Gelber Pavillon in Moskau

Vom Gartenhaus zur bewohnten Raum-Installation

Wer den Gelben Pavillon betritt, soll ein sonniges, motiviertes Gemüt bekommen – so die Idee von Maxim Kashin Architects. Das Team entwarf das Gebäude als kontemplatives Garten- oder Gästehaus auf einer Grundstücksecke in Moskau. Inspiration für Raumkonzept und Farbgestaltung war der Blick in den blauen Himmel. 

Sie entwickelten eine Abfolge kreisförmiger Räume in einem rechtwinkligen Gebäude.
Zwei zylinderförmige Räume mit jeweils einem Oberlicht bilden das Zentrum des Hauses, wie hier im Schlafraum. Der Blick zum Himmel war die Leitidee der Gestaltung.
Wände, Decken, Fußböden und Metallmöbel sind einheitlich in demselben Gelbton lackiert. Der ohnehin weich gekurvte Raum verliert dadurch seine klare Kontur.

Kreisförmige Räume in rechtwinkligem Gebäude 

Schon von außen wird deutlich, dass der Pavillon eine ungewöhnliche Raumstruktur besitzt: Zwei runde Türme schmiegen sich aneinander und ragen aus einem rechtwinkligen Sockel empor. Im Inneren ziehen sich die Wände kreisförmig um zwei runde Dachfenster, die das Gebäude mit Tageslicht durchfluten. Unter dem einen befindet sich eine Sitzecke, unter dem anderen ein Bett. Um diese Räume folgen kreisförmig weitere Räume, die in dem außen gradlinig begrenzten Gebäude wie in einer Box stehen. So ergeben sich vor allem entlang der Fassaden interessante Raumperspektiven und versteckte Flächen für die Haustechnik und ein Bad. Die Belichtung erfolgt über die zwei Oberlichter und über eine Glasfassade, die hinter einem Lamellenvorhang verschwindet. 

Im Gelb baden 

Wer ins Gebäude tritt, badet im Gelb: Wände, Decken, Fußböden, Türen und Fensterrahmen, sogar die Metallmöbel sind durchgängig in demselben RAL-Ton lackiert. Struktur erhält der Raum durch das Tageslicht, das mal weich auf den runden Wänden reflektiert, mal mit den Schatten der Lamellen ein hartes Streifenmuster erzeugt. Ein besonderer Effekt entsteht, wo sich der wolkenlose Himmel in den beiden Oberlichtern abzeichnet, zwei himmelblaue Kreise im Sonnengelb. 

Krakelige Lichtlinie 

Ein flexibles Lichtband weist den Weg durch die Raumabfolge und beleuchtet sie: Er beginnt am äußeren der beiden Oberlichter im Schlafzimmer, führt am Eingang vorbei zum zweiten Oberlicht im anschließenden Wohnraum und verläuft weiter durch den Flur. Dort zeichnet er den äußeren Bogen der Turmwand nach und mündet im letzten Kreis, dem Wäscheraum. Mit der krakeligen Lichtlinie in dieser monolithischen Farbwelt erhält das Gartenhaus in seinem Innern die Anmutung einer Kunstinstallation. 

Bautafel

Architektur: Maxim Kashin Architects
Projektbeteiligte: AIRLIGHT (Leuchtschlauch), Tikkurila, Vantaa (Farbe), Asko, Lidköping (bedruckte Waschmaschine), Züco, St. Gallen (Stuhl)
Fertigstellung: 2024
Standort: Moskau
Bildnachweis: Dmitri Tschebanenko 

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