Haus Gerstenberg in Baltzenheim

Grundwasser-Wärmepumpe und Holzkamin

Cortenstahl und Sichtbeton sind Materialien, die beim Einfamilienhausbau eher selten Verwendung finden. Das ist in Frankreich nicht anders als hierzulande. Eine Ausnahme ist das Haus Gerstenberg in der 600-Einwohner-Gemeinde Baltzenheim im Elsass. Auf einem Grundstück am Ortsrand direkt an einem kleinen Fluss gelegen, entstand es nach Plänen der Architekten Sennrich und Schneider aus Breisach-Grezhausen.

Gartenansicht mit Zugang zum Fluss Giessen
Das offen gestaltete Erdgeschoss mit Eingang und Küchenbereich, ein Holzofen heizt an kalten Tagen zu
Nordfassade: Der Eingang befindet sich im schmalen Baukörper, der an den Altbau anschließt

Der zweigeschossige Neubau ergänzt ein altes, typisch elsässisches Wohnhaus mit Satteldach. Westlich an dieses anschließend, setzt es sich aus zwei Baukörpern zusammen: einem schmalen am Übergang zum Altbau, der den Eingang und das Treppenhaus aufnimmt und dazu quer liegend ein größerer, quaderförmiger Bau mit Nord-Süd-Ausrichtung. Beide sind von einer Cortenstahlfassade umhüllt, die von großflächigen, teils über Eck angeordneten Fenstern aufgebrochen wird. Konstruktiv ist das Gebäude ein Stahlbetonbau; der energetische Standard entspricht einem KfW-Effizienzhaus-70. Das heißt, es hat einen Jahresprimärenergiebedarf von höchstens 70% eines vergleichbaren Neubaus, der nach den Vorgaben der Energieeinsparverordnung gebaut wurde.

Insgesamt besitzt das Haus eine Wohnfläche von 125 Quadratmetern, die sich auf drei Ebenen verteilen. Eine klassische Raumaufteilung gibt es nicht; alles geht fließend ineinander über. Lediglich einige massive Sichtbetonelemente gliedern den offenen Grundriss. Im Untergeschoss befindet sich ein großer Baderaum mit Sauna, der nur durch schmale Öffnungsschlitze an der Unterkante der Decke Tageslicht erhält und dadurch einen leicht höhlenartigen Charakter aufweist. Ganz anders ist es im darüber liegenden Erdgeschoss mit dem großzügigen Wohn-, Ess- und Kochbereich. Hier sorgen raumhohe, fast rahmenlos erscheinende Verglasungen für viel natürliches Licht. Ein vertikaler Luftraum gleich neben dem Eingang verbindet das Erdgeschoss mit dem Obergeschoss. Dieses nimmt auf der Westseite den Schlafbereich, gegenüber den Arbeitsbereich auf. Dazwischen gibt es Platz für ein Gästebett und als einzig umschlossenen Raum ein weiteres kleines Bad. Ein über Eck durchgehendes Fensterband auf der Nord- und Ostseite gibt den Blick über die Felder frei bis hin zu den Vogesen. An der raumhoch verglasten Südseite kragt der Baukörper im Obergeschoss über die darunterliegende Terrasse aus. Davor liegt der Garten zum Flüsschen Giessen hin, daneben ein Wasserbecken. Dieses kann vom Gartenzugang aus über mehrere Trittsteine überquert werden.

Ist das Gebäude von außen ganz von rotbraunen Cortenstahlplatten und Glas umhüllt, dominiert Sichtbeton die Innenräume. Wände, Decken und Einbauelemente sind roh belassen. In warmem Kontrast dazu, sind die Böden mit historischen Eichendielen bedeckt.

Energiekonzept
Das Haus wird primär über eine Wasser/Wasser-Wärmepumpe beheizt, die als Energiequelle das Grundwasser nutzt. Da dieses ganzjährig ein gleichmäßiges Temperaturniveau besitzt, weist diese Wärmepumpenart gegenüber anderen eine günstige Jahresarbeitszahl auf. Sie erzeugt Heizwärme und warmes Trinkwasser. Über eine Fußbodenheizung wird die Wärme im Haus verteilt. An kalten Tagen sorgt ein Holzkamin neben dem Eingang im offenen Wohnraum des Erdgeschosses für zusätzliche Wärme. Der Heizenergieverbrauchswert des Hauses beträgt 52 kWh/(m²a).

Bautafel

Architekten: Sennrich & Schneider, Breisach-Grezhausen
Projektbeteiligte: Linck Heinz Stahlvertrieb, Wörth am Rhein (Cortenstahlblech); Saint-Gobain Isover, Ludwigshafen (Dämmung Außenwände)
Bauherr: privat
Fertigstellung: 2012
Standort: Baltzenheim, Frankreich
Bildnachweis: Axel Killian, Oberrotweil

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