Granular Configurations
Sand, Materiality, and Planetary Urbanism
K. Verlag, Berlin 2025
304 Seiten
Format 17,0 x 22,5 cm, Softcover und E-Book (Open-Access)
Sprache: Englisch
Preis: 29 EUR (Print); 0 EUR (E-Book)
ISBN 978-3-947858-82-8 (Print); 978-3-947858-86-6 (E-Book)
Sand steckt in Böden und Baustoffen gleichermaßen – und ist damit schlicht einer der Grundstoffe unserer Welt. Michaela Büsse und ihre Co-Autor*innen verfolgten seine Spuren durch verschiedene Regionen und Zeiten. In ihrem 2025 erschienenen Buch Granular Configurations dokumentieren sie landschaftliche Eingriffe, die mit der Betonherstellung, kapitalistischen Wirtschaftsweisen und der Expansion von Städten einhergehen. Dabei geht es auch um die Sprachbilder und Denkmuster, mit denen wir die kleinen Steinchen und die Umgestaltung von Räumen beschreiben.
Sand ist für Michaela Büsse kein Neuland: Die interdisziplinäre Forscherin hat nicht nur bereits mehrfach über die politisch-wirtschaftlichen Dimensionen des Rohstoffs geschrieben, sondern mit Overcast und White Elephant auch zwei Filme produziert, in denen sie Landgewinnung und Urbanisierung in Malaysia beleuchtet. Einige Filmstills sind sogar im Buch enthalten.
Auch sonst steht Südostasien stark im Fokus der 16 Essays und Interviews, zum Beispiel bei William Jamieson. Der Schriftsteller und Geograph schreibt über die Verknüpfung von Landgewinnung und staatlichen Wohnungsbauprogrammen in Singapur. Angesichts des Klimawandels verschärfen sich dort weitere Konflikte: Die Zerstörung von Habitaten schreitet voran, während die Küsten gegen den steigenden Meeresspiegel befestigt werden. Katastrophen begleiten auch den Sandabbau für die Betonindustrie im Mekongdelta und die Extraktion von Erdöl aus den Sandschichten Westkanadas. Hingegen wird im nördlichen China gegen die Ausbreitung von Wüsten gekämpft. Eindrucksvolle Fotos illustrieren die düsteren Geschichten.
Im Gespräch mit der Künstlerin Lara Almarcegui und dem Geologen Michael van der Meulen erfahren die Lesenden, warum und wie in den Niederlanden Sandmengen und -arten erfasst werden. Welche ökonomische Relevanz haben die Erkenntnisse? Eine kontroverse Frage für den Geologen, der die Sandextraktion eigentlich kritisch sieht. Vielleicht liegt die Zukunft dieser Wissenschaft auch über der Erde, wo viele mineralische Rohstoffe in Bauwerken gebunden sind, spekuliert Michaela Büsse.
Was genau ist eigentlich Sand? Und was ist kein Sand? Vermeintlich objektive Klassifizierungen und sprachliche Leitbilder nehmen einen zentralen Platz ein im Buch. Die Lesenden können nachverfolgen, wie Vorstellungen von Sand durch seine Verwertbarkeit in der Rohstoffindustrie geprägt sind. Dem setzt Katherine Dawson eine „Geopoesie“ entgegen, die die Steinchen sichtbar macht inmitten von Baupolitik, Immobilienwirtschaft und der Nutzbarmachung heutiger Stadtlandschaften. Die zahlreichen Verflechtungen verständlich zu machen, so zeigt sich beim Lesen der Essays, ist ein sprachliches Kunststück, das nicht immer gelingt.
Am Ende bleibt vor allem eines in Erinnerung: Der Sandabbau ist nicht nur schädlich, sondern untrennbar mit vielen scheinbar unkontrollierbaren, global stattfindenden Prozessen verbunden. Das stimmt wenig hoffnungsvoll. Die einschneidenden Bilder und Geschichten können jedoch auch dazu anstiften, sich vom Rohstoffabbau zu verabschieden.
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