Gleispool in Basel-Münchenstein
Schwimmen wo einst Züge rollten
Wo früher Güterzüge rollten, sollen ab Sommer 2027 Menschen schwimmend ihre Bahnen ziehen: Der sogenannte Gleispool auf dem Dreispitz-Areal in Basel wird das längste Naturschwimmbad der Schweiz. Für die Pläne zeichnet das Basler Architekturbüro Malheur & Fortuna verantwortlich, das Freiraumkonzept geht auf S2L Landschaftsarchitektur zurück. Bauherrin ist die gemeinnützige Christoph Merian Stiftung, in deren Besitz sich das Areal befindet.
Das rund 50 Hektar große Dreispitz-Areal südlich von Basel, zwischen der Stadt und der Gemeinde Münchenstein gelegen, befindet sich in steter Transformation. Einst landwirtschaftlich genutzt, wurde es zum Materiallagerplatz, der wiederum einem Waren- und Zollfreilager sowie Gewerbe- und Industriegebäuden mit eigenem Bahnanschluss wich. Eigentümer des Areals war im 19. Jahrhundert Christoph Merian, späterer Gründer der gleichnamigen gemeinnützigen Stiftung, die das Areal bis heute besitzt. 2002 präsentierten Herzog & de Meuron eine erste Studie zur Entwicklungsplanung, um das industriell geprägte Gebiet zu einem gemischten Stadtquartier zu transformieren. Seither haben sich auf dem südlichen Teil bereits das Schaulager, die Hochschule für Gestaltung und Kunst sowie das Haus der Elektronischen Künste Basel niedergelassen. Im Norden sind Wohnungs- und Bürogebäude geplant. Mittendrin: ein stillgelegtes Gleisbett, das nun zum öffentlichen Begegnungsort umgebaut wird.
Cooler Pool: Begegnungsort mit Kühlungseffekten
Das 2025 vorgestellte Freiraumkonzept von S2L Landschaftsarchitektur sieht eine lernende Planung vor, die sich flexibel gegenüber zukünftigen Transformationsprozessen zeigen soll. Ziele sind unter anderem die Förderung von Begegnung, die Schaffung ökologisch wertvoller Lebensräume, ein gutes Stadtklima und die Umsetzung des Schwammstadtprinzips. Ein zentraler Bestandteil ist der Gleisharfenpark, der zur Kühlung des bislang stark versiegelten Geländes beitragen soll. Im Herzen der neu geplanten öffentlichen Parkanlage entsteht der neue Gleispool: ein 170 Meter langes und 5,2 Meter breites Naturschwimmbad.
Schwimmbecken in der Bahnrampe
Das Schwimmbecken wird in die stillgelegte Eisenbahnrampe eingesetzt. Die geschwungene Form, der Querschnitt und die Proportionen des Schwimmbeckens sind dementsprechend durch den Bestand vorgegeben. Malheur & Fortuna planen rund 100 Meter für ein Sportbecken mit zwei Schwimmbahnen und ein 70 Meter langes Freizeitbecken einschließlich Planschbereich. Die Wassertiefe soll von flachen Planschzonen bis zu 4,5 Metern im Schwimmbereich variieren. Bis zu 50.000 Wasserfreund*innen können hier pro Saison in den Genuss des kühlenden Wassers kommen. Neben dem Becken entsteht eine lange Holzliegefläche auf den ehemaligen Gleisen.
Natürliche Wasserreinigung
Das Wasser des Naturbads soll dank eines mehrstufigen biologischen Reinigungsverfahrens ohne chemische Zusätze auskommen. Ein Sedimentfilter am Boden der ehemaligen Rampe entfernt Feststoffe, bevor das Wasser zu einer Filteranlage gepumpt wird. Dort wird es über Steine geleitet und über eine intensive Begrünung versprüht. Diese soll das Wasser von letzten Verunreinigungen lösen, bevor es zurück ins Becken fließt. Auch die Umgebung wird mit verschiedenen Bodenaufbauten, Materialien und Bepflanzungen wassersensibel gestaltet, um Wasser zu speichern, verdunsten zu lassen und lokal zu versickern.
Am südlichen Ende des Schwimmbeckens entsteht ein kompaktes Empfangsgebäude mit Räumen für Gastronomie, Toiletten und Lagerräumen. Photovoltaikmodule auf dem Dach und ein Batteriespeicher sollen laut dem Energiekonzept von Transsolar Strom generieren, um den Energiebedarf für Pumpen, Gastronomiebetrieb, Beleuchtung und Warmwasser zu decken. Die Eröffnung ist für Sommer 2027 geplant – Schwimmfreund*innen können gespannt sein! -hs
Bautafel
Architektur: Malheur&Fortuna, Basel
Projektbeteiligte: S2L (Landschaftsarchitektur); Wasserwerkstatt (Naturpoolplanung); Rapp (Tragwerksplanung); Transsolar KlimaEngineering, Stuttgart (Klima- und Energiekonzept)
Bauherrschaft: Christoph Merian Stiftung, Basel
Fertigstellung: voraussichtlich 2027
Standort: Dreispitz, Basel-Münchenstein
Bildrechte: Malheur&Fortuna, Basel
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