Hotel und Geschosswohnungsbau Wood’Art in Toulouse

Holzbauweise mit Terrakotta-Fassaden

Auf einem ehemaligen Industrieareal in Toulouse, linksseitig des geschwungenen Verlaufs der Garonne, aber zum Stadtzentrum gehörig, befindet sich das gemischt genutzte und ökologisch konzpierte Quartier La Cartoucherie. Seit 2006 entstehen auf dem 33 Hektar großen Gelände insgesamt 3.525 Wohnungen, 5.000 Quadratmeter Gewerbeflächen und 15.000 Quadratmeter öffentliche Einrichtungen. Eine architektonische Landmarke bildet das 2022 fertiggestellte Gebäudeensemble Wood’Art – La Canopée, ein Hotelturm und zwei mehrgeschossige Wohnanlagen, geplant und realisiert von Dietrich Untertrifaller Architekten in Zusammenarbeit mit Seuil Architecture. Die Gebäude sind zu rund 75 Prozent in Holzbauweise ausgeführt, wodurch sich Zeit, Kosten und CO2 einsparen ließen.

Dietrich Untertrifaller Architekten planten das Ensemble, äußerlich zusammengehalten durch eine vorgehängte Fassade aus rötlichen Terrakotta-Platten.
Während das gemeinsame Sockelgeschoss und die Erschließungskerne in Massivbauweise aus Beton erstellt sind, ist der gesamte Oberbau in Holzbauweise mit hohem Vorfertigungsgrad errichtet.
Die Gärten auf dem Dach des Sockelgeschosses stehen den Bewohnerinnen und Bewohnern als Begegnungs- und Erholungsräume zur Verfügung.

Stadt in der Stadt

Der elfgeschossige Turm erhebt sich auf dem rund 13.000 Quadratmeter großen, annähernd dreieckigen Grundstück als markantes Wahrzeichen. Er steht am nordöstlichen Rand, begrenzt durch die Avenue de Grande – Bretagne und den Place des Halles. An der Westseite befinden sich zehn sechs- bis achtgeschossige Wohntürme. Ein verbindendes Sockelgeschoss beherbergt Geschäfte und öffentliche Einrichtungen. Das Dach darüber ist üppig begrünt: Hier befinden sich Gärten als Begegnungs- und Erholungsräume für die Bewohner*innen. Die bepflanzten Flächen ermöglichen Biodiversität und verhindern Wärmeinseln, die in dicht bebauten, urbanen Gebieten bei hohen Temperaturen entstehen können.


Soziale und funktionale Mischung

Eine Fußgängerzone belebt das Areal, erschließt die Geschäfte und Cafés. Während das Hotel dem öffentlichen Platz zugewandt ist, befinden sich die Zugänge zu den Wohnungen straßenseitig im Norden und Westen. Im Erdgeschoss des Hotels befindet sich ein öffentliches Restaurant, in den unteren Etagen sind 100 Gästezimmer untergebracht, in den oberen Etagen Wohnungen. Die Wohntürme bieten Platz für 42 geförderte und 95 frei finanzierte Wohnungen. Sie werden über umlaufende Laubengänge erschlossen. Die Durchlässigkeit der Wohnblöcke mit großzügigen, parkähnlichen Grünflächen sowie eine soziale und funktionale Mischung zeichnen das Projekt aus.

Modulare Holzbauweise

Während das Sockelgeschoss und die Erschließungskerne massiv aus Beton erstellt sind, ist der gesamte Oberbau in Holzbauweise mit hohem Vorfertigungsgrad errichtet. Insgesamt kamen rund 5.300 Kubikmeter Holz zum Einsatz, etwa drei Viertel des gesamten Baus. Die tragenden Wände und Böden sind in Holzmassivbauweise aus Brettsperrholz (CLT: cross laminated timber) gefertigt. Die einzelnen Module wurden im Werk vorgefertigt – so ließen sich die Montagezeiten auf der Baustelle und die damit verbundene Lärm- und Staubbelastung reduzieren. Zu den ökologischen Vorteilen der Holzbauweise gehören die Fähigkeit des nachwachsenden Baustoffes, Kohlendioxid zu speichern, dessen regionale Verfügbarkeit und gute wärmedämmende Eigenschaften.

Terrakotta-Fassade kennzeichnet das Ensemble

Die nicht tragenden Fassaden sind in Holzrahmenbauweise gefertigt. Eine zweite, vorgehängte Fassade aus Terrakotta-Platten prägt das Erscheinungsbild des Ensembles. Unterschiedliche Rottöne greifen die lokale Tradition der „Ville Rose”, wie Toulouse auch bezeichnet wird, auf. Im Bereich der Laubengänge und Loggien besteht die vorgehängte Fassade aus schmalen, vertikal angeordneten Terrakottastäben. Die Trennwände innerhalb der Wohnungen sind modular aus Brettsperrholz vorgefertigt, so dass eine flexible Anpassung der Grundrisse möglich ist. Unbehandelte Holzoberflächen sorgen für ein natürliches, gesundes Lebensumfeld. Die Wohnungen sind mit Fußbodenheizungen ausgestattet, angebunden an das quartierseigene Wärmenetz.

Bautafel

Architektur: Dietrich | Untertrifaller, Paris
Projektbeteiligte: Seuil Architecture, Toulouse (Partner-Architekten Planung und Realisierung); Terrell, Toulouse (Statik und Fassaden); Maître Cube, Paris (Holzbau); Soconer, Toulouse (Haustechnik); Gamba, Labège (Akustik)
Bauherr/in: Maître Cube, Pyrénées Charpentes, Paris
Fertigstellung: 2022
Standort: Toulouse
Bildnachweis: Aldo Amoretti

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