Harmeny Learning Hub bei Edinburgh

Lernwerkstätten für Jugendliche

Unweit von Edinburgh liegt in einem ausgedehnten Park ein denkmalgeschütztes Herrenhaus, das Ende des 19. Jahrhundert errichtet und 1910 vom damals sehr bekannten schottischen Architekten und Möbeldesigner Sir Robert Lorimer umgebaut und um einen Flügel erweitert wurde. Lorimer gehörte der Arts-and-Crafts-Bewegung an und genoss insbesondere für die Rettung respektive den Umbau zahlreicher schottischer Castles und sogenannter Country Houses ein hohes Renommee.

Speziell für die Betreuung und Förderung von 14- bis 18-jährigen Jugendlichen fehlten entsprechende Klassenräume sowie auch Werkstätten.
Als Prämisse galt, je lesbarer und gleichzeitig weniger einschüchternd das Gebäude sei, desto eher würde es angenommen und tatsächlich in Gebrauch genommen.
Die Architekt*innen entwickelten ein eingeschossiges und übersichtlich lesbares Gebäude in Form eines liegenden L-Winkels, das sie in einem der Gehölze platzierten.

Seit Mitte der 1990er-Jahre wird das Anwesen vom Harmeny Education Trust, einer Wohltätigkeitsstiftung, für die Behandlung, Erziehung und Ausbildung traumatisierter Kinder und Jugendlicher genutzt. Da der Trust für die Betreuung mehr Platz benötigte, erfolgte Anfang der 2000er-Jahre eine Erweiterung um einen Schulneubau, einer Sporthalle und einem Musikzimmer durch Richard Murphy Architects. Es entstand ein kleiner Campus mit einem Wohn-Cottage, mehreren Outdoor-Spielplätzen, einem Grillplatz, einer Skater-Anlage, einem Kletter-Parcours und einem Gemeinschaftsgarten.

Raumprogramm

Speziell für die Betreuung und Förderung von 14- bis 18-jährigen Jugendlichen, die behutsam an eine praktische Berufstätigkeit und damit eine Selbständigkeit herangeführt werden sollten, fehlten jedoch entsprechende Klassenräume sowie auch Werkstätten. Im Jahr 2018 wurde deshalb eine Spendenaktion gestartet, die knapp 3 Millionen Pfund (zeitlich umgerechnet auf 2019 etwa 3,4 Millionen Euro) einbrachte. Den Auftrag für den Harmeny Learning Hub erhielten nach einem Wettbewerbsverfahren das Büro Loader & Monteith Architects zusammen mit Studio SJM Architects, beide aus Glasgow.

Das Raumprogramm beinhaltet einen Eingangs- als Orientierungsraum, eine Holz-, eine Kunst- und eine Fahrradreparaturwerkstatt, mehrere je nach Bedarf der Werkstätten unterschiedliche Lager- und Abstellräume, zwei Klassenzimmer, eine Teeküche, Sanitär- und Personalräume sowie zwei Therapieräume.

Sensibilität

Neben den funktional-räumlichen Vorgaben forderte die Gestaltung und Organisation eine besondere Sensibilität. Die Architektur dieser Lernräume für traumatisierte junge Menschen sollte Schutz und Rückzug bieten, Entspannung ermöglichen und mit der umgebenden Natur als Ruhepol interagieren. Als Prämisse galt, je übersichtlicher und gleichzeitig weniger einschüchternd das Gebäude sei, desto eher würde es angenommen und tatsächlich in Gebrauch genommen.

Statt eines mehrgeschossigen Baus, der rechnerisch weniger Grundfläche beansprucht hätte, entwickelten die Architekt*innen ein eingeschossiges und gut lesbares Gebäude in Form eines liegenden L-Winkels, das sie in eines der Gehölze setzten. In einem Flügel befinden sich die Werkstätten, im anderen die Servicebereiche und Nebenräume. Weil die Platzierung des Baukörpers äußerst sorgfältig analysiert und behutsam erfolgte, mussten trotz größerer Grundfläche lediglich drei Bäume umgepflanzt werden.

Zugänglichkeit, Licht und Farbe

Die Eingeschossigkeit ist von Vorteil, denn sie erlaubt durch schwellenlose, verglaste und damit transparente Türen mit Oberlichtflügeln und ebensolche raumhohen Fenster einen ungehinderten physischen wie visuellen Zugang zur umgebenden Natur. Sie bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, wann immer sie eine Pause möchten, etwas Abstand oder einen Rückzug brauchen, unmittelbar hinauszulaufen in den Wald und tief Luft zu holen. Die Architektur entspricht damit emotionalen und sozialen Bedürfnissen und Wünschen.

In die Dächer der Klassenräume und Werkstätten sind zusätzlich großformatige rechteckige Oberlichter eingefügt. Sie tauchen die Räume tagsüber in ein weiches, warmes, helles Licht, das für die handwerklichen Arbeiten benötigt wird.


Für die Fenster und Türen wurden graue Aluminiumprofile gewählt, die sich im Moment noch von der goldgelben Holzlatten-Verkleidung aus schottischer Lärche absetzen. Die Verkleidung ist jedoch naturbelassen und wird im Laufe der Zeit einen silbrig-hellgrauen Farbton annehmen, der dann stimmig zu den Fenster- und Türrahmen passt. Dieses natürliche und neutrale Farbkonzept wird mit hellgrauen handgeformten Vormauerziegeln an der Außenwand des Serviceflügels fortgeführt.

Weitere Parameter des Gebäudes sind ein geringer Ressourcen- und Energieverbrauch. Die Konstruktion ist ein hochgedämmtes hölzernes Tragwerk mit Solarpaneelen auf dem Dach, einer Erdwärmepumpe und einem mechanischen Lüftungs-Wärmerückgewinnungssystem.

Der Harmeny Learning Hub wurde bei den Scottish Design Awards 2024 als bestes Lehr- und Lerngebäude mit einem Gold-Award ausgezeichnet, der Harmeny Education Trust erhielt eine Silber-Trophäe als Bauherr des Jahres. -sj

Bautafel

Architektur: Loader & Monteith Architects, Glasgow mit Studio SJM Architects, Glasgow
Projektbeteiligte: Thomas Johnstone Ltd, Glasgow (Bauausführung); Faithful & Gould, London (Projektmanagement); Wardell Armstrong, Stroke-on-Trent (Landschaftsarchitektur); Harley Haddow, London (Tragwerks- und Haustechnikplanung)
Bauherr: Harmeny Education Trust, Balerno, Edinburgh
Fertigstellung: 2023
Standort: 45 Mansfield Rd, Balerno EH14 7JY, Vereinigtes Königreich
Bildnachweis: Jim Stephenson und Loader & Monteith Architects, Glasgow, über Salt

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Fensterprofil aus Messing, IG-Metall-Haus Erich Mendelsohn und Rudolf Reichel, 1929

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Materialien/​Werkstoffe

Metalle als Rahmenmaterial

Bei einem stehenden Fenster ist die Fensterhöhe ein Vielfaches der Fensterbreite, während bei einem liegenden Fenster die Fensterbreite um ein Vielfaches größer ist als die Fensterhöhe (im Bild: stehendes Fenster in einer Metallhaut).

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Fensterarten

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