Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Rostock-Lichtenhagen

Serielle Holzbauweise mit farbiger Fassadengestaltung

Auf einem parkähnlichen, von altem Baumbestand geprägten, rund 3,2 Hektar großen Grundstück in Rostock-Lichtenhagen liegt der neue Campus der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung. Das Ensemble besteht aus einem langgestreckten Hochschulgebäude und zwei siebengeschossigen Wohnriegeln. Die Neubauten bieten Raum für Lehre, Verwaltung, Mensa, Bibliothek, Hörsäle, Gruppenarbeitsräume sowie studentisches Wohnen. Das Berliner Architekturbüro Sauerbruch Hutton plante das Ensemble in ressourcenschonender Holz-Hybrid- und Holzmodulbauweise. Mit rund 1.000 vorgefertigten Holzmodulen zählt das Projekt zu den größten dieser Art in Deutschland.

Die Freifläche zwischen den sogenannten Wohnzwillingen ist als Park gestaltet.
Unter dem erhöhten Park befinden sich Stellplätze, Lager- und Technikräume.
Das Hochschulgebäude ist zwei- und viergeschossig: Die Obergeschosse sind wie Pavillons durch Höfe aufgegliedert.

Gebäudeensemble mit verbindendem Freiraum

Drei Baukörper untergliedern das Areal: Im Norden fasst das langgestreckte, viergeschossige Hochschulgebäude das Grundstück. Es bietet Raum für 600 Studierende und 130 Mitarbeiter. In dem Lehrgebäude befinden sich neben 24 Lehrsälen, 48 Gruppenarbeitsräumen sowie Büro- und Verwaltungsräumen auch ein Audimax, eine Bibliothek und eine Mensa. Südlich davon liegen die beiden siebengeschossigen Wohnriegel. Sie nehmen 620 Wohnungen für Studierende auf, darunter zwölf barrierefreie Unterkünfte sowie neun Eltern-Kind-Zimmer. Eine parkähnliche Grünanlage zwischen den Gebäuden verbindet Lehr- und Wohnbereiche und dient den Studierenden ebenso wie der Nachbarschaft als Aufenthaltsort. 

Verglaste Erdgeschosse beleben den Campus

Der Campus ist autofrei gestaltet. Das Hochschulgebäude wird funktional über die Nordseite erschlossen, dort befinden sich die Vorfahrts- und Anlieferungsstraße. Die Zufahrt zur Parkgarage unter den Wohnriegeln erfolgt von Süden über die Möllner Straße. Zusätzlich wird der Campus fußläufig über eine öffentlich zugängliche Wegeverbindung erschlossen, die parallel zur zentralen Erschließungsachse im Gebäude verläuft. Die Erdgeschosse der Neubauten sind größtenteils offen gestaltet, um Einblicke zu ermöglichen und den Außenraum zu beleben.

Holzhybridbau mit hohem Vorfertigungsgrad

Das 130 Meter lange Hochschulgebäude ist in der Höhe differenziert. Erd- und Obergeschoss fassen als klare bauliche Begrenzung den Campus. Die beiden darüberliegenden Geschosse sind ähnlich wie Pavillons durch Höfe aufgegliedert. Die verschiedenen Bereiche der Hochschule sind über eine zentrale Erschließungsachse erreichbar, ähnlich einer internen Straße. Sie erhält natürliches Licht über die Höfe, und dient auch als Aufenthalts- und Lernraum.

Der Neubau wurde in einer Mischform aus elementierter und modularer, vorgefertigter Holzbauweise realisiert. Dabei kommt mitteleuropäisches Holz zum Einsatz, überwiegend Fichte. Aufgrund statischer und brandschutztechnischer Anforderungen bestehen Untergeschoss, Erdgeschoss und die Haupterschließungsbereiche aus Stahlbeton. Die Holzbauweise prägt vor allem die Obergeschosse.

Wohnhäuser mit integrierten Gemeinschaftsflächen

Die beiden siebengeschossigen Wohnhäuser – als Wohnzwillinge bezeichnet – fassen einen erhöhten Park. Darunter befinden sich Stellplätze für Autos und Fahrräder sowie Lager- und Technikräume. In den erhöhten Erdgeschosszonen sind wettergeschützte Fahrradstellplätze, Freizeitbereiche und gemeinschaftlich nutzbare Räume untergebracht. Die Studierendenzimmer liegen in den Obergeschossen beidseitig eines zentralen Flurs. Durch die leicht geknickte Form der Wohnriegel entstehen überschaubare Flurabschnitte mit zugeordneten Gemeinschaftsbereichen. 

Holzmodulbau mit farbig gegliederter Fassade

Während die Tiefgarage, Untergeschosse, Erdgeschosse und Erschließungskerne in Stahlbeton ausgeführt sind, bestehen die Obergeschosse der Wohnriegel aus gestapelten Holzraummodulen. Das Konstruktionsprinzip folgt einer seriellen Modulbauweise: Die aus Brettsperrholz vorgefertigten Raumzellen werden auf der Baustelle montiert. Für die Fassade kommt vorvergrautes, heimisches Fichtenholz zum Einsatz. Die farbig behandelten Fugen der vertikalen Holzverschalung erzeugen ein rhythmisches Fugen- und Rasterbild. Die wechselnden Farbtöne und die leicht geknickte Gebäudeform lockern die serielle Struktur auf und verleihen dem Wohngebäude ein lebendiges Erscheinungsbild.

Bautafel

Architektur: sauerbruch hutton, Berlin
Projektbeteiligte: Kaufmann Bausysteme, Reuthe mit Primus Developments, Hamburg (Generalübernehmer); ST raum a., Berlin (Landschaftsplanung); Merz Kley Partner, Dornbirn, Wetzel & von Seht, Hamburg (Tragwerksplanung); Ecotec, Bremen (TGA-Planung); Drees & Sommer, Berlin (Bauphysik); Dekra Automobil, Hamburg (Brandschutz)
Bauherr/in: Staatliches Bau- und Liegenschaftsamt Rostock
Fertigstellung: 2026
Standort: Rostock-Lichtenhagen 
Bildnachweis: © Jan Bitter, Berlin

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