Haus Oskar in Kamenná Lhota

Atmosphäre und Lichtspiel durch perforierten Sonnenschutz

Etwa eine Autostunde südlich von Prag liegt das südböhmische Dorf Kamenná Lhota. Im Garten eines barocken Schlosses errichtete der Architekt Jan Žaloudek hier das Haus Oskar, benannt nach dem Komponisten Oskar Nedbal, der seine Operette Polenblut im benachbarten Schloss komponierte. Das neue Wohn- und Gästehaus mit seiner zurückhaltend sakralen Anmutung ist als Ort der Kontemplation, Inspiration und Erholung konzipiert. Perforierte Sonnenschutzelemente tragen wesentlich zur Raumatmosphäre bei, indem sie das Tageslicht sanft filtern und ein differenziertes Licht- und Schattenspiel erzeugen.

Der Neubau liegt auf einer Anhöhe, umgeben von Bäumen, einem Teich und einer Mauer.
Die Kubatur orientiert sich an den traditionellen Häusern der Gegend.
Weiße Putzflächen und perforierte Sonnenschutzelemente prägen die Fassaden.

Einbindung in Landschaft und Kontext

Das Wohnhaus liegt auf einer Anhöhe innerhalb des weitläufigen Grundstücks, umgeben von jahrhundertealten Bäumen, einem Teich sowie einer Bruchsteinmauer, die das malerische Gelände fasst. Der Neubau ist behutsam in den denkmalgeschützten Kontext eingefügt, bleibt in seiner Höhe dem Schloss untergeordnet und orientiert sich formal an den traditionellen Wohnhäusern, Scheunen und Ställen der Gegend. Die tragende Struktur besteht aus gedämmtem keramischen Mauerwerk in Kombination mit Stahlbeton, das Dach ist mit gebrannten Tonziegeln gedeckt.

Perforierte Fassade und Verschattungselemente

Die weiß verputzte Kubatur wird durch Nischen an allen Fassaden aufgelockert: An der Westseite liegt der Eingangsbereich, an den übrigen Seiten entstehen loggiaartige Austritte zur umlaufenden Terrasse. Jede Nische ist mit weiß gekalkten, perforierten Faltschiebeläden aus tschechischer Tanne und Fichte ausgestattet. Sie ermöglichen sowohl eine vollständige Öffnung zur Landschaft als auch ein Abschirmen des Hauses. Die oben und unten angebrachten Führungsschienen machen die Bewegung der Elemente komfortabel und erlauben eine flexible Regulierung des Öffnungsgrades. Das Perforationsmuster nimmt Bezug auf die südliche Giebelwand, deren runde Öffnungen als feststehender Sonnenschutz dienen.

Innenraum mit sakraler Anmutung

Die Eingangstür führt in einen kleinen Flur, von dem ein Gäste-WC, eine Waschküche, ein Badezimmer an der Nordfassade sowie ein Schlafzimmer an der Ostfassade abgehen. Im Süden schließt sich ein großzügiger Wohn- und Essbereich mit doppelter Raumhöhe an, der sich auf sieben Meter erhebt und den sakralen Raumeindruck verstärkt. Weiße Putzflächen und großformatige, aluminiumgerahmte Fenster unterstützen diese Wirkung. Ein prägnantes Element ist zudem die – für Kirchen typische – Fensterrose im südlichen Giebel, ein Rundfenster mit einem Durchmesser von zwei Metern.

Zentrum des Innenraums bildet eine hohe, rundbogenförmige Nische mit einer konkav ausgebildeten Holzküche. Zusammen mit der Kücheninsel aus indischem Shivakashi-Granit entsteht ein Ensemble, das an einen Altar erinnert. Essbereich und Sofalandschaft sind vor der raumbreiten Fensterfront angeordnet, die weite Blicke in den Garten eröffnet. Zwei verschiebbare Glaselemente ermöglichen einen fließenden Übergang zwischen Innen- und Außenraum.

Raum für Rückzug und Kontemplation

Das Obergeschoss ist über eine schmale, weiße Treppe erschlossen und umfasst ein weiteres Schlafzimmer sowie ein Badezimmer. Innerhalb des Schlafraums führt eine kleine Treppe zu einer Empore, die ein zusätzliches Bett und einen Arbeitsplatz direkt unter dem First bietet. Im Gegensatz zum offenen Erdgeschoss wirkt das Dachgeschoss kompakter und introvertierter. Kleine Dachfenster belichten die Räume. Maßgefertigte Möbel aus Holz und Stein – darunter Massivholzbetten und -schränke, eine Bank aus schwarzem Granit im Flur sowie passende Nachttische – sorgen im gesamten Haus für eine ruhige, einheitliche Gestaltung.

Sonnenschutz: Natürliche Zyklen, Lichtführung und Atmosphäre

Das Haus ist eng auf den Verlauf der Sonnenstände abgestimmt. Vom Schlafzimmer und dem Hauptwohnraum lassen sich Sonnen- und Mondaufgänge beobachten. Der Lichteinfall wird im Tagesverlauf über weiße Verschattungselemente sowie die perforierte Giebelwand an der Südseite reguliert. Besonders im Sommer wirken die Faltschiebeläden dem Hitzeeintrag entgegen und sorgen gleichzeitig dafür, dass ein lichtdurchfluteter Raum sich rasch in einen ruhigeren, introvertierten Ort verwandeln kann. 

Bei direktem Lichteinfall entsteht durch die Perforationen zusätzlich ein stimmungsvolles Spiel von Licht und Schatten – ein Effekt, der abermals an sakrale Architekturen erinnert. Bei Dunkelheit kehrt sich diese Wirkung um: Die beleuchteten Nischen und Perforationen lassen das Haus wie eine Laterne in die Landschaft ausstrahlen.

Bautafel

Architektur: Jan Žaloudek Architekt, Prag
Projektbeteiligte: Projekty S+S / Jana Tůmová (Konstruktion); Atelier Rouge / Jitka Tomosová (Landschaftsarchitektur)
Bauherr*in: Jan Žaloudek und Jolanta Trojak
Fertigstellung: 2025
Standort: Kamenná Lhota, 391 33 Borotín, Tschechien
Bildnachweis: BoysPlayNice (Fotos); Jan Žaloudek Architekt (Pläne)

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Bei Faltschiebeläden sind mehrere Einzelflügel gekuppelt, sodass sie sich falten und zur Seite schieben lassen.

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Seit langem ist Holz für Sonnenschutzelemente beliebt, wie dieser Maschrabiyya an einem Nasridenpalast der Alhambra in Granada zeigt.

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Materialien

Holz

Außenliegende tageslichtlenkende Raffstore mit reflektierender Decke

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Funktionen

Tageslichtlenkung

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