Grundschule Wilhelm Gentz in Neuruppin

Dämmende Holzfassade verbindet alt und neu

Im brandenburgischen Ort Neuruppin, rund 70 Kilometer nordwestlich von Berlin, ist es dem Berliner Büro CKRS Architekten gelungen, einen ehemaligen Plattenbau des Typs „Erfurt“ in ein modernes, lichtdurchflutetes und CO2-freundliches Schulgebäude umzugestalten. Ein Anbau und eine neue Zweifeld-Sporthalle ergänzen den Bestand und erweitern das Raumangebot der Wilhelm-Gentz-Grundschule. Eine durchgängige Lärchenholzschalung sorgt für eine einheitliche Gesamtwirkung.

Die neue Holzfassade für den DDR-Plattenbau „Typ Erfurt“ entwickelten die Berliner CKRS Architekten.
Straßenansicht aus nördlicher Richtung auf den Neubau
Dank der umfassenden Holzfassade erscheinen die Gebäudeteile als Ensemble.

Lichtdurchflutetes Foyer als Spielzone

Das viergeschossige Schulgebäude setzt sich aus drei Einzelbausteinen zusammen: dem umgebauten ehemaligen Plattenbau im Südwesten, einem verbindenden L-förmigen Anbau und der neuen Sporthalle an der Nordostseite. Der Haupteingang ist etwas zurückgesetzt gegenüber dem Bestand: Der L-förmige Anbau ist an der Nordwestseite verglast und beherbergt ein großzügiges, zweigeschossige Foyer. Dort führt eine breite Spiel- und Lesetreppe ins erste Obergeschoss. Hier gibt es Sitzplätze als Treffpunkt in den Pausen oder als Tribüne bei Aufführungen im Foyer.

Klare Raumgliederung mit „Lerninseln“

Im Erdgeschoss des neuen Gebäuderiegels befinden sich Umkleideräume, sanitäre Anlagen, ein Geräteraum und der Zugang zur Sporthalle. Über die breite Treppe erreichen die Schüler*innen die Mensa und die Bibliothek in der ersten Etage des Neubaus. In den beiden oberen Geschossen ist die Verwaltung untergebracht. Die Unterrichtsräume befinden sich im umgebauten, erweiterten Bestandsgebäude. Die Schule verfolgt das pädagogische Konzept des gemeinschaftlichen Lernens, das in sogenannten Lerninseln stattfindet. Jeder Etage ist eine Lerneinheit zu einem bestimmten Thema zugeordnet – diese lauten „Ernährung”, „Entspannung”, „Kreativ” und „Kommunikation”. Der breite Flur vor den Gruppenräumen bietet Platz zum Spielen, Lesen und Ausruhen.


Die dreigeschossige Sporthalle schließt an das L-förmige Schulgebäude an. Sichtbezüge innerhalb des Gebäudes verbinden die einzelnen Bereiche. Fenster in der Mensa und an den Fluren der Lerninseln ermöglichen zum Beispiel Einblick in die Sporthalle. Eine Obstbaumwiese mit Sandfläche sowie ein großer Freibereich vor der Schule erweitern das Angebot für Spiele und Bewegung.

Wärmedämmende Holzfassade

Der Neubau ist eine Stahlbetonkonstruktion, ausgestattet mit einer wärmedämmenden Lärchenholzfassade. Vom Plattenbau blieb nur die tragende Konstruktion aus Decken und Schotten erhalten. Diese erhielt eine wärmedämmende Hülle aus Holz, die die Architekten selbst entwickelten: eine Fassade mit hölzerner Unterkonstruktion, Zellulosedämmung und Holzschalung. Die neue Fassade aus unbehandeltem Lärchenholz umhüllt das Ensemble – sie verbindet nicht nur die drei Gebäudeteile, sie optimiert auch den Plattenbau in energetischer Hinsicht.

Imposantes, sichtbares Tragwerk

Das Tragwerk der Sporthalle ist aus 13 Meter langen und drei Meter hohen, fachwerkartigen Holzbindern im Abstand von sechseinhalb Metern konstruiert. Über den imposanten und sichtbar belassenen Holzbindern liegen Sparren; sie tragen die Furnierschichtholzplatten des Daches. Die Außenwände der Sporthalle sind als Holzrahmenbau mit Holzfaserdämmung und eingestellten Stützen für die Hallenbinder realisiert. Oberlichter führen Tageslicht in die Halle.

Eine Photovoltaik-Anlage auf den Dachflächen erzeugt Strom, die überschüssige Energie wird ins Netz eingespeist. Durch die Weiternutzung der bestehenden Bausubstanz (Graue Energie) und den Einsatz natürlicher, nachwachsender Materialien erfüllt die Grundschule Wilhelm Gentz ökologische und wirtschaftliche Ansprüche.

Bautafel

Architektur: CKRS Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: ifb frohloff staffa kühl ecker, Berlin (Tragwerksplanung); Azimut-Ingenieurbüro für rationelle Energietechnik, Berlin (Technische Gebäudeausrüstung); Hradil Landschaftsarchitektur, Neuruppin (Planung Außenanlagen)
Bauherr/in: Fontanestadt Neuruppin
Fertigstellung: 2022
Standort: Gerhart-Hauptmann-Straße 38, 16816 Neuruppin
Bildnachweis: CKRS Architekten, Berlin

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