Hauptbahnhof - Lehrter Bahnhof in Berlin

Verglasung mit Photovoltaik-Zellen

Der Berliner Hauptbahnhof, dessen Vorgänger vor dem Krieg ein Kopfbahnhof mit dem Namen Lehrter Bahnhof war, befindet sich im Bezirk Tiergarten westlich des Humboldthafens. In Europas größtem Bahnhof für den Fern-, Regional- und Nahverkehr kreuzen sich die neue unterirdische Nord-Süd-ICE-Fernbahnverbindung und die bogenförmig geführte Trasse der von Westen nach Osten führenden Bahnlinien. Hinzu kommen in beiden Richtungen die S-Bahn-Trassen sowie eine nordsüdverbindende Regionalbahnlinie.

Lehrter Bahnhof
Ansicht von der Spree
Die glasüberdachte Eingangshalle

Die auffälligsten architektonischen Elemente der filigranen Glas-Stahl-Konstruktion sind die gewölbte Überdachung der gekrümmten Stadtbahntrasse sowie die beiden 46 m hohen so genannten Bügelbauten, die in einer leicht parallelogrammförmig verschobenen Grundrissgeometrie den Verlauf des unterirdischen Tunnels städtebaulich markieren. Sie bilden mit den Glashallen des Bahnhofs eine Einheit. Die lichtdurchflutete 180 m lange und 42 m breite glasüberdachte Bahnhofshalle kreuzt die 321 m lange gläserne Ost-West-Trasse, von der die Züge der S-Bahn und zwei Fahrbahnsteigen fahren. Im Kernbereich entstanden auf einer Fläche von 430 x 430 m fünf Ebenen, von denen nur zwei Ebenen mit Gleisanlagen bestückt sind. In einer Tiefe von 15 m befinden sich die vier Bahnsteige und acht Gleisanlagen der Nord-Süd-Verbindung sowie die U-Bahn-Station. Oberhalb der Fernbahngleise wurden Gewerbeflächen mit Geschäften und Restaurants angeordnet, die jeweils eine direkte Verbindung zu dem Parkhaus haben.

Kurze Wege führen zu den Haltestellen der Busse und Straßenbahnen sowie den Taxiständen. Innerhalb des über Straßenniveau befindlichen Zwischengeschosses befinden sich ebenfalls Verkaufsstätten und Gastronomieeinrichtungen.

Heizung/Klima- und Energiekonzept
Die Basis des Klimakonzepts beruht auf dem Luftaustausch mittels einer natürlichen Ventilation über die Steuerung von Zu- und Abluft sowie Rauch- und Wärmeabzugseinheiten (RWA`s). Die Luft, die sich durch direkte und diffuse Sonneneinstrahlung im Innern der Halle erwärmt hat, steigt, unterstützt durch die gebogene Form der Glasüberdachung, nach oben. Dagegen strömt aufgrund der Thermik die kühle Außenluft im Traufbereich über die Zuluftklappflügel ins Gebäude, während die warme, verbrauchte Luft über die Abluft- und RWA-Klappflügel im Firstbereich der Glasüberdachung der Ost-West-Richtung entweichen kann.

Dem Konzept der „Wetterhülle“ entsprechend wurde für die Glasüberdachung in der Ost-West-Richtung eine Einfachverglasung, bestehend aus Verbundsicherheitsglas gewählt. Zur Verbesserung des Raumklimas wurde diese Verglasung vollflächig als Sonnenschutzverglasung ausgeführt. Im Bereich des wirkungsvollsten Einstrahlungswinkels wurden im Süden ca. 8% der Dachfläche mit Photovoltaik-Modulen belegt. Die Photovoltaik-Zellen wurden in hochtransparentem Gießharz zwischen die beiden Scheiben der Verglasung integriert. Die undurchsichtigen Photovoltaik-Zellen verschatten somit die Bahnsteigbereiche zusätzlich. Die aufwendige Verkabelung der PV-Module erfolgte unsichtbar in Aluminium-Profilen, die auf dem Obergurt der Netzstäbe befestigt sind.

Bautafel

Architekten: von Gerkan, Marg und Partner Architekten (gmp), Hamburg
Projektbeteiligte: Schlaich Bergermann und Partner (Statik); Feluwa-Pumpen, Mürlenbach (Pumpenanlagen); Ingenieurgesellschaft Höpfner, Köln (Haustechnik); Lodewick, Herzberg (Heizung, Kälte, Sanitär, Brandschutz); Saint-Gobain Glass, Aachen (Glashersteller)
Bauherr: Deutsche Bahn, Berlin
Fertigstellung: 2006
Standort: Europaplatz 1, Berlin Mitte
Bildnachweis: von Gerkan, Marg und Partner Architekten (gmp), Hamburg

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