Hohe Energieverluste bei der zentralen Warmwassersorgung

Erfahrungsbericht des Heizungssachverständigen Bernd Wulfestieg

In vielen Mehrfamilienhäusern ist ein erhöhter Heizenergieverbrauch zu beobachten. Eine der Hauptursachen dafür ist die zentrale Warmwasserversorgung. Analysen zeigen, dass in nachträglich gedämmten Gebäuden mit einem erwartbaren Verbrauch von etwa 75 bis 80 kWh/m² pro Jahr tatsächlich Werte zwischen 120 und 210 kWh/m² gemessen werden. Diese Abweichungen sind keine Einzelfälle, sondern stellen eine weit verbreitete Problematik dar.

Hohe Energieverluste bei der zentralen Warmwassersorgung
Verbesserter Speicher

Ursachen des hohen Verbrauchs

Eine der zentralen Ursachen liegt in der Warmwasserversorgung. Hierbei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:

  • Unzureichende Regelungssysteme
    Heizungsanlagen sind häufig mit unnötigen Programmen ausgestattet, die eine zeitliche Senkung und erneute Aufheizung der Warmwassertemperatur erlauben. Laut DVGW-Arbeitsblatt 551 sind diese Programme in Großanlagen (Speicherinhalt über 400 l oder Zapfleitungsinhalt über 3 l) nicht zulässig. Die Temperatur am Ausgang des Warmwasserspeichers muss durchgängig 60 °C betragen, während der Zirkulationseingang mindestens 55 °C aufweisen muss. Eine zeitgesteuerte Aufheizung zum Legionellenschutz ist nicht erforderlich und kann sogar problematisch sein, insbesondere im Hinblick auf Verbrühungsschutz.

  • Verbrühungsgefahr und Temperaturschwankungen
    In vielen Gebäuden fehlen Verbrühungsschutzeinrichtungen an den Zapfstellen. Temperaturen über 60 °C können insbesondere für Kinder und ältere Menschen gefährlich sein. Bei Temperaturen über 64 °C steigt das Verbrühungsrisiko erheblich. Messungen zeigen, dass in Bestandsanlagen erhebliche Temperaturschwankungen zwischen 50 °C und 80°C (bei einer Warmwassereinstellung von 60 °C) auftreten, verursacht durch eine ungünstige Platzierung der Temperaturfühler.

  • Zirkulationsverluste und Heizkesselbetrieb
    Die ständige Wärmeanforderung durch die Warmwasserzirkulation führt dazu, dass der Heizkessel permanent auf hohen Temperaturen arbeitet. Dies verursacht erhebliche Stillstandsverluste, die in vielen Fällen über 50 Prozent betragen können. Ein häufiger Fehler ist die Platzierung des Wassertemperaturfühlers außerhalb des Zirkulationssystems, wodurch eine zu hohe Temperatur nachgeregelt wird.

  • Mangelhafte Installation und Wartung
    Oft werden Heizungsanlagen mit Vorrangschaltungen für Warmwasser betrieben. In Großanlagen ist dies nicht erforderlich, da die Kesselleistung ausreicht, um Warmwasser- und Heizbedarf gleichzeitig zu decken. Die Vorrangschaltung kann dazu führen, dass die Raumheizung nur noch eingeschränkt arbeitet, wodurch die Heizungsregelung insgesamt zu hoch eingestellt wird. Weitere Fehlerquellen sind fehlende oder falsch positionierte Temperaturfühler, unzureichende Durchmischung im Warmwasserspeicher und nicht durchgeführte Temperaturmessungen bei der Wartung.

Empfehlungen zur Optimierung

Um die Verluste in der Warmwasserversorgung zu minimieren und den Heizenergieverbrauch zu reduzieren, sind folgende Maßnahmen zu empfehlen:

  • Optimierung der Heizungsregelung: Werkseitige Voreinstellungen sollten geändert werden, sodass Warmwasser durchgängig mit 60 °C betrieben wird, die Zirkulationspumpen ohne unnötige Unterbrechungen arbeiten und Vorrangschaltungen deaktiviert sind.

  • Korrekte Platzierung der Temperaturfühler: Die Fühler sollten sich am Ausgang des Warmwasserspeichers befinden, um eine realistische Steuerung der Warmwassertemperatur zu gewährleisten.

  • Anpassung der Speicherarchitektur: Der Zirkulationseingang sollte tiefer im Speicher angebracht werden, um eine gleichmäßige Durchmischung zu erreichen und Temperaturdifferenzen zu reduzieren.

  • Regelmäßige Wartung und Messungen: Die Warmwassertemperatur sollte an den Endpunkten des Systems überprüft werden. Fehlende Prüfthermometer sollten nachgerüstet und die Zirkulationspumpenleistung optimiert werden.

  • Vermeidung von Legionellenproblemen durch konstante Temperaturen: Die durchgehende Beibehaltung der geforderten Temperaturen verhindert Legionellenwachstum, ohne dass zusätzliche Aufheizzyklen erforderlich sind.

Fazit
Die zentrale Warmwasserversorgung ist in vielen Mehrfamilienhäusern der Hauptverursacher eines erhöhten Heizenergieverbrauchs. Hohe Zirkulationsverluste, ungünstige Regelungseinstellungen und fehlerhafte Installationen tragen dazu bei. Eine Optimierung der Regelung, eine korrekte Platzierung von Temperaturfühlern und eine angepasste Speicherarchitektur können erhebliche Einsparungen bewirken und gleichzeitig den Komfort und die Sicherheit für die Bewohner*innen verbessern.

Gastbeitrag von Bernd Wulfestieg, Heizungssachverständiger und Heizungsbaumeister mit über vierzig Jahren Erfahrung

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In der Regel dient Wasser in einem Rohrleitungsnetz als Wärmeträger zwischen dem Wärmeerzeuger und den Verbrauchern, in diesem Fall Heizkörper.

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Direkt erwärmter Wandwarmwasserspeicher

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1. Heizkessel mit Regelung, 2. Brenner, 3. Umwälzpumpe, 4. Vorlaufleitung, 5. Heizkörperthermostat, 6. Heizkörper, 7. Rücklaufleitung

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