Gebrauchstauglichkeit linienförmig gelagerter Gläser (021/2017)

Merkblatt des Bundesverbandes Flachglas

Für die Glasbemessung ist neben der Tragfähigkeit auch die Gebrauchstauglichkeit nachzuweisen. Ebene ausfachende Verglasungen, die an mindestens zwei gegenüberliegenden Seiten mit mechanischen Verbindungsmitteln linienförmig gelagert sind, regelt die DIN 18008-2 (Glas im Bauwesen – Bemessungs- und Konstruktionsregeln, Teil 2: Linienförmig gelagerte Verglasungen). Sie schreibt vor, dass die Durchbiegung dieser Verglasungen auf L/100 der Stützweite zu begrenzen ist. Sofern nachgewiesen wird, dass infolge Sehnenverkürzung eine Mindestauflagerbreite von 5 mm auch dann nicht unterschritten wird, wenn die gesamte Sehnenverkürzung auf nur ein Auflager angesetzt wird, darf das Gebrauchstauglichkeitskriterium auch unterschritten werden. In diesem Fall sind die Durchbiegungsbegrenzungen mit dem Isolierglashersteller abzustimmen, um eine eingeschränkte Dauerhaftigkeit zu vermeiden. Da der Normtext jedoch nicht weiter auf glasspezifische Anforderungen verweist, hat der Bundesverband Flachglas ein Merkblatt veröffentlicht, in dem die Gebrauchstauglichkeit linienförmig gelagerter Gläser behandelt wird.

Im BF-Merkblatt 021/2017 werden neben den allgemein gültigen Verformungskriterien nach DIN EN 1990 (Eurocode: Grundlagen der Tragwerksplanung) nachvollziehbar die Besonderheiten in der Anwendung des Werkstoffs Glas hinsichtlich seiner Gebrauchstauglichkeit erläutert, die maßgeblich aus der Dauerhaftigkeit des Isolierglasrandverbunds, der Stabilität des Gesamtsystems und des Kontakts der unterschiedlichen Scheibenebenen einer Isolierverglasung resultieren. Im Weiteren werden die Durchbiegung von Glas und Haltekonstruktionen bei linienförmiger Lagerung beschrieben und hierbei auch die Unterschiede zwischen geometrisch linearer und nicht-linearer Berechnung schematisch aufgezeigt.

Da sich in DIN 18008-2 das Gebrauchstauglichkeitskriterium auf die Bezugslänge L bezieht, werden für rechteckige Standardanwendungen im Glasbau (vier-, drei- und zweiseitige linienförmige Lagerung) Beispiele zur Ermittlung dieser Bemessungsgröße genannt. Im Weiteren enthält die Publikation analytische Ansätze zur Berechnung der Sehnenverkürzung und der Verschiebungen im Randverbund bei durchgebogener Isolierglaskante sowie die Durchbiegungsgrenzwerte nach DIN 18008. Abschließend wird der Nachweis der Gebrauchstauglichkeit schrittweise zusammengefasst (Ermittlung der Bezugslänge, Ermittlung der vorhandenen maximalen Glasdurchbiegung, Festlegung der Durchbiegungsbegrenzung, Nachweis der Gebrauchstauglichkeit durch wmax ≤ wzul und Einhaltung der Sehnenverkürzung).

Das achtseitige Merkblatt ist eine sinnvolle Ergänzung bzw. Erläuterung zur DIN 18008. Es richtet sich an alle, die linienförmig gelagerte Mehrscheiben-Isolierverglasungen oder monolithische Glasscheiben planen, dimensionieren oder nachweisen und ist insbesondere unerfahrenen Planern sehr zu empfehlen. Erhältlich ist es beim Bundesverband Flachglas zum Preis von 9,50 EUR (siehe Surftipps).

Fachwissen zum Thema

Horizontalverglasungen nach DIN 18008-2 Linienförmig gelagerte Verglasungen, die keine besonderen absturzsichernden beziehungsweise durchsturzsichernden Funktionen übernehmen, sind für die planmäßigen Bemessungslasten wie Wind und Schnee, klimatische Einwirkungen bei Isolierverglasungen sowie Eigengewicht zu bemessen

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Bemessung

Bemessung von Horizontalverglasungen

Sicherheit/​Tragfähigkeit

Durchbiegungsbegrenzung

Glashalterungen

Linienlagerung

Punktgelagerte Fassade des Centre Pompidou Malaga (Architekten: L35, Barcelona)

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Nachweise und Normen

Normen: DIN 18008 Glas im Bauwesen

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