Hansruedi Scheller – Signaletikpionier

Hansruedi Scheller – Signaletikpionier

Ruedi Weidmann, Thomas Bruggisser

Triest Verlag, Zürich 2024
124 Seiten, 176 Abbildungen
Format 19 × 21 cm, Freirückenbroschur mit Klappen

Preis: 39 EUR

ISBN 978-3-03863-078-4

In der Hektik sind Eingänge, Hausnummern und WCs leicht zu übersehen. Nicht zuletzt in der Nachkriegsmoderne sind viele Türen einfach in Betonwänden und seriellen Fassaden verschwunden. Und so manche Route blieb unentdeckt im Labyrinth der Parkgaragen, Treppenhäuser und Korridore der 1970er- und 1980er-Jahre. In jenen Jahrzehnten gehörte Hansruedi Scheller zu den einflussreichsten Schweizer Grafikern. Er hinterließ ein beeindruckendes Werk von Beschriftungen, Bemalungen und Wegeleitsystemen für rund 230 Großbauten in der Schweiz, das Ruedi Weidmann und Thomas Bruggisser 2024 in einem kleinen Buch zusammengefasst haben: Hansruedi Scheller – Signaletikpionier.

Rund 120 reich illustrierte Seiten erwarten die Lesenden. Über 170 historische und aktuelle Fotos zeigen detailreich die gebäudeumfassenden Orientierungskonzepte. Es macht wirklich Spaß, in Schellers Farbwelt einzutauchen, die uns heute als „typisch Siebziger“ erscheint: satte Orange-, Rot- und Gelbtöne, Kobaltblau, Smaragd- und Maigrün. Dass sie einem so ins Auge springen, ist sicherlich dem Kontrast zu den umgebenden grauen Beton- und Pflasterflächen geschuldet – auch das ein Zeichen der Zeit.

In ihrem ersten Kapitel – Plötzlich diese Unübersichtlichkeit – vermitteln die Autoren einen Eindruck von den 1960er-Jahren, als immer mehr multifunktionale Großbauten entstanden. Hinzu kam die beginnende, strikte Trennung von Auto- und Fußverkehr. Damit sich die Stadt nicht ausbreitete, wurden Nutzungen gestapelt. Heraus kamen vielgeschossige, weitläufige Komplexe – die „Zentren“ –, wie man sie auch in Deutschland und anderswo kennt. In diesem Umfeld entstand die Signaletik, damals allerdings noch Baugrafik genannt.

Im zweiten Kapitel vollziehen die Autoren Schellers Biografie und Aufstieg nach. 1966 bezog er sein Zürcher Atelier, wo er bis zu seinem Tod 2007 arbeitete. Seinen ersten Auftrag zur Beschriftung eines Gebäudes erhielt er vom Architekturbüro Rudolf+Esther Guyer. Über ihre Erinnerungen an die freundschaftliche Zusammenarbeit sprechen die beiden mittlerweile fast 100 Jahre alten Architekturschaffenden im dritten Kapitel.

Für das vierte Kapitel hat Thomas Bruggisser, der im Atelier Scheller seine Lehre absolvierte, anhand von Erinnerungen und Notizen aus Schellers Nachlass sieben Grundregeln rekonstruiert. Demzufolge müssen Standorte auf Lageplänen immer unten sein. Und die Raumnummerierung muss sich an der typischen Bewegung der Nutzenden im Gebäude orientieren. Wie diese Regeln sich in der Praxis niederschlagen, ist auch hier an zahlreichen Beispielfotos zu sehen.

Mit seinen lebensfrohen und zugleich schnell erfassbaren Grafiken ist Schellers Werk eine kraftvolle Inspiration – und dieses Buch eine klare Empfehlung.

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