Historische Dachformen

Geneigte Dächer verschiedener Bauepochen

Je nach Form und Neigung bestimmt ein Dach die Silhouette eines Bauwerkes maßgeblich mit. In den letzten Jahrhunderten wurde eine Vielzahl unterschiedlicher Dächer realisiert, deren Formen entweder durch die jeweils vorherrschende Bauepoche oder durch die regionale Bauweise bestimmt waren.

Klassisches Satteldach mit Schleppgauben
Zeltdach einer italienischen Villa
Zeltdach mit Schleppgaube

Satteldach
Diese Dachform ist zweiseitig geneigt und besitzt einen First und zwei Traufen. An den Schmalseiten bilden die Dachflächen einen Giebel. Satteldächer stellen die ursprünglichste Dachform für Wohngebäude dar. Die Konstruktion kann als Pfettendachstuhl mit First-, Fuß und Mittelpfetten ausgebildet sein. Für kleinere Spannweiten eignen sich auch Sparren- oder Kehlbalkendächer. Die Form des Satteldachs ermöglicht zahlreiche unterschiedliche Dachneigungen und Traufhöhen. Durch ihr einfaches Konstruktionsprinzip, das ein Abfließen des Regenwassers auf relativ einfache Weise ermöglicht, zählt es zu den am häufigsten gebauten Dächern in gemäßigten Klimazonen.

Pultdach
Das Pultdach zeichnet sich durch eine einseitige Dachneigung mit nur einer Traufe und einem First aus. So entstehen eine hohe und eine niedrige Gebäudeseite. Bei Altbauten findet man Pultdächer vorwiegend auf Erkern oder niedrigen Anbauten, bei Kirchen auch auf Seitenschiffen. Im Neubau stieg die Nachfrage nach der einseitig geneigten Dachform, insbesondere bei energiesparenden Wohngebäuden. Hierbei wird das Dach häufig nach Süden geöffnet, um passive solare Gewinne zu erzielen. Die Konstruktion ist kostengünstig und leicht herzustellen.

Grabendach
Grabendächer, auch Schmetterlingsdächer genannt, sind regional vorwiegend in Süddeutschland verankert und meist bei mehrgeschossigen Reihenhäusern zu finden. Im Grunde stellen sie die Umkehrung eines Satteldaches dar: Durch das Zusammenfügen zweier Pultdächer entsteht eine tiefer liegende Mittelachse, der sogenannte Graben. In diesen wird beispielsweise die Dachrinne zur Ableitung des Regenwassers integriert. Unter dem Dach liegende Räume können entweder frei überspannt werden oder die Kehle liegt auf einer Innenwand auf. Das Grabendach ist nicht immer sichtbar, da seine Form oftmals hinter einer gemauerten Attika, dem sogenannten Blendgiebel, verborgen bleibt. Erkennbar ist es in diesem Fall durch die Dachrinne, die in der Mitte des Hauses durch die Außenfassade hindurch zu einem Fallrohr geführt wird.

Mansarddach
Das Mansarddach, benannt nach dem französischen Baumeister Francois Mansart, besteht aus mehreren Dachflächen mit unterschiedlichen Neigungswinkeln. Die unteren Flächen sind steil geneigt, die oberen etwas flacher ausgebildet. Die Basis wird vom waagerechten Hauptbalken der Dachgeschossdecke gebildet. Die Firsthöhe lässt sich über einen von hier aus konstruierten Halbkreis ermitteln, über dessen Einteilung auch die beiden unterschiedlich geneigten Flächen zu bestimmen sind. Zusätzlich benötigt man für ein Mansardendach einen Grundbalken für das flacher geneigte Oberdach. Durch diese etwas komplizierte und aufwendige Konstruktion ist der Holzverbrauch größer als bei anderen Dachkonstruktionen. Mansardendächer werden vorwiegend in Frankreich und Deutschland vorgefunden und kamen zunächst im Barock zum Einsatz. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie häufig im Wohnungsbau angewendet, da sie die größtmögliche Flächenausnutzung des Dachraumes zulassen.

Walmdach
Bei einem Walmdach sind nicht nur zwei, sondern vier Dachflächen geneigt. Sie werden als Walme bezeichnet. Ein vollständiger Walm ersetzt den Giebel, dadurch weist das Dach an allen vier Seiten Schrägen auf. Durch die Neigung der vier Flächen fällt der First kürzer aus als bei Satteldächern. Meist wird eine Walmdachkonstruktion mittels Pfettendachstuhl errichtet. Im Laufe der Zeit wurden die Walme an den Schmalseiten des Hauses weiter verkürzt, sodass mehr senkrechte Giebelfläche entsteht. Diese Variante nennt man Krüppelwalmdach.

Pyramiden-, Kegel- und Zeltdach
Ein Pyramidendach besteht aus vier gleich geneigten, dreieckigen Dachflächen, die in der Spitze zusammentreffen, wie z.B. bei einem Turm. Bei diesen drei Dachkonstruktionen ist kein First vorhanden, jedoch eine umlaufende Traufe. Das Kegeldach findet auf einer runden Gebäudeform Anwendung, das Pyramidendach bei quadratischen Grundrissen. Ist das Gebäude rechteckig, wird die Dachform mit dem Begriff Zeltdach bezeichnet.

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