Götterbaum

Vom Zierbaum zum invasiven Neophyten

Der Götterbaum, botanisch Ailanthus altissima, auch Drüsischer Götterbaum, Chinesischer Götterbaum, Trümmerbaum und umgangssprachlich abwertend Ghettopalme genannt, gehört zur Familie der Bittereschengewächse (Simaroubaceae) und stammt aus China. In China wurden seine Blätter als Futter für Seidenraupen, die Blüten für die Herstellung von Honig sowie Rinde und Wurzeln für die traditionelle chinesische Medizin kultiviert.  

Der französische Jesuit und Botaniker Pierre Nicolas Le Chéron d'Incarville (1706 – 1757), der in Peking am Hofe des chinesischen Kaisers Quianlong in der Quing-Dynastie predigte, forschte, als Übersetzer und Diplomat arbeitete, schickte 1740 Samen nach Paris.
Der Baum wurde rasch als Chinoiserie geschätzt und daher an andere botanische Gärten weitergegeben.
In Europa war der Baum lange als exotische Zierpflanze beliebt, zumal seine bis zu 90 cm langen gefiederten Blätter dekorativ sind und bis in den Herbst lange grün bleiben.

Dekorative Zierpflanze  

In Europa war der Baum lange als exotische Zierpflanze beliebt, zumal seine bis zu 90 cm langen gefiederten Blätter dekorativ sind und bis in den Herbst lange grün bleiben. Die einzelnen Blätter haben etwa 8 cm längliche, lanzettförmige Umrisse, die in eine Spitze auslaufen. Auf ihrer Unterseite befinden sich mehrere Drüsen, die ein süßliches Sekret absondern, das Ameisen anlockt.  

Ausbreitung als Neophyt  

Der Baum, der sich rasant in Europa ausbreitet, ist als Neophyt klassifiziert, d.h. eine ursprünglich nicht in Europa heimische Pflanze. Der französische Jesuit und Botaniker Pierre Nicolas Le Chéron d'Incarville (1706 – 1757), der in Peking am Hofe des chinesischen Kaisers Quianlong in der Quing-Dynastie predigte, forschte, als Übersetzer und Diplomat arbeitete, schickte 1740 Samen nach Paris. Der Baum wurde rasch als Chinoiserie geschätzt und daher an andere botanische Gärten weitergegeben. Im Chelsea Physic Garden/London wird er 1751 und in Berlin erstmalig 1780 aufgelistet. Der preußische Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné (1789 – 1866) soll ihn als palmenartige Zierde in mehreren Parks gepflanzt haben.  

Der Götterbaum heißt im englischsprachigen Raum Tree of Heaven, weil er extrem schnell Höhen von bis zu 27 Metern erreicht – also in Richtung Himmel, dem Sitz der Götter. Der chinesische Name lautet chou chun, übersetzbar etwa mit Stinkebaum, als ein Verweis auf das Drüsensekret.

Invasive Aggression  

Götterbäume sind jedoch nicht nur schnellwüchsig, sondern auch widerstandsfähig gegen Hitze, Trockenheit, Luftverschmutzung und sogar Herbizide. Sie wachsen in Ritzen, Fugen und Spalten, an Straßenrändern, auf Bahndämmen und sonstigen Brachen. Götterbäume gehörten als Ruderalvegetation zu den ersten Pflanzen in den städtischen Trümmerfeldern des 2. Weltkriegs, daher der Name Trümmerbaum.  

Der Name Ghettopalme verweist einerseits auf die Fiederblätter, die an Palmwedel erinnern, und andererseits auf seine Fähigkeit, selbst an Orten zu gedeihen, die für den Aufenthalt von Menschen und anderen Pflanzen unattraktiv sind, wie ungepflegte Parkplätze, Müllhalden und Autobahnunterführungen. Über einen sogenannten Mutterbaum breiten sich Wurzeltriebe aus, die wiederum sehr schnell zu Bäumen werden, sich ebenfalls weitervermehren und angestammte Pflanzen durch die schiere Masse verdrängen.

EU-Verbot  

Aufgrund dieser als aggressiv beurteilten Ausbreitung, die gewachsene Ökosysteme und Biodiversität schädigt, sind Handel, Zucht und Pflanzung des Götterbaums seit 2019 in der EU als invasive Art verboten. Das Bundesamt für Naturschutz erläutert in den BfN-Schriften 654 - Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 - Dritte Fortschreibung 2022: „Mit der fortschreitenden Globalisierung der Märkte und der Zunahme des weltweiten Handels sowie des Fernreiseverkehrs treten Arten zunehmend auch außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes auf. Ein kleiner Teil dieser gebietsfremden Arten erfordert im Naturschutz unsere besondere Aufmerksamkeit, da sie heimische Arten in ihrem Bestand gefährden können.“

Bezüglich des Götterbaums wird als Gefahr definiert: „Bildet Dominanzbestände mit Veränderung von Vegetationsstrukturen, konkurriert mit gefährdeten Arten auf Magerrasen. Rinde und Blätter können starke allergische Hautreizungen auslösen.“ Als Beseitigungs- und Kontrollmaßnahmen wird empfohlen: „Ausgraben, Ausreißen, Fällung mit Beweidung, Mahd, Ringelung.“ -sj

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