Hausbriefkasten

Geschichte, Norm, Nostalgie und Gestaltung

Die systematische Nutzung und Verbreitung von öffentlichen und privaten Briefkästen begann im 17. Jahrhundert am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV in Frankreich. Mit dem Ziel, gewinnbringender zu wirtschaften, förderte er die Entwicklung und Einführung von Manufakturen zur Beschleunigung von Arbeitsprozessen. Die Kommunikation über schriftliche Nachrichten war für ihn Bestandteil einer zeitgemäßen Gesellschaft.

Briefkästen sind ein wesentlicher Bestandteil des Hauseingangs und gehören zum Gesicht eines Gebäudes oder sind dessen Visitenkarte.
Der Gestaltungsspielraum ergibt sich durch Material und Farbe des Briefkastens, die Wahl von Größe und Schrifttyp des Namensschilds sowie die Art des Kastens und dessen Anordnung.
Briefkästen sollten sorgfältig gestaltet und proportioniert sein, ebenso ihre Anordnung vor oder in einem Entree.

Bei der Neuorganisation der postalischen Kommunikation dienten möglicherweise Sammelbehälter als Vorbild, die von Seefahrern für das Überbringen von Nachrichten genutzt und gezielt verbessert wurden. Kästen für das Senden und Empfangen von Post setzten sich durch, da sie das Abholen, Zustellen und Beantworten von Korrespondenz vereinfachten. Zuvor musste eine Nachricht vom Absender persönlich an einen Boten übergeben und vom Empfänger bzw. einer von ihm bevollmächtigten Person direkt entgegengenommen werden. Je nach Entfernung waren auch weitere Boten, Posten oder Reiter für das Überbringen der Nachricht erforderlich.

Damit diese historischen Briefkästen als solche erkannt, verstanden und genutzt wurden, waren sie mit Symbolen geschmückt, die sie als der Post zugehörig erkennbar machten. Beispielsweise stellte ein Pferd mit uniformiertem Reiter einen sogenannten Postillon dar, einen reitenden und damit schnellen Boten. Ähnliche Zeichen waren eine Postkutsche, ein Posthorn sowie Namensschilder und Wappen, die einzelnen Personen oder Familien zugeordnet werden konnten. Im Zuge der Napoleonischen Kriege gelangte das effektive und zudem kostengünstige System der Briefkästen ins damalige Preußen und ersetzte kontinuierlich die Inanspruchnahme persönlicher Boten.

Genormte Komponenten

Das Prinzip der Briefkästen ist bis heute unverändert. Sie sind in DIN EN 13724: Postalische Dienstleistungen – Einwurföffnungen von Hausbriefkästen genormt. Gleichzeitig sind sie ein wesentlicher Bestandteil des Hauseingangs und gehören somit  je nach metaphorischer Interpretation  zum Gesicht bzw. zur Visitenkarte eines Hauses. Über ihre reine Funktionsfähigkeit hinaus verdienen sie eine sorgfältige Gestaltung und Proportionierung mit durchdachter Anordnung vor oder in einem Entree.

Die Norm definiert die Größe des Einwurfschlitzes und die Höhe der Anbringung. Die Abmessungen für den Einwurfschlitz orientieren sich an einem C4-Umschlag, der ebenfalls genormt ist. Damit ein solcher Umschlag mit den Maßen 229 x 324 mm ohne Faltung, Knicke oder ähnliche Beschädigungen eingeworfen werden kann, muss der Schlitz zwischen 230 und 325 mm breit und etwa 30 bis 35 mm hoch sein. Eine Klappe, die den Schlitz verdeckt, soll sowohl gegen Witterung schützen als auch ein Hineingreifen und Herausfischen von Briefen verhindern.

Darüber hinaus verlangt die Norm eine gute Zugänglichkeit für den Briefzusteller, einen Witterungsschutz für die Briefe respektive postalische Sendungen sowie deren diebstahlsichere Verwahrung bis zum Entleeren des Kastens durch die Adressaten. Die Diebstahlsicherung wird üblicherweise durch einen abschließbaren Kasten gewährleistet, zu dem nur der jeweilige Adressat einen Schlüssel hat.

Material, Farbe, Beschriftung

Der individuelle Gestaltungsspielraum ergibt sich durch Material und Farbe von Schlitz und Kasten, die Wahl von Größe und Schrifttyp des Namensschilds sowie durch die Art des Kastens und dessen Anordnung. So kann beispielsweise der Kasten liegend oder stehend befestigt werden, plastisch vor einer Wand hängen, als Halbrelief oder bündig in eine Wand eingelassen oder – besonders bei Kästen im Außenbereich vor einer Hauseingangstür – Teil einer Aufständerung oder Stele bilden. In Einfamilienhäusern darf auf einen Kasten verzichtet werden, hier kann die Post hinter der Haustür zu Boden fallen. In Mehrfamilienhäusern und grundsätzlich Gebäuden mit mehreren Adressaten werden die Kästen zu seriellen Reihen gruppiert.

Als Material bieten sich aufgrund von Robustheit und geringem Gewicht Aluminium, Stahl, Edelstahl und Kunststoff an. Die Farbigkeit steht in direktem Zusammenhang mit Oberfläche und Farbe der Hauseingangstür, der Wände, des Bodens und der Decke von Windfang, Flur oder Diele, ebenso aber auch von weiteren Elementen wie Leuchten, Treppengeländern sowie bei Institutionen und Dienstleistungs-Unternehmen Hinweisschildern und Wegweisern bis zu Pförtnerlogen.

Nostalgie, Dekoration

Mit Posthörnern, reitenden und Uniform tragenden Postillons, Aufsätzen, Wappen und Ranken dekorierte Hausbriefkästen werden als nostalgische Retro-Nachempfindungen angeboten. Vergleichbare dekorative Hausbriefkästen sind die US-amerikanischen Mailboxen mit roten Fähnchen, die auf Stangen oder Pfählen an der Grundstücksgrenze angebracht werden. Sie entsprechen zwar in Deutschland nicht der Norm, eignen sich aber optimal für das Zustellen von voluminöseren Tages- und Wochenzeitungen. -sj

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