Gansevoort Peninsula Park in New York City
Salzwiese, Strand und Gezeitenbecken
Auf einer aufgeschütteten Halbinsel im Hudson River liegt heute Manhattans erster öffentlicher Strand. Vor über hundert Jahren prägten rund 250 Schlacht- und Fleischverpackungsbetriebe die Nachbarschaft und verhalfen dem sogenannten Meatpacking District zu seinem Namen. 1884 wurde hier der Gansevoort Markt eröffnet, der zunächst mit Obst und Gemüse handelte und mit der aufkommenden Kühltechnik einer der zentralen Fleischmärkte der Stadt wurde. Als Teil dieser Entwicklung entstand die Halbinsel, die nach dem Abriss der Bauten in den 1950er-Jahren von der Stadt unter anderem als Müllverbrennungsanlage genutzt wurde. Heute zählt die Gegend zu einem der teuersten Viertel New Yorks. Entlang des Ufers erstreckt sich der rund 6,3 Kilometer lange Hudson River Park. Das New Yorker Landschaftsarchitekturbüro Field Operations schuf mit dem Gansevoort Peninsula Park nun einen weiteren Teil der öffentlichen Stadtlandschaft.
Anders als die aufwendig aufgeständerte Betonkonstruktion des benachbarten Parkgeländes Little Island, das Heatherwick Studio gestaltete (siehe Surftipps), ruht der Gansevoort Park auf festem Grund; die Halbinsel ist weder auf Pfählen gegründet noch von einer historischen Uferwand gefasst. Der so entstehende unmittelbare Kontakt zum Wasser wurde von Field Operations bewusst gestaltet und besondere Übergangsmomente zwischen Land und Wasser geschaffen.
Salzwiese und Unterwasserlandschaft
Am nördlichen Ufer entstand Manhattans erste Salzwiese an der westlichen Flussseite des Hudson. Unter Wasser liegende Reef Balls und mit 20 Millionen Austern besetzte Gabionen bilden ein künstliches Riff, das die Artenvielfalt fördert, das Wasser filtert und die Wellen bricht. Die Austern tragen zur Sedimentation bei und beugen so einem Unterspülen der Halbinsel vor. Eine vorgelagerte Steinschüttung setzt dies über Wasser fort und begrenzt die neu angelegten Salzwiesen, die Pflanzen und Tieren vorbehalten sind. Als neuer Lebensraum des rund 160 Hektar großen Hudson River Estuarine Sanctuary ist die Salzwiese zu einem besonderen Ort geworden. Vogelbeobachter*innen können hier unter anderem Silberreiher und Sumpfzaunkönige sichten.
Zur Beobachtung laden Bänke und Sitzstufen entlang der Promenade ein. An anderen Stellen führen Balkone und stufenartige Wasserzugänge näher an das Wasser. Im Zentrum des Parks liegt ein großes multifunktionales Sportfeld, das nach Osten in Richtung Stadt von einem Pavillon gefasst wird (siehe Surftipps). Der Infrastrukturbau des New Yorker Büros nARCHITECTS verteilt sich auf die über ein gemeinsames Dach verbundenen Baukörper und nimmt unter anderem Toiletten und einen Imbiss auf. Längsseitig schließt an das Spielfeld eine Picknickwiese mit einem kleinen Pinienhain an.
Stadtstrand mit Wasserzugang und Gezeitenbecken
Am südlichen Ende der Halbinsel befindet sich der neu geschaffene Strand. Rund 1.200 Tonnen Sand wurden herbeigeschafft und sorgen mit knallblauen Liegestühlen für Urlaubsstimmung inmitten des Großstadttrubels. Gerahmt wird der Strand von der Stahlskultupr Day’s End des Künstlers David Hammons, welche direkt gegenüber vom Whitney Art Museum an die industrielle Vergangenheit des Ortes erinnert. Das Baden im Hudson River ist allerdings verboten. Zugang zum Fluss bietet Wasserenthusiast*innen dahingegen eine Betonrampe für Kajaks; motorisierte Freizeitboote sind hier nicht erlaubt. Stattdessen plante Field Operations an dieser Uferzone eine weitere Wasserlandschaft für Tiere. Mit verschiedenartigen Steinen, Steinschüttungen und Betonelementen wurden Gezeitenbecken angelegt, die sich bei Flut mit Wasser füllen und ein besonderes Biotop für Fische und Krabben schaffen.
Mit dem Gansevoort Peninsula Park entstand also nicht nur eine vielfältig erlebbar Erholungslandschaft für die New Yorker*innen, sondern auch eine Wasserlandschaft und resistente Uferzone, von der Tiere und Pflanzen gleichermaßen profitieren. -hs
Bautafel
Landschaftsarchitektur: Field Operations, New York
Projektbeteiligte: nARCHITECTS (Architektur Pavillon); Philip Habib & Associates (Tiefbau und Verkehrstechnik); Langan (Meeres- und Geotechnik, topografische Vermessung); Altieri Sebor Wieber (Gebäudetechnik und Elektrotechnik Gelände); PlusGroup (Gebäudetechnik und Elektrotechnik Gebäude); Silman (Tragwerksplanung); eDesign Dynamics (Natürliche Ressourcen und Ökologie); CAS Group (Hydrologie und Sedimentmodellierung); KS Engineers (Bathymetrische Vermessung); Craul Land Scientists (Bodenkunde); TMS Waterfront (Genehmigungsverfahren, Prüfung der Uferbereiche); JAM (Projektabwicklung); Northern Designs (Bewässerung); Horton Lees Brogden Lighting Design (Lichtplanung); Pentagram (Beschilderung und Wegeleitsystem); Dharam Consulting (Kostenkalkulation); Holmes Keogh Associates (Beratung zu Bauvorschriften und Sicherheit); Thornton Tomasetti (Sicherheit); Gilbane Building Company und Invictus Engineering (Bauunternehmen)
Bauherrschaft: Hudson River Park Trust
Fertigstellung: 2023
Standort: 427-429 Gansevoort St, New York City, NY 10014, USA
Bildrechte: Barrett Doherty (Fotos); Kate Glicksberg (Fotos); Timothy Schenck (Fotos); Field Operations, New York (Pläne)
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