Haus Fagerström in Sollentuna

Handgefertigte Zementfliesen mit Kreis- und Pusteblumenmuster

Eine Holzfassade in Falunrot mit weißen Sprossenfenstern und Satteldach – so stellt man sich gemeinhin das typisch schwedische Wohnhaus vor. Auf den ersten Blick ganz anders, aber dennoch an den traditionellen Baustil anknüpfend, zeigt sich das Fagerström-Haus, das Claesson Koivisto Rune Architekten für eine Familie im schwedischen Sollentuna entwarfen. Statt eines rechteckigen Grundrisses mit Eingangserker besitzt es die Form eines gebogenen Winkels, der zweiseitig eine alte Eiche einfasst. Auf das Satteldach verzichteten die Architekten ganz und auch Sprossenfenster sucht man vergeblich. Typisch schwedisch hingegen sind die Konstruktion und die Fassadenverkleidung aus Holz. Letztere ist in Abstufungen der klassischen Falunfarbtöne gestrichen: Von hellem Ocker bis zu dunklem Rot überziehen sie das Haus in einem unregelmäßigen Streifenmuster. Vom Dach, das sich sowohl von außen nach innen als auch von Osten nach Westen neigt, ist lediglich eine schmale Blechkante sichtbar.

Das Gebäude besitzt die Form eines gebogenen Winkels, der zweiseitig eine alte Eiche einfasst
An der westlichen Gebäudeschmalseite öffnet sich der Wohnraum mit einer Glasfassade zum Garten hin
Die Holzfassade überzieht ein Streifenmuster in Abstufungen der klassischen Falunfarbtöne

Das Gebäude liegt mitten in Edsviken, einer weitläufigen Wohnsiedlung im Süden der Gemeinde Sollentuna, rund 12 Kilometer von Stockholm entfernt. Auf dem Grundstück stand bereits ein Wohnhaus, das für die wachsende Familie jedoch zu klein geworden war. Um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, die bestehende Eiche zu erhalten und gleichzeitig die behördlich geforderten Mindestabstände einhalten zu können, entschieden sich die Planer letztlich für den ungewöhnlich gekurvten Grundriss. Darauf erheben sich zwei Ebenen mit einer Wohnfläche von insgesamt 270 Quadratmetern.

Der Eingang befindet sich auf der äußeren Nordseite des Hauses. Links davon sind im kürzeren östlichen Gebäudeschenkel ein WC, ein Gäste- oder Hauswirtschaftsraum sowie zwei Abstellräume angeordnet, rechts der offene Wohn-, Ess- und Küchenbereich, der einzig durch einen frei stehenden Kamin zoniert ist. An der westlichen Schmalseite öffnet sich der Wohnraum mit einer Glasfassade zum Garten hin. Diese ist von der Gebäudekante zurückgesetzt, sodass eine geschützte Terrasse entsteht. Eine weitere große Fensterfront auf der Südseite rahmt den Blick auf die Eiche im Garten. Herzstück des Erdgeschosses ist jedoch die Treppe: Der äußeren Biegung des Gebäudes folgend, macht sie die dynamische Form des Hauses erfahrbar, stellt mit ihrem dunkelroten Anstrich die Verbindung zur Fassade her und setzt einen farbigen Akzent im ansonsten weiß gestalteten Erdgeschoss. Zum Ess- und Küchenbereich hin ist sie als Regal bzw. als Schrank ausgebildet. In der oberen Etage mündet sie in einem großzügigen Flur.

Hier geht es behaglicher zu. Statt weiß und aus Naturstein sind die Böden im Obergeschoss durchgehend dunkelrot und bestehen aus Holz. Farbig sind auch die Wände und Decken in den Schlafräumen gestrichen, das der Eltern in dunklem Taubenblau. Es ist im kürzeren Gebäudeschenkel angeordnet und orientiert sich mit einer raumbreiten und -hohen Glasfront nach Osten. Davor befindet sich ein schmaler Balkon. An der gegenüberliegenden Seite grenzen zwei Bäder an den Schlafraum, je eins für die Eltern und eins für die Kinder. Beide sind rundum gefliest - das Elternbad mit grünen, das Badezimmer der Kinder mit blaugrauen Zementfliesen. Im anschließenden Flur sind die Wände und Decken sind weiß. Er endet in einer Galerie vor der westlichen Gebäudeschmalseite, die als Arbeitsplatz nutzbar, den Blick auf den darunter liegenden Wohnraum freigibt.

Fliesen und Platten
Rechteckige Platten aus weißem Cararra Marmor mit hellgrauer Maserung bedecken die Böden im Erdgeschoss und unterstreichen den lichten Raumeindruck. Rechtwinkelig zu den Außenwänden verlegt, folgen sie wie ein Ventilator der Biegung des Gebäudes. Dazu wurden sie trapezförmig zugeschnitten. Farbig dagegen sind die verschiedenen Fliesen in den Bädern. Sie wurden von den Architekten gemeinsam mit dem Fliesenhersteller entworfen. Jeweils Boden, Wände und Decke bedeckend, kommen drei verschiedene Modelle zum Einsatz.

Im Elternbad entschied man sich für hexagonale Fliesen in den Abmessungen 20 x 23 cm, die mit ihren dünnen weißen Linien auf dunkelgrünem Grund an die Samen-Schirmchen von Pusteblumen erinnern. Das Bad der Kinder ist rundum mit Fliesen in quadratischer Ausführung bedeckt. Sie zeigen ein unregelmäßiges Kreismuster in Türkis auf hellgrauem Hintergrund. Die Serie besteht aus drei verschiedenen Varianten, die nach dem Zufallsprinzip verlegt wurden; ihr Format beträgt 20 x 20 cm. Wie schon im Elternbad sind Decke und Wand des WCs im Erdgeschoss mit hexagonale Fliesen desselben Formats gestaltet, hier in den Farben Aubergine und Milch.

Die Dicke sämtlicher Fliesen beträgt 12 mm. Alle wurden in Marokko nach traditioneller Herstellungsart aus Zement handgefertigt. Die Vorlagen für die Metallformen zur Zementfliesenherstellung stammen aus Südspanien. Ein kleiner Film über die Herstellung ist dem Beitrag Schwedische Schmuckstücke aus Zement (siehe unten Zum Thema) angehängt.

Bautafel

Architekten: Claesson Koivisto Rune Architects, Stockholm
Projektbeteiligte: Komponent Byggen, Stockholm (Baufirma); Fagerhult Schweden, Habo (Leuchten); Vitra, Köln (Sanitärkeramik); Hansgrohe, Schiltach (Armaturen); Marrakesh Design, Stockholm (Badfliesen)
Bauherr: Familie Fagerström
Fertigstellung: 2012
Standort: Edsviken, Sollentuna, Schweden
Bildnachweis: Åke E:son Lindman, Bromma

Fachwissen zum Thema

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