Ha-ha
Unsichtbare Barrieren in englischen Landschaftsparks des 18. Jahrhunderts
Ein Ha-ha ist eine kaum sichtbare Barriere, die durch ihre Absenkung die optische Illusion einer ununterbrochenen Fläche schafft. Damit unterscheidet sie sich grundlegend von Zäunen, Gittern, Hecken und ähnlichen Absperrungen.
Lautmalerischer Ursprung
Der ungewöhnliche Name „Ha-ha“ ist lautmalerisch. Ähnlich wie „Oha!“, „Aaaah“ oder „Aha!“, spiegelt er den überraschten Ausruf wider, den eine spazieren gehende Person macht, wenn sie die zuvor unsichtbare Barriere plötzlich entdeckt – und zwar in dem Moment, wenn sie direkt an der Mauerkante steht.
Prinzip des Wolfsprungs
Im Querschnitt ist ein Ha-ha ein asymmetrischer Trockengraben. Auf der zu schützenden Seite steht eine abgesenkte Mauer, vergleichbar mit einer Spundwand, während die zugängliche Seite aus einer begrünten und meist sanft ansteigenden Böschung besteht. Die Ursprünge stammen aus Frankreich, wo der saut de loup (Wolfssprung) breite Gräben als Sperre nutzte. Diese Gräben waren im besten Fall zu breit und zu hoch, dass Wölfe sie nicht überspringen konnten, um Schafe zu reißen. Was für einen Wolf unüberwindbar war, hielt auch Schafe, Rinder, Rehe und Hirsche zurück. Das Ha-ha erweitert dieses Prinzip um eine optische Täuschung: Die Asymmetrie kaschiert den Graben.
Die Mauer besteht normalerweise aus Feld- oder Ziegelsteinen und ist ein bis drei Meter hoch. Wenn Moos oder Pflanzen die Fugen und den oberen Rand der Mauer begrünen, wird die Barriere nahezu unsichtbar. Doch dieser Vorteil birgt zugleich einen großen Nachteil: Ha-has sind nicht barrierefrei.
Landschaftsparks des 18. Jahrhunderts
Ha-has sind typische Elemente englischer Landschaftsparks und -gärten des 18. Jahrhunderts. In den weitläufigen Ländereien englischer Schlösser und Herrenhäuser wurden Hirsche, Rehe, Rinder und Schafe freilaufend gehalten. Schafe dienten dabei als natürliche Rasenmäher. Um die Tiere von den repräsentativen Rasenflächen und Blumenbeeten vor den Herrschaftshäusern fernzuhalten, ohne diese einzuzäunen, boten Ha-has eine elegante Lösung.
Die Landschaftsgärten jener Zeit inszenierten scheinbar natürliche, ausbalancierte Ausblicke mit weiter Perspektive. Sie sollten Geist und Seele in Einklang mit der Natur bringen, um Ruhe und Gelassenheit zu finden. Ha-has finden sich nicht nur in England, sondern auch in den Parks einiger Anwesen des britischen Commenwealth und in Deutschland, beispielsweise in den Schlossparks von Nymphenburg, Pillnitz und Benrath.
Capability Brown und die Verbreitung des Ha-ha
Lancelot „Capability“ Brown (1716-1783), einer der berühmtesten englischen Landschaftsarchitekten, gestaltete Anfang des 18. Jahrhunderts für die hochadlige Familie Temple den barocken Garten ihres Landsitzes Stowe in Buckinghamshire zu einem Landschaftspark mit mehreren Ha-has. John Perceval, Earl of Egmont, schrieb 1724 nach einem Besuch in Stowe begeistert:
„Die Schönheit dieses Gartens wird noch steigert, weil er nicht von Mauern, sondern von einem Ha-ha begrenzt wird, der den Blick auf die wunderschöne waldige Landschaft zulässt und dich um unklaren lässt, wie weit sich die Wege noch erstrecken.“ (zitiert nach National Trust, Übersetzung SJ)
In der Folge wurden Ha-has in zahlreichen Landschaftsparks und -gärten populär, etwa in Claydon (Buckinghamshire) und Berrington (Herefordshire). Beide Anwesen werden heute vom National Trust verwaltet und sind öffentlich zugänglich. Claydon diente als Kulisse für die 2020er-Verfilmung von „Cinderella“ sowie Serien wie „Bridgerton“ und „Downton Abbey“. Berrington Hall, ein Herrenhaus in einem ebenfalls von Capability Brown gestalteten Landschaftspark, ist ein weiteres Beispiel.
Hinweis: Der National Trust
Der National Trust for Places of Historic Interest or Natural Beauty ist eine gemeinnützige Organisation für Denkmal-, Kultur- und Naturschutz. König Charles III. ist ihr Präsident. Finanziert durch Mitgliedsbeiträge der mehr als 5 Millionen Mitglieder, Eintrittsgelder und Spenden, schützt der Trust über 500 Anwesen, Gärten und Parks in England, Wales und Nordirland, um sie vor dem Verfall zu schützen und als kulturelles Erbe zu bewahren.
Autorin: Prof. Dr.-Ing. Susanne Junker, Berlin
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