Gärten im Film - Führer zu Filmgärten in Deutschland, Europa und Übersee

Gärten im Film - Führer zu Filmgärten in Deutschland, Europa und Übersee

Leonie Glabau, Daniel Rimbach, Horst Schumacher

Gebr. Mann Verlag, Berlin 2008
144 Seiten, 189 farbige und 6 s/w-Abbildungen
Format: 14 x 22 cm, Softcover

Preis: 29,00 EUR

ISBN 978-3-7861-2585-3

Bei Filmen, Videos, Animationen und Fotografie spielen die Orte und Umgebungen mit ihren charakteristischen Atmosphären eine wesentliche Rolle für das visuelle Storytelling. Location Scouts, die diese Orte suchen und auswählen, sind daher feste Mitglieder der Filmcrews, während Filmfans sich mit dem sogenannten Location-Spotting, dem Wiederauffinden der Orte aus den Szenen der Filme, beschäftigen. Das Buch Gärten im Film verbindet beide Sichtweisen. Es listet zum einen 48 Gärten als Drehorte und zum anderen 39 Filme auf, in denen Gärten Narration der Filminhalte bilden.

Ein solches Thema würde sich auch für ein großformatiges, schweres Coffee Table Book eignen, doch stattdessen ist ein handliches Softcover entstanden, das sich als Reiseführer zu den ausgewählten und vorgestellten Gärten mitnehmen lässt. Allerdings sind Gärten, Parks und selbst kleinste grüne Plätze nicht nur grüne Kulissen. Im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Fachhochschule Erfurt untersuchten die drei Autor*innen sie als komplexe Bild- und Bedeutungsräume.

Für den Reiseführer haben sie kurze Beschreibungen mit Filmstills zusammengestellt und jeweils mit Daten, Karten, Adressen und Hintergründen ergänzt. Einige Beispiele:

  • Stanley Kubrick drehte noch hinter dem „Eisernen Vorhang" einzelne Teile von Barry Lyndon im Park Sanssouci/Potsdam (1973-75). Die Aufnahmen am Neuen Palais entstanden u. a. in Zusammenarbeit mit Ken Adam, der für das Setdesign mehrerer James-Bond-Filme berühmt wurde.
  • Alain Resnais nutzte die beiden barocken Gärten von Schloss Nymphenburg/München und den Hofgarten Schleißheim/Oberschließheim als symbolisch-leeren Hotelgarten für den Film Letztes Jahr in Marienbad (1960). Die Hauptdarstellerin Delphine Seyrig, die von Coco Chanel eingekleidet wurde, wandelt zwischen aufgemalten Schatten nicht durch Marienbad in der damaligen Tschechoslowakei, sondern durch Bayern.  
  • Der Leopard, vor kurzem bei Netflix neuverfilmt, spielt in der originalen Verfilmung durch Luchino Visconti (1962) im Garten und in der Villa Boscogrande/Palermo. Die unmittelbare Umgebung um die Villa und den Garten hat sich zwar seit den Dreharbeiten verändert, aber das noch immer sehr beeindruckende Anwesen kann mitsamt Garten heute für repräsentative Firmenfeste und Hochzeiten à la „Don Fabrizio Corbera, Fürst von Salina" gemietet werden.  
  • Peter Greenaways Der Kontrakt des Zeichners ist natürlich das Paradebeispiel für einen Garten im Film. Der Film spielt im Garten der Familie Herbert in Groombridge Place, in der Grafschaft Kent. Schon Arthur Canon Doyle nutzte diesen Garten als Szene für einen Sherlock-Holmes-Krimi.  
  • Martin Scorsese wählte 1993 für Zeit der Unschuld einen weniger abgelegenen Garten, nämlich die Jardins du Luxembourg mitten in Paris, sowie die New York Botanical Gardens und die Old Westbuty Gardens, beide in New York.  
  • Der Central Park in New York City spielt in sehr vielen Filmen mit, u. a. Greencard von Peter Weir (1990) mit Gérard Depardieu und Andie MacDowell und Der Marathon Man von John Schlesinger (1976) mit Dustin Hoffman und Laurence Olivier.  

Das Buch vermittelt somit nicht nur Wissen über die Darstellung und wortwörtliche Inszenierung von Gärten, sondern regt dazu an, die vorgestellten Orte selbst zu besuchen und mit eigenen Augen wahrzunehmen. -sj

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