Ginkgo

Lebendes Fossil mit hoher Widerstandsfähigkeit

Ginkgos werden in europäischen Metropolen zunehmend als klimawirksame, schattenspendende und robuste Straßenbäume gepflanzt.

Im Buddhismus, Shintoismus und Konfuzianismus werden Ginkgos als heilige Bäume verehrt.
In europäischen Metropolen werden Ginkgos zunehmend als klimafreundliche, schattenspendende und robuste Straßenbäume gepflanzt.
Der Name Ginkgo stammt aus dem Chinesischen und heißt übersetzt Silberaprikose.

Botanik, Herkunft und Bedeutung

Der Ginkgo-Baum, botanisch „Ginkgo biloba“ aus der Familie der Ginkgoceae, stammt aus China und Ostasien. Er ist der letzte Vertreter seiner Art, die vor etwa 250 Millionen Jahren in der Perm- und Jura-Zeit entstand. Damit ist er vermutlich sogar älter als die Dinosaurier, wie paläontologische Forschungen an Fossilien mit Abdrücken versteinerter Blätter zeigen. Ein derartiges Fossil befindet sich in der Bayerischen Staatssammlung für Paläontogie und Geologie (SNSB). Der britische Naturforscher Charles Darwin (1809 – 1882) bezeichnete den Ginkgo bereits im späten 19. Jahrhundert als „lebendes Fossil“. Ein weiteres Beispiel für solche urzeitlichen Gewächse ist der Mammutbaum.

Im Buddhismus, Shintoismus und Konfuzianismus werden Ginkgos als heilige Bäume verehrt und deshalb oft in Tempelgärten, Klosteranlagen und an Gräbern gepflanzt. In Kunst und Literatur symbolisieren sie Langlebigkeit, Stärke, Liebe und Freundschaft. Die traditionelle chinesische Medizin nutzt Ginkgo-Blätter gegen Kreislauferkrankungen, Demenz oder Stress.

Als erster Ginkgo in Europa gilt ein 1727 aus Japan mitgebrachtes Exemplar, das als exotische Zierpflanze im Botanischen Garten der Universität Utrecht in den Niederlanden gepflanzt wurde. Heute finden sich sehr alte Ginkgo-Bäume in den Kew Gardens und dem Chelsea Physic Garden in London, im Schlosspark Harbke und im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel.

Weibliche und männliche Bäume

Während der Ginkgo früher als eine Art Übergang oder Mischung von Laub- und Nadelbaum betrachtet wurde, ist er heute als eigenständige Gattung der Nacktsamer klassifiziert. Ginkgo sind entweder weiblich oder männlich und unterscheiden sich damit von beidgeschlechtlichen Bäumen wie Eiche, Buche oder Walnuss.

Der Name „Ginkgo“ leitet sich von den chinesischen Silben gin und kyol ab, übersetzt Silberaprikose. Andere Bezeichnungen wie Fächerbaum, Entenfußbaum oder Elefantenohrbaum resultieren aus der Form der Blätter oder der Früchte.

Früchte

An den weiblichen Bäumen reifen kugelförmige Früchte, die als Nuss bezeichnet werden. Sie haben eine weiche Hülle, in der sich eine Gelee-Masse und ein Kern befinden, der in Japan geerntet, geröstet und gewürzt gegessen wird. Nach dem Herabfallen bilden die Früchte eine glitschige Masse und beginnen nach kürzester Zeit zu gären. Dabei verströmen sie einen üblen Geruch nach Buttersäure, der nach Erbrochenem oder ranzigem Schweiß stinkt. Als Straßenbäume werden deshalb bevorzugt männliche Exemplare gepflanzt, um Gestank und Rutschgefahr zu vermeiden.

Robust und widerstandsfähig

Ginkgos trotzen Frost, Streusalz, Autoabgasen, Luftschadstoffen und Smog. Eine säurehaltige Substanz in den Blättern schützt sie zudem vor Bakterien und Viren. Diese Eigenschaften und ihre Anspruchslosigkeit machen sie zu idealen Straßenbäumen in Metropolen. Allein in Berlin wachsen knapp 1.200 Ginkgos an öffentlichen Straßen (Quelle: Geoportal Berlin, Stand Februar 2025), Parks und private Gärten nicht mitgezählt.

Überlebensbaum

Am 6. August 1945 zerstörte die Atombombe auf Hiroshima nahezu alles um das Epizentrum. Doch ein Ginkgo im Shukkei-en-Garten, nur knapp 1.300 Meter entfernt, überlebte die extreme Radioaktivität und Temperaturen von 4.000 Grad Celsius. Der auf ein Alter von 200 Jahren geschätzte Baum mit einem Stammumfang von rund vier Metern und einer Höhe von 17 Metern trieb im folgenden Frühjahr wieder aus. Solche Hibaku jumoku – Überlebensbäume – gelten in Japan als Hoffnungsträger und lebende Mahnmale. Seit 1989 ziert ein stilisiertes grünes Ginkgo-Blatt das offizielle Logo Tokyos.

Autorin: Prof. Dr.-Ing. Susanne Junker, Berlin

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