Grid House in Meise

13 Kuben aus Ziegelmauerwerk

13 Räume für eine vierköpfige Familie? Klingt nach dekadenter Villa mit viel Beton und großem Pool. Ist in diesem Fall jedoch absolut unzutreffend. Das eingeschossige Haus in Ziegelbauweise im belgischen Meise hat zwar eine üppige Grundfläche von 220 Quadratmetern, macht jedoch weniger aufgrund repräsentativer Details oder spektakulär inszenierter Ausblicke auf sich aufmerksam. Vielmehr ist das Besondere die auf den ersten Blick einfach und kleinmaßstäblich wirkende und dafür umso raffiniertere Architektur vom Büro Object Architecten – die sich allerdings erst beim Gang durch das Haus erschließt.

Das Einfamilienhaus setzt sich aus 13 gleich großen, quadratischen Räumen zusammen.
Jedem Raum ist eine andere Aufgabe oder Funktion zugeordnet, reine Erschließungswege gibt es nicht.
Das Holztragwerk des Betondaches wurde sichtbar belassen und schwarz lackiert.

Einfache Form, einzigartiges Raumgefüge

Das Grid House setzt sich aus 13 gleich großen, quadratischen Räumen zusammen, die im Grundriss ein regelmäßiges, geometrisches Muster ergeben: Entlang der Diagonalen reihen sich jeweils fünf Räume, die Reihen daneben umfassen je drei Räume, an den Ecken liegt nur noch jeweils ein Kubus. 

Jedem Raum ist eine andere Aufgabe oder Funktion zugeordnet, reine Erschließungswege gibt es nicht. Im Zentrum befindet sich das Bad. Die Schlafzimmer liegen in den äußeren Kuben, sodass sie direkt über Fenster belichtet und belüftet werden. Um auch in die Tiefe des Hauses Tageslicht zu bringen, gibt es einen kleinen, verglasten Patio an der Schnittstelle von vier Räumen, der zudem einen Blick quer durchs Haus ermöglicht.

Kompromisse und Kunst

Trotz des ausgeklügelten Grundrisses bleiben zwei fensterlose Räume. Das muss man wollen. Ebenso wie die teils umständlichen Laufwege, die der Verzicht auf Flure mit sich bringt. So müssen etwa auf dem Weg vom Schlafzimmer zur Küche fünf andere Räume passiert werden. Da das Bauherrenpaar jedoch leidenschaftlich gern Kunst sammelt und die Exponate überall im Haus zu finden sind, ist ein solcher Weg möglicherweise mehr Pläsier als Übel. 

Die Architekt*innen bezeichnen ihren Entwurf denn auch als ein Haus, das in „Raumwirkung und Erlebnis überrascht“. Tatsächlich ergeben sich trotz der einfachen Grundform labyrinthische Raumgefüge, bei denen sich hinter jeder Ecke etwas Spannendes zu verbergen scheint.

Sichtmauerwerk aus Hochlochziegeln

Sämtliche Wände sind aus Hochlochziegeln im Läuferverband gemauert, wobei die Außenwände für eine bessere Wärmedämmung zweischalig ausgeführt sind. Die Fassaden wurden hellgrau verputzt und passen damit farblich zu dem wuchtigen, weit auskragenden Betondach. Dessen hölzerne Tragstruktur wurde im Inneren offen belassen und lediglich schwarz lackiert, was den Räumen deutlich an Höhe schenkt. Auch die Ziegelwände sind im Inneren sichtbar belassen, das intensive Rot wurde jedoch mit einer Schicht Kalkfarbe versehen. Damit bieten sie den idealen Hintergrund, um die Kunstgegenstände in Szene zu setzen.

Das Grid House ist sicher kein Haus für jedermann, zeigt aber eindrucksvoll, wie aus einfachen Materialien und Formen durch unkonventionelle Grundrisslösungen, ein einzigartiges Raumerlebnis entstehen kann. -sas

Bautafel

Architektur: Object Architecten, Aalst
Projektbeteiligte: Legrand, Limoges und Bticino, Varese (Ausstattung/Elektrosysteme); Sapa, Vetlanda (Fenster- und Fassadensysteme)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2024
Standort: Meise; Belgien
Bildnachweis: Ypsilon Business Photography (Fotos); Object Architecten, Aalst (Pläne)

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