Hirschbachbad in Aalen

Energieoptimierung durch systematische Nutzung der Abwärmepotenziale

Das neue Hirschbachbad im baden-württembergischen Aalen liegt im – der Name verrät es fast – Hirschbachtal, einem sensiblen Landschaftsraum, der als Frischluftschneise für die Stadt dient. Das Stuttgarter Büro 4a Architekten hat für diesen Ort einen Baukörper entworfen, der aus der Topografie heraus entwickelt und terrassenförmig am Hang positioniert ist. Da Schwimmbäder viel Energie, insbesondere in Form von Wärme, benötigen, ist die Gebäudetechnik auf einen nachhaltigen Betrieb mit möglichst geringen Wärme- und Energieverlusten ausgelegt.

Begrünte Dächer, Einschnitte sowie die Terrassen- und Freibadbereiche verzahnen den Baukörper mit seiner Umgebung.
Der Eingang des an der Rückseite in den Hang eingegrabenen Gebäudes erfolgt von Norden.
Bereits im Foyer erhalten die Besucherinnen und Besucher einen Blick ins bunte Treiben des Bads.

Entsprechend dem zentralen Entwurfsgedanken der landschaftlichen Einbettung staffeln sich die Geschosse, Dachflächen und Terrassen des Hirschbachbads entlang der Höhenlinien. Begrünte Dächer, Einschnitte sowie die Terrassen- und Freibadbereiche verzahnen den Baukörper mit seiner Umgebung. So erscheint der Neubau als selbstverständlicher Teil der Landschaft. Die Verbindung von Innen- und Außenraum setzt sich im Farb- und Materialkonzept fort: Bis ins 20. Jahrhundert wurde in Aalen Erz abgebaut. Darauf verweist die Gebäudehülle mit ihrem naturnahen, erdigen Erzton. Im Inneren greifen graue Steinböden, Akzente in Grün, Rosa und Orange sowie Holz die Farben der Umgebung auf. Im Zusammenspiel von Material, Farbe und Licht entsteht eine elegante, zugleich lebendige Atmosphäre, die Orientierung bietet und dem Bad eine eigene Identität verleiht.

Die Organisation des Bades ist auf klare Abläufe und einen wirtschaftlichen Betrieb ausgelegt, das Angebot für die Badegäste hingegen vielfältig: Es umfasst ein 25-Meter-Sportbecken, ein Lehrschwimmbecken mit Hubboden, ein Sprungbecken, ein Freizeitbecken, ein Planschbecken und ein Landebecken für die Röhrenrutsche. Hinzu kommt eine knapp 350 m² große Saunalandschaft mit finnischer Sauna, Panoramasauna, Dampfbad, Ruheraum und Außen-Tauchbecken. Der Freibadbereich bietet ein 50-Meter-Sportbecken, ein Freizeitbecken und einen Kinderplanschbereich. Die unterschiedlichen Nutzungen stellen entsprechend komplexe Anforderungen an die Gebäudetechnik, die zahlreiche Temperaturbereiche abdecken muss. Allein für die Becken mit einer Gesamtfläche von knapp 3.000 m² sind fünf Wasserkreisläufe mit Temperaturen zwischen 18 und 34 °C erforderlich.

Wärmeplanung mit konsequenter Rückgewinnung

Ziel der Planung der technischen Gebäudeausrüstung durch die Kannewischer Ingenieurgesellschaft aus Baden-Baden war es, den Primärenergiebedarf von Beginn an systematisch zu reduzieren. Dafür wurden die verschiedenen Gewerke energetisch aufeinander abgestimmt. Neben der Minimierung von Energieverlusten sollten insbesondere die im Gebäude anfallenden Abwärmepotenziale genutzt werden.

Die Wärmeerzeugung erfolgt zunächst über zwei effiziente, gasbetriebene Blockheizkraftwerke (BHKW) mit Kraft-Wärme-Kopplung. Sie verfügen über thermische Leistungen von 163 und 381 kW sowie elektrische Leistungen von 100 und 262 kW. Ein Fernwärmeanschluss mit einer Leistung von 2.100 kW deckt die Spitzenlasten ab und dient als Reserve bei erhöhtem Wärmebedarf oder während Revisionsarbeiten. Bis zu einer Außentemperatur von rund 5 °C kann auf die Fernwärme verzichtet werden.

Um die Laufzeiten der BHKW zu verlängern und die Wärmeerzeuger hydraulisch zu entkoppeln, wurde ein erdverlegter Heizspeicher mit einem Volumen von 50.000 Litern in Vor- und Rücklauf eingebunden. Das Wärmeversorgungskonzept ist auf niedrige Betriebstemperaturen und eine geringe Temperaturspreizung von 8 bis 10 K ausgelegt. Damit lässt sich künftig auch eine Luft/Wasser- oder Sole/Wasser-Wärmepumpe in das System integrieren.

Der größte Teil des Gebäudes wird über die raumlufttechnischen Anlagen beheizt. Weitere Heizflächen dienen vor allem der Behaglichkeit, etwa in der Saunalandschaft und den Umkleiden. Sämtliche Teilklimaanlagen verfügen über Rekuperatoren zur internen Wärmerückgewinnung mit einem Wirkungsgrad von mindestens 73 Prozent. Darüber hinaus wird auch die verbleibende Energie der Abluft genutzt: Alle Schwimmhallenlüftungsgeräte sowie die Abluftanlage der Technikzentrale sind mit Wärmepumpen gekoppelt, die der Fortluft Restwärme entziehen und diese für die Wärmeversorgung nutzbar machen.

Durch die konsequente Kombination interner Wärmerückgewinnung mit Wärmepumpen, die Energie aus den das Gebäude verlassenden Luft- und Wasserströmen zurückgewinnen, konnte der Primärenergiebedarf gegenüber einer konventionellen Anlagenkonzeption um rund 35 Prozent gesenkt werden. -tg

Bautafel

Architektur: 4a Architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: Kannewischer Ingenieurgesellschaft, Baden-Baden (HLS); AO Landschaftsarchitekten Stadtplaner Ingenieure, Mainz (Landschaftsarchitektur); sbp se schlaich bergermann partner, Stuttgart (Tragwerk); Ingenieurbüro Grage Gesellschaft für Tragwerksplanung, Herford (Bauphysik); Bagusat Elektro- und Lichtpanung, Haiterbach-Oberschwandorf (Elektro und Licht); Brandschutz Consulting Giertlova Sonntag Merkt, München (Brandschutz); 2plus Baumanagement, Stuttgart (Bauleitung)
Bauherr*in: Stadt Aalen
Fertigstellung: 2025
Standort: Hirschbachstraße 68, 73431 Aalen
Bildnachweis: David Matthiessen, Stuttgart

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