House and Beeyard in Zalacsány
Steine in neuer Matrix
Im Balaton-Hochland im Westen Ungarns, eingebettet zwischen Weinbergen, Basaltkuppen und alten Bruchsteinmauern, liegt das Ensemble House and Beeyard (deutsch: Haus und Bienenhof; ungarisch: Ház és Méhes). Auf dem Grundstück stand ursprünglich ein bäuerliches Gehöft mit einem langgestreckten Wohnhaus, Stall und Scheune sowie zwei Nebengebäuden. Eines davon diente einst als Bienenhof und gab dem Projekt seinen Namen. OKKA Architects wollten die vorhandenen Mauern zunächst erhalten und weiterbauen. Doch während der ersten Bauphase zeigte sich, wie fragil der Bestand tatsächlich war: Teile der aus Feldsteinen und lehmiger Erde gefügten Außenwände stürzten ein, weitere konnten die Lasten eines neuen Dachtragwerks nicht aufnehmen. Damit änderte sich die Aufgabe grundlegend.
Die Architekt*innen Péter Szabó und Emese Galamb hielten dennoch am vertrauten Bild des Gehöfts fest. Die neuen Baukörper übernehmen Position, Maßstab sowie die langgestreckten Proportionen der Vorgängerbauten. Das größere Haupthaus liegt in Nord-Süd-Richtung und trägt ein Satteldach. Parallel dazu steht das kleinere ehemalige Bienenhaus mit asymmetrischem Pultdach. Dazwischen entsteht ein geschützter Hof. Am nördlichen Ende des Haupthauses schiebt sich das Dach weit über einen gedeckten Freisitz, der den Platz der früheren Scheune einnimmt. Der Schornstein des Außenkamins durchstößt die Dachfläche, durch eine kreisrunde Öffnung fällt Tageslicht ein und wandert im Tagesverlauf über Boden und Wände.
Wohnen unter einem Dach
Vom überdeckten Außenraum gelangt man direkt in den bis unter den First offenen Wohnbereich. Kochen, Essen und Wohnen finden in einem zusammenhängenden Raum statt, dessen Höhe und Materialwechsel die einzelnen Zonen gliedern. Über dem Eingangs- und Küchenbereich liegt eine hölzerne Galerie mit Schlafraum und Vorbereich zum Kinderzimmer. Durch den verglasten, hofseitigen Giebel gelangt indirekt Tageslicht in den Dachraum. Massiver Beton, helles Fichtenholz und Glas treffen hier unmittelbar aufeinander.
Ein kompakter, raumhoher Betonkörper steht wie ein kleines Haus im großen Raum und nimmt das Badezimmer auf. Seine glatten, von der Schalung geprägten Flächen unterscheiden sich deutlich von den kräftig strukturierten Außenwänden. Diese Materialsprache greift das kleinere Bienenhof-Gebäude auf, welches zwei Gästezimmer sowie ein Bad beherbergt. So bleiben beide Häuser als zusammengehöriges Ensemble lesbar, obwohl sie räumlich voneinander getrennt sind.
Beton aus Bestand und Landschaft
Massiv und rau erscheinen die Außenwände. Ausgeführt wurden sie in 53 cm starkem Stampfbeton. Raumseitig ergänzt eine 10 cm starke mineralische Dämmung den Wandaufbau. Außen bleibt der Beton ohne zusätzliche Beschichtung der Witterung ausgesetzt.
Für die Rezeptur griffen die Planenden auf Basalt aus einem nahe gelegenen Steinbruch zurück. Bereits im Betonwerk wurde dem Frischbeton Gestein der Körnung 11 bis 22 mm beigemischt. Auf der Baustelle kamen Basalt mit 4 bis 11 mm Korngröße sowie weitere Zusatzmittel hinzu. Verwendet wurde ein CEM III der Festigkeitsklasse 32,5 – ergänzt durch Metakaolin, das nach Angaben der Architekt*innen Festigkeit und Wasserbeständigkeit verbessert. Der dunkle Basalt verankert die Betonkonstruktion damit auch stofflich im vulkanisch geprägten Balaton-Hochland.
Sogar Teile des alten Hauses gingen in die neuen Stampfbetonwände ein. Nach dem Einsturz sortierte das Team die Bruchstücke nach Gesteinsart: Basalt, Kalkstein, Tuff und weitere lokale Steine wurden getrennt, die Basaltblöcke anschließend in die Schalung eingelegt und lagenweise Beton eingebracht. Vorab entstanden mehrere großformatige Mustermauern, an denen das Team Rezeptur und Verteilung der Steine erprobte. Die Architekt*innen arbeiteten auf der Baustelle mit und legten die größeren Steine von Hand in den Beton.
Ihre kräftige Textur erhielten die Wandflächen erst nach dem Ausschalen. Die Oberflächen wurden gestockt, sodass Basaltkörner und eingelagerte Natursteine deutlicher hervortreten. An den Gebäudeecken und entlang der Fenster- und Türlaibungen ist der Beton dagegen glatt, sodass die Wände über präzise Konturen verfügen. Die Oberflächen unter dem Vordach zeigen Spuren einer Brettschalung.
Holz, Terrazzo und thermische Masse
Im übrigen Ausbau bleibt die Materialpalette wiederum knapp. Die geneigten Dachflächen, Trennwände und Einbaumöbel bestehen aus Fichten-Sperrholz, außen schützen gespaltene Holzschindeln die Dachflächen. Mit der Zeit vergrauen sie und rücken farblich näher an die Betonwände. Der zementgebundene Terrazzoboden enthält ebenfalls lokalen Basaltsplit und wurde in mehreren Arbeitsgängen geschliffen. So entsteht eine seidenmatte Fläche, die das Licht aufnimmt und einen ruhigen Gegenpol zu den stark strukturierten Betonwänden bildet.
Unter dem Terrazzo liegt eine elektrische Fußbodenheizung. Die mineralische Innendämmung reguliert Raumluftfeuchte, während im Dach insgesamt 25 Zentimeter Faserdämmung für Wärmeschutz sorgen. Im Sommer spielt zudem die Speichermasse der Betonwände eine wichtige Rolle. Nach Angaben von OKKA Architects bleibt das Haus selbst während heißer Perioden angenehm kühl, sofern nachts gelüftet wird. Eine eingebaute mechanische Kühlung ist dafür nicht erforderlich.
Bautafel
Architektur: OKKA Architects (OKKA Építésziroda), Budapest
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2024
Standort: Zalacsány, West-Ungarn
Bildnachweise: Balázs Danyi und OKKA Architects (Fotos), OKKA Architects (Pläne)
Fachwissen zum Thema
Deutsche Zement- und Betonindustrie vertreten durch das
InformationsZentrum Beton | Kontakt 0211 / 28048–1 | www.beton.org