Hallenbad in Neutraubling

Nachhaltiger Umgang mit Wärmeenergie

In öffentlichen Hallenbädern wird erfahrungsgemäß sehr viel Energie benötigt – einerseits, um die Innenräume ganzjährig zu temperieren, andererseits, um das Wasser der Schwimmbecken zu erwärmen. Die Frage der Nachhaltigkeit stellt sich bei dieser Bauaufgabe daher weniger in Bezug auf den grundsätzlich hohen Energiebedarf, sondern vielmehr beim effizienten und verantwortungsvollen Umgang mit der eingesetzten Wärmeenergie. In Neutraubling bei Regensburg hat das Büro 4a Architekten ein Hallenbad realisiert, das über das städtische, überwiegend mit Biomasse betriebene Nahwärmenetz versorgt wird. Ergänzend sorgen Wärmerückgewinnungssysteme dafür, dass ein Großteil der Energie im Gebäude verbleibt.

Der Haupteingang an der Haidauer Straße wird durch einen großzügigen Vorplatz mit Sitz- und Fahrradabstellmöglichkeiten markiert.
Für die Vereine gibt es einen separaten Bereich mit eigenem Zugang, Sammelumkleiden, Föhnplätzen und Vereinsräumen, der von den öffentlichen Umkleiden (im Bild) getrennt ist, um einen reibungslosen Ablauf im Trainingsbetrieb zu gewährleisten.
Die Schwimmhalle ist in verschiedene Bereiche unterteilt, wodurch die verschiedenen Besucherströme größtenteils voneinander getrennt werden.

Das neue Hallenbad entstand auf einem bislang landwirtschaftlich genutzten Grundstück, das heute von Neubaugebieten umgeben und durch seine Nähe zu mehreren Schulen besonders günstig gelegen ist. Der kompakte Baukörper reagiert mit einem unregelmäßigen, polygonalen Grundriss auf die Grundstücksform. Durch seine gestaffelte Höhenentwicklung fügt er sich zudem maßstäblich in die niedrigere Umgebungsbebauung ein. Während die Sockelzone nahezu rundum verglast ist, sind die Dachkante und die aus dem niedrigeren Volumen herausragende Badehalle mit champagnerfarbenen Aluminiumpaneelen verkleidet. Abgerundete Gebäudeecken lassen das Material im Sonnenlicht schimmern.

Baden und Erleben

Parallel zur westlich vorbeiführenden Straße verläuft der Umkleideriegel mit Haupteingang und Cafeteria für Badegäste und Besucher*innen. Dahinter liegt die Badehalle, die Sport-, Freizeit- und Wellnessbereiche beherbergt und sich nach Süden und Osten großzügig zum Außenraum öffnet. Im Zentrum der Halle befindet sich die Wellnesszone mit Dampfbad (48 °C), Textil-Bio-Sauna (58 °C), Erlebnisduschen und Ruhezonen für Erholungssuchende. Der Familienbereich bietet ein vielseitig nutzbares Freizeitbecken mit Attraktionen wie Sprudelliegen und Massagedüsen sowie ein separates Planschbecken mit Elefantenrutsche für die Kleinsten. 

Weite und Leichtigkeit

Die Bereiche sind offen gestaltet, mit großen Deckenspannweiten: Das Stahl-Dachtragwerk überspannt bis zu 28 Meter. Wo Stützen erforderlich sind, sind sie spielerisch schräg gestellt, wodurch gestalterische Leichtigkeit erzeugt wird.

Die Material- und Farbpalette erzeugt eine warme, freundliche und natürliche Atmosphäre: Holz, Sichtbeton, Glas, grüne Mosaikfliesen und grau-beigefarbenes Feinsteinzeug prägen die Schwimmhalle. Amorph gestaltete Deckenausschnitte sind mit Holzwolleleichtbauplatten gefüllt, deren grüne Farbgebung einen Bezug zum natürlichen Außenraum mit Wiesen, Bäumen und dem Wasserlauf Moosgraben herstellt. In Kombination mit der Holzlamellendecke tragen sie zu einer angenehmen Akustik bei.

Wärme und Wasser

Die Wärmeenergie für das Hallenbad stammt vom örtlichen Energieversorger; die berechnete Wärmeleistung für das Gebäude beträgt 1.150 kW. Die Warmwasserbereitung erfolgt vor Ort im Durchflussprinzip mit einer Frischwasserstation über vier Plattenwärmetauscher. Zwei Heizungspufferspeicher übernehmen die Trinkwassererwärmung. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Legionellenprophylaxe, wofür die Vorgaben des Merkblatts 64.01 der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen berücksichtigt wurden: Zur thermischen Desinfektion wird das Warmwasser auf 75 °C erhitzt und die gesamte Trinkwasseranlage einschließlich Zirkulationssystem umgewälzt und gespült. Die Dusch- und Entnahmeeinrichtungen sind außerdem mit einer elektronischen Steuerung zur Betätigung der thermischen Desinfektion ausgestattet.

Verbrauchte Wärme weiternutzen

Ein zentraler Nachhaltigkeitsaspekt ist der effiziente Umgang mit verbrauchtem Warmwasser: Das kontinuierlich anfallende Stetsablaufwasser aus den Beckenkreisläufen wird nach der Filterung über separate Plattenwärmetauscher in den Spülwasserbehälter geleitet und für die Filterrückspülung genutzt. Gleichzeitig wird über dieselben, jedoch hydraulisch getrennten Wärmetauscher das notwendige Frisch- und Füllwasser geführt, das dabei die Wärme des Stetsablaufwassers übernimmt. Auf diese Weise geht nur ein minimaler Teil der Energie verloren.

Lüftung und Monitoring

Auch die mechanische Be- und Entlüftungsanlage mit einer Gesamtleistung von rund 92.000 m³/h, die Luft aus unterschiedlich temperierten Zonen (von 20 °C in der Küche bis 32 °C in der Erlebnisbadehalle) austauscht, ist mit einer effizienten Wärmerückgewinnung ausgestattet.

Die zentrale Steuerung der technischen Anlagen erfolgt über eine moderne Leittechnik, in der sämtliche Datenpunkte der Badewasser-, Lüftungs- und Heizkreise zusammenlaufen. So lassen sich Betriebszustände wie Temperatur oder Drehzahl präzise regeln. Zur Überwachung und Optimierung können die erfassten Daten zudem in Diagrammen oder Tabellen visualisiert werden. -tg

Bautafel

Architektur: 4a Architekten, Stuttgart 
Projektbeteiligte: Kannewischer Ingenieurgesellschaft, Baden-Baden (HLS); Schneck Schaal Braun Ingenieurgesellschaft Bauen, Tübingen (Tragwerk); Kurz und Fischer, Winnenden (Bauphysik); UNI-TEC Projekt, Weiden (ELT); Brandschutz Schobner, Landau a.d. Isar (Brandschutz); Planstatt Senner, Überlingen (Landschaftsarchitektur)
Bauherr*in: Stadt Neutraubling
Fertigstellung: 2024
Standort: Haidauer Straße 1, 93073 Neutraubling
Bildnachweis: Uwe Ditz, Stuttgart

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