Grundschule Franklin in Mannheim

Fichtenholzfassade in hellem Grün

Im Nordosten von Mannheim entsteht auf rund 144 Hektar Fläche ein neuer Stadtteil mit Wohnraum für rund 10.000 Menschen, etwa 2.000 Arbeitsplätzen sowie 50 Hektar Parkanlagen. Das Stuttgarter Architekturbüro LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei zeichnete verantwortlich für eine vierzügige Grundschule mit Ganztagsbetreuung und eine Zweifach-Sporthalle in Holzhybridbauweise. Zum Blickfang wird die ausgedehnte zweiteilige Anlage durch ihre einheitliche hinterlüftete Holzfassade mit hellgrünem Anstrich.

LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei planten das neue Schulgebäude und die Turnhalle, die einen großzügigen Pausenhof fassen.
Das begehbare Sporthallendach ist als Pausenhof nutzbar und mit Schrebergärten für jede Klasse ausgestattet.
Am Schulgebäude dienen umlaufende Balkone als Fluchtweg, konstruktiver Holzschutz und Sonnenschutz.

Franklin lautet der Name des Stadtteils, benannt nach den jahrzehntelang dort stationierten US-amerikanischen Soldaten im Benjamin Franklin Village. Während der Bauzeit des neuen Schulgebäudes ließ sich die ehemalige Grundschule der Wohnsiedlung für den Schulbetrieb nutzen. Die Franklin Grundschule bietet Platz für 16 Klassenräume in Clusterstruktur, in denen rund 450 Kinder unterrichtet werden können.

Das Schulgebäude und die Turnhalle sind auf dem rund 13.000 Quadratmeter großen Grundstück im rechten Winkel versetzt zueinander angeordnet. Sie fassen einen großzügigen Pausenhof mit Abenteuerspielplatz, Erlebnispfad, Parcours zum Rad- und Rollerfahren sowie Grünflächen zum Spielen und Ausruhen. Teile des Freiraums sind überdacht.

Erschließung und Nutzungskonzept

Über einen Vorplatz an der Ostseite werden die Haupteingänge der Grundschule und Sporthalle erschlossen. In dessen Mitte sind Bäume zu einem Hain vereint. Ein gemeinsames Vordach verbindet die Gebäude und schützt die Zuwege. Von Westen über die Wasserwerkstraße dient ein weiterer Zugang der Anlieferung und Müllentsorgung, mit Platz für die Feuerwehr und als Abholbereich für Eltern.

Die Schule ist als „kleine Stadt für Kinder” konzipiert: So führt der Haupteingang auf den zentralen „Marktplatz”, wo sich eine Mensa, Spielbereiche und eine Freitreppe ins Obergeschoss befinden. Der Marktplatz ist Treffpunkt und Veranstaltungsort zugleich. Ein Ringweg erschließt die Räume der Verwaltung, den Bereich für Lehrende und die Ganztagsbetreuung.

Lernhäuser im Stadtquartier

Das Obergeschoss ist in vier „Stadtteile” mit mehreren Lernhäusern aufgeteilt. Sie dienen den Kindern als persönliche Lern- und Erfahrungsräume. Jedes Lernhaus hat ein Zeltdach mit Oberlicht. Die Räume sind von Tageslicht durchflutet, wirken hell und freundlich. Die einzelnen Häuser lassen sich flexibel gestalten und durch das Entfernen von Wänden zu größeren Einheiten – sogenannten Stadtquartieren – verbinden.

Aus den Klassenräumen im Obergeschoss gelangen die Schüler*innen auf die Dachterrasse der Sporthalle, die zum Teil ins Erdreich gebettet ist. Das begehbare Sporthallendach ist für die Nutzung als Pausenhof konzipiert. Jede Klasse kümmert sich dort um einen „Schrebergarten” mit Kräutern und Gemüse. Über eine Freitreppe gelangen die Schüler*innen auf den Schulhof, zu dem sich die Sporthalle im Souterrain mit einer Glasfassade öffnet.

