Haus B. in Stuttgart

Altbau aus den 1950er-Jahren nachhaltig modernisiert

Wenn ein international renommierter Architekt ein junges Architekturbüro mit dem Umbau seines Privathauses beauftragt, darf man auf das Ergebnis gespannt sein. Das in attraktiver Halbhöhenlage von Stuttgart liegende Haus B. mit unverbaubarem Blick auf den Stuttgarter Talkessel wird von Architekt B. und seiner Familie seit nahezu zwanzig Jahren bewohnt. In den 1950er-Jahren errichtet und mehrfach verändert, entsprach es nicht mehr den Ansprüchen an modernes Wohnen. Der anfängliche Plan, das komplette Gebäude abzureißen und einen Neubau zu errichten, wurde verworfen. Aufgrund verschärfter Bauvorschriften hätte sich die überbaubare Grundfläche stark reduziert.

Auf der vierten Ebene entstand ein neuer Zugang zum Haus in Form einer Brücke, die über das Hanggelände hinweg auf die Dachterrasse führt
Die oberen zwei Geschosse von Haus B. in Stuttgart wurden abgerissen und als Holzbau mit Solardach neu erstellt
Aus der Ferne ergibt die besondere Lattung der Fassade einen Moiré-Effekt

Die Aufgabenstellung an das Stuttgarter Architekturbüro Yonder lautete, für das viergeschossige Haus mit 282 Quadratmetern Wohnfläche eine vorteilhaftere Raumaufteilung und mehr Barrierefreiheit zu erreichen. Auch die Gebäudetechnik galt es zu modernisieren. Die Planer entschieden sich für einen Teilabriss: Die beiden oberen Ebenen wurden abgetragen und als luftiger, zweigeschossiger Holzbau mit großzügiger Dachterrasse neu erstellt. Dies bot zum einen die Möglichkeit, die räumliche Situation zu klären. Zum anderen konnte durch den Einbau großer Panoramafenster der spektakuläre Blick auf Stuttgart und auf das nahe gelegene Teehaus – einen 1913 erbauten Jugendstilpavillon mit Säulenkranz – neu inszeniert werden. Auch die Fassade wurde mit Holz verkleidet. Die vertikal aufgestellten Lärchenholzlatten erhielten eine auffällige, diagonal gesetzte Unterkonstruktion. Barrierefreiheit wurde durch den Einbau eines Aufzugs erreicht.

Auf der vierten Ebene entstand ein neuer Zugang in Form einer Brücke, die über das Hanggelände hinweg auf die Dachterrasse führt. Neben dem Entrée befinden sich hier ein Schlafraum sowie ein Bad. Die dritte Gebäudeebene ist offen strukturiert und umfasst differenziert gestaltete Teilbereiche für den Küchen-, Ess- und Wohnbereich mit Einbaumobiliar aus geölten Nuss- und Eichenhölzern. Über ein offenes Treppenhaus mit großzügigen Holzeinbauten ist sie mit der vierten Ebene verschränkt. Die zweite Ebene dient als Gästetrakt mit Schlafzimmer, Bad und Küche. Auf der ersten Ebene befinden sich die Kellerräume.

Heizung

Schon in den 1990er Jahren hat sich Architekt B. bei seinen Werken dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben. So war es beinahe zwingend, auch das eigene Haus zum nahezu energieautarken Energie-Plus-Haus umzugestalten und regenerative Energien zu nutzen. Hierfür wurde eine Sole-Wasser-Wärmepumpe installiert, mit der sich das Haus sowohl Heizen als auch Kühlen lässt. In Erdwärmesonden, die über eine Bohrung senkrecht in den Untergrund reichen, zirkuliert ein Wasser-Sole-Gemisch. Es entzieht dem Erdreich Wärme, die von der Wärmepumpe auf das benötigte Temperaturniveau zum Heizen gehoben wird. Die Trinkwasserbereitung erfolgt über eine Frischwasserstation.

Die für eine hohe Effizienz der Wärmepumpenanlage erforderlichen geringen Vorlauftemperaturen des Heizsystems ließen sich durch den Einbau von Flächenheizungen erzielen. Dazu zählen eine Wandheizung im Gästebereich sowie eine Fußbodenheizung und eine Heiz- und Kühldecke im Wohnbereich. Zum Einsatz kam ein Trockenbausystem mit geringer Aufbauhöhe, das mit kurzer Einbauzeit punktet. Kunststoffrohre für die Aufnahme des Heizungswassers sind dabei in Platten aus Gipsfasermaterial eingelassen, auf denen beispielsweise im Fall der Fußbodenheizung der Bodenbelag direkt verlegt ist. Ist in den Sommermonaten eine Kühlung erwünscht, wird die Raumwärme über die Flächenheizungen ins kältere Erdreich abgeleitet. Strom bezieht das Haus vom eigenen Dach, das vollflächig mit quadratischen Photovoltaik-Modulen belegt ist. Durch die Verlegetechnik wirken sie wie ein traditionelles Schindeldach.

Bautafel

Architekten: Yonder – Architektur und Design, Stuttgart
Projektbeteiligte: Wagnerplanung, Stuttgart (Tragwerksplanung), Transsolar Energietechnik, Stuttgart (Energieplanung), Bartenbach, Aldrans/Tirol (Lichtplanung), Bobran Ingenieure, Stuttgart (Bauphysik), Behnisch Architekten, Stuttgart (Landschaftsarchitektur)
Bauherr: Architekt B., Stuttgart
Fertigstellung: 2016
Standort: 70184 Stuttgart
Bildnachweis: Brigida González, Stuttgart

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