Hauptsitz der Intesa Sanpaolo Bank in Turin

Hochhaus mit doppelschaliger Glasfassade

Dem Wahrzeichen der italienischen Handels- und Industriestadt Turin macht neuerdings ein Hochhaus Konkurrenz, das die Architekten des Büros Renzo Piano Building Workshop für das Kreditinstitut Intesa Sanpaolo entworfen haben. Mit einer Höhe von 166 Metern ist der neue Büroturm nur etwa eineinhalb Meter niedriger als die Metallspitze der Mole Antonelliana, einem pavillonartigen Bauwerk aus dem Jahr 1889, das als Synagoge geplant war und heute das bedeutendste Filmmuseum Italiens beherbergt. Alle anderen Gebäude der Stadt überragt der Neubau bei Weitem.

Ausschnitt der Südfassade des 166 Meter hohen Bürogebäudes
Je drei Betonstützen entlang der West- bzw. Ostfassade übernehmen den vertikalen Lastabtrag
Dem Gebäude ist westlich ein kleiner Park vorgelagert, den die Architekten ebenfalls neu gestalteten

Von einer fein gerasterten, weißen Glas-Aluminium-Fassade umhüllt, liegt das Hochhaus am Rand des historischen Stadtzentrum gegenüber des Bahnhofs Porta Susa. Nordwestlich grenzt der Giardino Nicola Grosa an – ein kleiner Park, den die Architekten ebenfalls neu gestalteten. Das Haus selbst ist in drei Bereiche gegliedert: Im unteren sind die technischen Versorgungseinrichtungen, drei unterirdische Parkebenen, darüber die Empfangshalle, ein Kindergarten und ein Betriebsrestaurant sowie ein Konferenzraum für 364 Personen untergebracht, der sich bei Bedarf in einen Konzertsaal verwandeln lässt. Der mittlere Bereich beginnt ab dem 7. Obergeschoss, erstreckt sich über insgesamt 26 Etagen und beherbergt die jeweils 3,20 Meter hohen Büroräume. In den obersten drei Stockwerken befinden sich ein Gewächshaus, ein weiteres Restaurant, eine Ausstellungshalle und schließlich eine begrünte Dachterrasse. Über alle Geschosse verläuft mittig in Längsrichtung der Gebäudekern mit Aufzügen, Fluchttreppen und Sanitäranlangen. Der vertikale Lastabtrag erfolgt über je drei enorme Betonstützen entlang der West- bzw. Ostfassade.

Ein wesentliches Element der Planung bestand darin, den gläsernen Büroturm möglichst umweltfreundlich zu gestalten und den Energieverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. Er nutzt Geothermie zum Heizen und Kühlen, Regenwasser für die Toilettenspülungen und die Bewässerung der Grünanlagen, wird teilweise natürlich belüftet und produziert außerdem Solarstrom. Den notwendigen Sonnenschutz gewährleistet ein automatisch gesteuertes Lamellensystem; rund 500 Sensoren sorgen dafür, dass 20.000 Leuchtkörper automatisch ein- bzw. ausgeschaltet werden.

Glas
Die West- und Ostfassade sind zweischalig ausgebildet. Sie begrenzen im Winter den Wärmeverlust, im Sommer den Wärmeeintrag. In den Regelgeschossen besteht die äußere Schale aus beweglichen Glaslamellen, die auf einer weißen Stahltragkonstruktion befestigt sind und ihre Ausrichtung automatisch dem jeweiligen Licht- und Sonnenstand anpassen. Für die innen liegende Fassadenschicht wählten die Planer ein Elementsystem mit raumhohen Verglasungen. Sie sind in den Büroetagen 1,50 Meter breit, in den oberen und unteren Geschossen 0,50 Meter. Verwendet wurde sowohl transparentes als auch satiniertes Glas; die geschlossenen Fassadenbereiche bedecken pulverbeschichtete Aluminiumelemente in Weiß. Die Art der Verglasung variiert entsprechend den geforderten sicherheitstechnischen Belangen. Die Einzelscheiben der Verbundsicherheitsgläser sind mit einer hoch transparenten SGP-Folie aus modifiziertem Polyethylen (Ionoplast) zu einem Gesamtpaket verbunden.

Auf der Südfassade erzeugen Pholtovoltaik-Module Strom. Sie bedecken eine Fläche von 1.900 Quadratmetern; mittig verläuft ein 110 Meter hohes, rundum verglastes Fluchttreppenhaus, das als Stahltragwerk der Fassade vorgelagert ist und wie ein Wintergarten als Klimapuffer dient. Die gleiche Aufgabe übernimmt das Gewächshaus, das sich über die obersten drei Geschosse erstreckt. Es ist natürlich belüftet und mit Sträuchern und Pflanzen wie Eukalyptus, Akazie, Lavendel und Myrte bepflanzt, die sich für ein gemäßigtes Klima eignen.

Bautafel

Architekt: Renzo Piano Building Workshop, Genua, Paris und New York
Projektbeteiligte: RFR, Paris (Fassadenplanung); Permasteelisa, Treviso (Fassade); Expedition Engineering, London und Studio Ossola, Turin (Tragwerksplanung); Michele De Lucchi, Mailand, und Pierluigi Copat Architecture, Paris (Innendesign); Alpiq Intec, Zürich (Elektro- und Gebäudetechnik); Peutz & Associés, Paris und Onleco, Turin (Akustik)
Bauherr: Intesa Sanpaolo, Turin
Fertigstellung: 2014
Standort: Corso Inghilterra, 10138 Turin, Italien
Bildnachweis: Enrico Cano für Renzo Piano Building Workshop

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