offenbach; Lindner Group, Arnstorf; Walter Luttenberger, Gratkorn; Thomas Mayer, Neuss; Faruk Pinjo, Wien; Cyrus Moser Architekten, Frankfurt am Main

Fachwissen zum Thema

Elementfassade mit integriertem Sonnenschutz am Hegau Tower in Singen, Architekten: Murphy/Jahn

Elementfassade mit integriertem Sonnenschutz am Hegau Tower in Singen, Architekten: Murphy/Jahn

Fassadenarten

Elementfassaden

Bei Lochfassaden sitzen die vereinzelten Fenster jeweils in einer passenden Rohbauöffnung.

Bei Lochfassaden sitzen die vereinzelten Fenster jeweils in einer passenden Rohbauöffnung.

Fassadenarten

Loch- und Bandfassaden

Zwischen den Pfosten und Riegeln können Glasflächen, Blindpaneele oder Öffnungselemente angeordnet sein.

Zwischen den Pfosten und Riegeln können Glasflächen, Blindpaneele oder Öffnungselemente angeordnet sein.

Fassadenarten

Pfosten-Riegel-Fassade

VHF am Baustofflabor der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur

VHF am Baustofflabor der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur

Fassadenarten

Vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF)

Surftipps

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Fassade sponsored by:
MHZ Hachtel GmbH & Co. KG
Kontakt  0711 / 9751-0 | info@mhz.de