Holz-Lehmbau Campus in Berlin: Baustelle und Forschungsprojekt
Ausstellung im Mai 2026 von Bauhaus Erde, sauerbruch hutton und B&O Bau- und Gebäudetechnik
Brandenburger Kiefernholz, Lehmsteine und wiederverwendete Betonteile sind wesentliche Baumaterialien der erweiterten Verwaltungszentrale von B&O Bau- und Gebäudetechnik im Berliner Stadtteil Weißensee. Das neue zweigeschossige Gebäude erstreckt sich L-förmig in einem Hinterhof genau dort, wo sich eine Garagenanlage befand. Die Erweiterung und der Umbau des Firmensitzes nach Plänen des Architekturbüros sauerbruch hutton soll 2026 abgeschlossen werden. Außer einem Foyer und Büroflächen für rund hundert Mitarbeitende ist der sogenannte Holz-Lehmbau Campus Berlin (HLCB) ein fester Bestandteil der Anlage – als Treffpunkt der Bauforschung, für Veranstaltungen und Ausstellungen.
Fünf prototypische Bauteile
Mitte Mai 2026 gab es Gelegenheit zu einer Baustellenbesichtigung mit Präsentation von fünf prototypischen Bauteilen, entwickelt für diesen Standort und potenziell auch für weitere: Ein Fundament aus wiederverwerteten Betonbauteilen (ehemalige Bodenplatten der alten Garagen, zersägt in rechteckige Felder), ein Bodenaufbau in Holzbauweise, tragendes Lehmsteinmauerwerk, eine Holz-Gebäudeabschlusswand und eine Holz-Lehm-Hybriddecke. Formen – Forschen – Transformieren: Holz-Lehm-Hybrid-Reallabor für regeneratives Bauen lautete der Titel der Ausstellung, gemeinsam konzipiert von Bauhaus Erde, B&O Bau und Gebäudetechnik und sauerbruch hutton.
Ausstellung von Mockups und Baustellenrundgang
Im Rahmen einer Führung durch die vier Tage währende Ausstellung erläutern Vera Hartmann von sauerbruch hutton, Friederike Münn und Peter Münn seitens der Firma B&O Bau- und Gebäudetechnik sowie Philipp Misselwitz von Bauhaus Erde das Gebäudekonzept samt einzelner Bauteile. Diese stehen als Mockup im Maßstab 1:1 zur Verfügung und lassen sich mit verschiedenen Sinnen erfassen. Für das Lehmsteinmauerwerk waren vorab einige Mockups erstellt worden, bis man sich für eine Variante entschied. Das Ergebnis ist ein spannungsvolles Relief, welches die Kleinteiligkeit der Steinmodule betont, ihre Materialität und Haptik in Szene setzt. Es entspricht zudem der erst 2023 veröffentlichten DIN 18940: Tragendes Lehmsteinmauerwerk – Konstruktion, Bemessung und Ausführung. Den unteren Abschluss der Lehmwand in der künftigen Unternehmenszentrale bilden Fehlsteine aus der Ziegelproduktion.
Beispiel Bodenaufbau
Die Bodenplatte entstammt der Vorfertigung in einem Werk von B&O Bau- und Gebäudetechnik in Frankfurt/Oder: Ein Gefach aus BSH-Elementen (regionales Kiefernholz) ist mit Zellulosedämmung ausgeblasen. Oberseitig schließt eine Dampfbremse auf Holzwerkstoffplatte ab, unterseitig eine feuchteresistente Trockenbauplatte (siehe Abb. 14). Den weiteren Bodenaufbau bildet eine Holz-Lehmschüttung als Installationsebene, Holzweichfaserplatten – dreilagig in verschiedenen Festigkeiten –, eine Lehmformplatte mit Fußbodenheizung und Eichendielen als Bodenbelag. Winzige gekurvte Hohlräume in der Oberfläche zeugen von einer Vorgeschichte mit Wurmlöchern.
Beispiel Geschossdecke
Interessant auch der Aufbau der Geschossdecken aus Kiefer-BSH-Deckenbalken mit ungewöhnlichem Querschnitt, deren Zwischenräume exakt die dazugehörigen Lehmeinhangsteine aufnehmen. Um darüber eine ebene Fläche zu erzielen, wird Schafwolle in den Hohlraum zwischen Lehmstein und aufliegender Holzwerkstoffplatte gefüllt. In Zusammenarbeit mit der Ziegelei Lücking wurden die Lehmeinhangsteine zur Produktionsreife gebracht. Bei diesem System wird die Tragfähigkeit von Holz mit den günstigen Eigenschaften von Lehm hinsichtlich Feuchteregulierung, thermischer Speicherfähigkeit und Schallschutz kombiniert.
Für nichttragende Innenwände kommt unter anderem das Material Paludi zum Einsatz: Gras aus renaturierten Mooren. Sämtliche Konstruktionen lassen sich sortenrein trennen, demontieren und wiederverwenden. Der Landesbeirat Holz Berlin-Brandenburg und der Industrieverband Lehmbaustoffe unterstützen das Forschungsprojekt zur Entwicklung der Bauteile.
Technische Gebäudeausstattung
In den Büroräumen sind zum Teil Fensterheizsysteme eingesetzt, um einem dauerhaften Feuchteeintrag in bestimmten Bauteilen entgegenzuwirken. Die Kühlung im Sommer erfolgt passiv durch Nachtlüftung. Die Erwärmung der Räume erfolgt mittels Wärmepumpe und Fußbodenheizung. Photovoltaik, Regenwassernutzung und ein gezieltes Monitoring sollen künftig einen nahezu klimaneutralen Gebäudebetrieb ermöglichen.
Schaufenster als Bindeglied
Der L-förmige Neubau im Weißenseer Hinterhof setzt sich über einen Zwischenbau zur südöstlichen Börnestraße fort: Dieser verknüpft zwei Altbauten und die zurückliegenden Büroräume durch ein großes Schaufenster. Hier können Passanten in den Veranstaltungsraum des Holz-Lehmbau Campus Berlin blicken. Die insgesamt 1.700 Quadratmeter Büroflächen sind über raumhohe Fenster(-türen) mit dem Innenhof verbunden. Ebenso wie die Dachflächen wird er begrünt, um eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen.
Umwandlung in einem beliebten Kiez
Das im Jahr 2022 initiierte Projekt soll zeigen, wie sich Wirtschaftlichkeit und regeneratives, zirkuläres Bauen vereinen lassen, ohne den architektonischen Anspruch aufzugeben. Serielle Fertigung ist ein Unternehmensziel von B&O Bau- und Gebäudetechnik, die gelungene architektonische Fügung und Übertragbarkeit auf andere Nutzungen ein zentrales Anliegen der Architekten, und die Initiative Bauhaus Erde treibt die Entwicklung von Bauteilen mit minimiertem CO2-Ausstoß voran. Gute Aussichten also für die ehemalige Garagenanlage auf märkischem Sand nach ihrer Umwandlung mitten in einem beliebten Berliner Stadtbezirk. -us
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