Fassade, Konstruktion und Innenraum

Die durchgängige Fichtenholzfassade in hellem Grün verschafft der Grundschule ein ungewöhnliches Erscheinungsbild. Die vertikale, sägeraue Holzschalung ist mit einem deckenden Anstrich in zwei verschiedenen Grüntönen behandelt. Unter- und Erdgeschoss sind in Ortbetonbauweise fugenfrei ausgeführt. Das Obergeschoss ist in Holzrahmenbauweise errichtet. Die Decken sind zur Wärmespeicherung und zur Verbesserung des Schallschutzes in Hybridbauweise ausgeführt. Der Aufzugsschacht besteht aus Beton.

Die massive Holzkonstruktion besteht aus vorgefertigten, unbehandelten und sichtbar belassenen Brettstapelelementen gleicher Breite, die ein gleichmäßiges Fugenbild erzeugen. Die Massivholzwände in Brettsperrholz sind 12 und 16 cm stark. Sie sind mit einer akustisch wirksamen Vorsatzschale aus Dreischichtplatten sichtbar belassen und unbehandelt gefertigt. Ein außenliegender, textiler Sonnen- und Blendschutz ist in den Hohlraum der Holzfassade integriert.

Naturbelassene Holzoberflächen an Wänden und Decken sowie Möbel und Einbauten aus Holz sorgen innen für eine warme Atmosphäre und ein angenehmes Raumklima. Der Boden im Erdgeschoss ist ein Gussasphaltestrich, im Obergeschoss kommt ein Linoleumbelag zum Einsatz.

Umlaufende Balkone als Fluchtweg und Sonnenschutz

Durch umlaufende Balkone mit zwei Fluchttreppen ließen sich die für den Brandschutz notwendigen Flure und Treppen auf ein Minimum reduzieren. Die Balkone sind wie die Fassade aus Fichtenholz mit einem grünen Anstrich gefertigt. Neben der Erfüllung der Brandschutzbestimmungen bildet der Fluchtbalkon auch einen feststehenden Sonnenschutz für die großzügig verglasten Räume im Erdgeschoss und dient als konstruktiver Holzschutz.

Durch den hohen Grad der Vorfertigung in Bezug auf die Holzbauweise konnte die Schule in knapp zweieinhalb Jahren Bauzeit fertiggestellt werden. Die Lüftung erfolgt über dezentrale Lüftungsgeräte zwischen den Balken der Holz-Beton-Hybriddecken. Energie liefern eine Photovoltaikanlage und das örtliche Fernwärmenetz.

Bautafel

Architektur: LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart
(Marc Oei, Katja Pütter, Klaus Hildenbrand, Heiko Müller)
Projektbeteiligte: BBS Bau- und Betriebsservice, Mannheim (Bauherrenvertretung); Grossmann Bau, Rosenheim (Holzmassivbau); Holzbau Kraushaar, Neuhofen (Holzfassade); Mayer-Vorfelder und Dinkelacker, Sindelfingen (Tragwerksplanung); Bayer Bauphysik Ingenieurgesellschaft, Fellbach (Bauphysik); TB Portillo, Edingen-Neckarhausen (Brandschutzplanung); Helmut Hornstein Freier Landschaftsarchitekt, Überlingen (Freianlagenplanung); HLS Team für Technik, Karlsruhe (Versorgungstechnik); Burnickl Ingenieur, Würzburg (Elektroplanung)
Bauherr/in: Stadt Mannheim
Fertigstellung: 2023
Standort: Wasserwerkstraße 64, 68309 Mannheim
Bildnachweis: Roland Halbe, Stuttgart

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Die Holzkonstruktion dieses Wohnhauses ist ein kombinierter Skelett- und Holztafelbau (Baugruppenprojekt 3XGrün in Berlin, 2011; Architektur: IfuH - Institut für urbanen Holzbau, Atelier PK, Roedig Schop Architekten, Rozynski Sturm Architekten).

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Tafelbau/Rahmenbau

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