House of Schools 1 in Linz

Freiraum im festen Raster

Am südlichen Rand der Johannes Kepler Universität in Linz markiert das House of Schools 1 den Auftakt einer größeren Erweiterung. Es ist das erste Glied einer Kette von drei gleich großen Häusern, die die Südkante des Campus fassen werden. Der 2024 fertiggestellte Neubau von Querkraft Architektur vereint auf rund 7.000 Quadratmetern Seminarräume, Besprechungsbereiche und Büros der JKU Business School. Sein räumliches und konstruktives Rückgrat bildet ein weitspannendes Stahlbetonskelett, das im Inneren sichtbar blieb.

Das fünfgeschossige Atrium durchziehen Stützen, Balken, Brücken und Treppen.
Das Foyer öffnet sich als großzügige Kommunikationslandschaft mit Sitzstufen, freitragenden Treppen und gut erkennbarem Betontragwerk.
Besprechungsinseln mit schweren Vorhängen schaffen Rückzugsorte innerhalb der offenen Erschließungs- und Arbeitsbereiche.

Von außen wirkt der fünfgeschossige Baukörper ruhig und klar. Tiefe gewinnt die Hülle durch ein zweischichtiges Fassadensystem: Hinter einer vorgelagerten, hell beschichteten Stahlkonstruktion liegt eine Pfosten-Riegel-Fassade als thermische Gebäudehülle. Textilscreens, vertikale Lochblechlamellen und begrünte Felder filtern Licht und Sonne; Rankpflanzen überlagern die strenge Geometrie zunehmend. Je nach Tageszeit, Witterung und Jahreszeit verändert sich das Bild des Hauses.

Beton spannt den Rahmen

Der zur Campusmitte gelegene, nördliche Eingang führt in ein großzügiges Foyer, das das Hochschulleben direkt ins Gebäude holt. Im Inneren öffnet sich ein fünfgeschossiges Atrium, das mit einem breiten Glasdach abschließt. Freitragende Treppen, Brücken und Podeste durchqueren den hellen Luftraum, verbinden die Ebenen und erzeugen wechselnde Blickbeziehungen. Teeküchen, Besprechungsinseln und informelle Arbeitsplätze lagern sich an diese vertikale Mitte an. Erschließung wird hier zum Aufenthaltsraum. Wer das Gebäude betritt, sieht Studierende und Beschäftigte auf mehreren Geschossen zugleich, entdeckt Rückzugsorte hinter schweren Akustikvorhängen und erlebt das Haus als räumliches Netzwerk.

Das Erdgeschoss nimmt vier Seminarräume sowie einige große Besprechungsräume und Projektbüros auf. Darüber liegen überwiegend die Büros der Institute, im obersten Geschoss ergänzt ein Gemeinschaftsraum mit vorgelagertem Balkon das Programm. Lager- und Technikflächen befinden sich im teilweise ausgebildeten Untergeschoss. Entlang der Außenfassaden profitieren die Arbeitsräume von Tageslicht und Ausblicken über den Campus. Zum Atrium hin springen die Wände vor und zurück. Dadurch entstehen Nischen, aufgeweitete Gangzonen und kleine Orte für Gespräche, ohne die klare Grundordnung des Hauses aufzulösen.

Diese Offenheit gründet auf einem Raster von zehn mal zehn Metern. Schlanke Stahlbetonstützen und Unterzüge überspannen große Felder, Hohlkörperdecken reduzieren dabei den Materialeinsatz. Weil die innere Aufteilung weitgehend mit leichten Trennwänden erfolgt, kann das Gebäude auf veränderte Anforderungen reagieren. Einzelbüros lassen sich zusammenfassen, Seminarräume anders zuschneiden, größere Arbeitsbereiche neu gliedern. Der Beton bildet dafür einen robusten Rahmen, der langfristig bestehen kann, während sich der Ausbau verändert.

Sichtbare Konstruktion

Tragstruktur, Decken und Boden bleiben weitgehend unverkleidet. Graue Sichtbeton- und Estrichflächen, lindgrüne Wandflächen, weiße Staketengeländer und Glas bestimmen die zurückhaltende Materialpalette. Die farbig abgesetzten Elemente heben das Rohbauskelett hervor und erleichtern die Orientierung. Vor allem im Atrium lässt sich die Konstruktion dadurch gut ablesen: Stützen tragen sichtbar die Unterzüge, Decken zeichnen ihre Spannrichtung nach, Treppen und Podeste treten als eigenständige Betonkörper hervor. Trotz der großen Masse wirkt der Innenraum leicht, weil das Glasdach Tageslicht tief in das Gebäude führt und die offenen Geschossränder den Blick immer wieder in die Höhe lenken.

