Grüne Gullys in Berlin-Mitte
Grüner Straßenablauf
In Berlin-Mitte sind rund 60 Prozent der Flächen durch Gebäude oder Straßen versiegelt. Hier heizt sich der Stadtraum stärker auf und Regenwasser kann nicht versickern – ein Problem, das in Zeiten der Klimakrise Überhitzung und Wasserknappheit verschärft. Eine Lösung bietet die Entsiegelung, die den natürlichen Wasserkreislauf wiederherstellt. Der Berliner Bezirk Mitte testete in der Singerstraße in einem Pilotprojekt: die Grünen Gullys. Um fünf Straßenabläufe wurden jeweils 25 Quadratmeter Asphalt und Beton entfernt und bepflanzt.
Die Methode ist besonders effizient, da aufgrund des vorhandenen Gefälles keine Höhenanpassung notwendig ist. Das Regenwasser fließt bereits in Richtung Gully. Doch statt direkt in die Kanalisation zu gelangen, sickert es in die tiefer gelegene bepflanzte Fläche rund um den Ablauf. Nur bei Starkregen, wenn die Grünfläche kein Niederschlagwasser mehr aufnehmen kann, fließt es über die Gullys in die Kanalisation ab. Dieser kleine Eingriff erzielt eine große Wirkung: Er fördert die Grundwasserbildung, kühlt die Umgebung, entlastet die Kanalisation und schafft Lebensraum für Insekten.
Das Erdreich der entsiegelten Flächen wurde bis zu 60 Zentimeter tief ausgehoben. Eine 45 Zentimeter dicke Substratschicht und darüber zehn Zentimeter Pflanzschicht ersetzen den Asphalt. Gepflanzt wurden trockenresistente Arten wie rötliches Federgras und gelb blühender Fünffingerstrauch.
Simulationen, die der Bezirk gemeinsam mit der Berliner Regenwasseragentur durchführte, zeigten: Bereits fünf Prozent entsiegelte Straßenfläche reichen aus, um 80 Prozent des Regenwassers versickern zu lassen. Für eine vollständige Versickerung wären 20 bis 30 Prozent nötig – in Innenstädten schwer umsetzbar, da dies Nutzungskonflikte verschärfen würde. Pro begrüntem Gully entfallen jedoch nur zwei Parkplätze. Dies ist vor allem angesichts der Tatsache, dass in Berlin-Mitte auf 100 Einwohner*innen nur 21 Autos entfallen, leicht vermittelbar.
Noch in diesem Jahr will der Bezirk weitere Grüne Gullys anlegen, vor allem in Nebenstraßen, die mehr als die Hälfte der Straßenflächen in Mitte ausmachen. Hauptverkehrsstraßen scheiden aus, da das Wasser dort zu stark verschmutzt wäre. Die begrünten Abläufe gelten nicht als Versickerungsanlagen im Sinne des Abwasserrechts und sind daher genehmigungsfrei. Um sicherzustellen, dass das Wasser schadstofffrei versickert, prüfte das Straßen- und Grünflächenamt den Boden.
In der Singerstraße ging die Integration der Grünen Gullys mit der Einrichtung einer Schulzone einher, um Schüler*innen der GutsMuth Grundschule einen sicheren Schulweg zu ermöglichen. Die Straße ist für Autoverkehr gesperrt, stattdessen finden sich hier neben den neuen Gullys, Pflanzentröge und viel Platz zum Spielen – in angenehmem Stadtklima. -hs
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