Die sichtbar belassenen Oberflächen verlangten eine präzise Planung. Querkraft stimmte Schalung, Fugenverläufe und Kanten in enger Abstimmung mit den ausführenden Firmen ab. Zahlreiche Muster halfen dabei, besonders die schlanken Stützen und Unterzüge zu schärfen. Verwendet wurde ein Beton der Festigkeitsklasse C50/60 mit CEM-II/A-Zement. Hohe Festigkeit und feine Querschnitte sollten sich mit gleichmäßiger Sichtbetonqualität verbinden. Dazu mussten Rezeptur, Schalhaut, Schalungsstöße und Betonage exakt aufeinander abgestimmt werden. Die Konstruktion bleibt dadurch roh ablesbar, ohne grob zu erscheinen.

Beton als thermischer Speicher

Auch im Energiekonzept übernimmt der Baustoff eine aktive Rolle. In die Decken integrierte Rohrregister nutzen die Speichermasse des Betons zum Heizen und Kühlen. Diese sogenannte Betonkernaktivierung deckt die thermische Grundlast und sorgt für gleichmäßige Temperaturen. Damit die aktivierten Decken ihre Speicherwirkung entfalten können, bleiben ihre Untersichten frei. Unterzüge, Deckenfelder und offen geführte Installationen prägen deshalb das Erscheinungsbild der Innenräume. Planung und Haustechnik mussten früh ineinandergreifen, denn spätere Korrekturen lassen sich in dieser offenen Konstruktion kaum verbergen.

Wärmepumpen fördern Erdwärme aus einem Feld von Tiefensonden. Diese reichen allerdings nur rund 50 statt der geplanten 120 Meter in den Boden, da man bei den Bohrungen auf Grundwasser mit hohem Druck stieß. Die geringere Bohrtiefe gleicht die größere Zahl kürzerer Sonden aus. Eine mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung, automatisierter Sonnenschutz und ein Smart-Building-System ergänzen das Konzept. Mehr als 1.000 Mess- und Steuereinrichtungen regeln Heizung, Kühlung, Verschattung und Bewässerung. Auf dem begrünten Dach erzeugt eine Photovoltaikanlage Strom. 

Bei den Außenanlagen setzten die Planer*innen auf Verschattung, Versickerung und einen behutsamen Umgang mit dem vorhandenen Baumbestand. Sitzbereiche erweitern die Lern- und Arbeitsorte ins Freie. Die Fassadenbegrünung verbessert das Mikroklima. So verbindet das House of Schools zwei Zeithorizonte: Im Alltag schafft es offene Räume für Austausch und Konzentration. Langfristig hält das Betonskelett genug Spielraum bereit, damit sich Nutzung, Raumaufteilung und Campus weiterentwickeln können.

Bautafel

Architektur: querkraft architektur, Wien
Projektbeteiligte: DELTA Projektsteuerung & Management (Projektsteuerung); L-Bau-Engineering (Generalplanermanagement); werkraum ingenieure (Tragwerksplanung); Porr Bau (Rohbau); TB Transportbeton (Betonlieferant); Obkircher Plus (TGA); LARIX Engineering (Bauphysik & Zertifizierung); FireX Gresslehner (Brandschutz); Clemens Häusler (Akustik & Schallschutz)
Bauherr*in: Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) – Unternehmensbereich Universitäten
Fertigstellung: 2024
Standort: Altenberger Straße 69, 4040 Linz, Österreich
Bildnachweise: querkraft – Hertha Hurnaus (Fotos), querkraft (Pläne)

BauNetz Architekt*innen

Fachwissen zum Thema

Sichtbetonoberflächen lassen sich im Herstellungsprozess oder auch nach dem Ausschalen gestalten.

Sichtbetonoberflächen lassen sich im Herstellungsprozess oder auch nach dem Ausschalen gestalten.

Oberflächen

Sichtbetonoberflächen

Rohrregister auf einer Rohdecke verlegt

Rohrregister auf einer Rohdecke verlegt

Bauphysik

Thermische Bauteilaktivierung

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
BauNetz Wissen Beton sponsored by:
Deutsche Zement- und Betonindustrie vertreten durch das
InformationsZentrum Beton | Kontakt 0211 / 28048–1 | www.beton.org