Freizeitzentrum Bois de Cergy in Cergy
Weit gespannte Schieferdächer über einer Holzkonstruktion
Vorgefertigte Holzbauelemente, gedämmt mit Holzfasern und Stroh, Lehmziegel für die Innenwände und eine Schieferdeckung sind die wesentlichen Baumaterialien eines Freizeitzentrums nordwestlich von Paris. Das Centre de loisirs du Bois de Cergy bietet Raum für bis zu 200 Kinder im Alter von drei bis elf Jahren. Pluriel(les) Architectes planten das Gebäude auf ehemals militärisch genutztem Areal, am Rande eines rund 42 Hektar großen, geschützten Waldgebiets der französischen Gemeinde Cergy.
Dezentes Bauwerk unter Bäumen
Erschlossen wird das Kinder-Freizeitzentrum über die Rue de Brûloir, welche nördlich der Anlage in einem Kreisel mündet. Auf der anderen Seite befinden sich eine Sporthalle und der Campus einer weiterführenden Schule. Formal bezieht sich das eingeschossige, schlichte Bauwerk mit L-förmigem Grundriss und weit spannenden Satteldächern auf traditionelle, teils denkmalgeschützte Gebäude im Umfeld. Die Materialität und Ausrichtung des Baukörpers, der sich dezent in den Baumbestand einfügt, erzeugen einen starken Landschaftsbezug.
Der Neubau bündelt verschiedene Funktionen, die sich zuvor auf mehrere, in die Jahre gekommene und asbestbelastete Altbauten verteilten. Primär soll er den aufwachsenden Kindern, die hier nachmittags und in den Ferien betreut werden, spielerische und motorische Erfahrungen in und mit der Natur ermöglichen. Auch Workshops und Schulungen finden hier statt.
Foyer als verbindendes Gelenk
Durch die L-förmige Anordnung fassen Nord- und Südflügel einen gemeinsamen Hof. Der Nordflügel beherbergt Zonen für Bewegung, zum gemeinsamen Kochen und Essen. Am westlichen Ende des Südflügels sind Ruheräume angeordnet, während sich aktivere Nutzungen zu dem mit Spiel- und Sportflächen ausgestatteten Hof orientieren.
Hofseitig, zwischen den Gebäudeflügeln, befindet sich auch der Haupteingang. Er führt in ein verkürztes und beidseitig verglastes Foyer, das die Funktion eines Gelenks übernimmt und so als Verteiler- und Durchgangsraum zugleich dient. Es unterscheidet sich auch durch die Dachform, die flach und begrünt ist. Beidseitig des Eingangsbereiches gibt es Sanitär-, Technik- und Hauswirtschaftsräume, was eine funktionale Trennung der Gebäudeteile ermöglicht.
Weit gespannte Satteldächer mit Schieferdeckung
Die ausgreifenden Satteldächer sind ein charakteristisches Merkmal des Gebäudes. Auch die Schieferdeckung ist regional typisch, der Naturstein ein seit Jahrhunderten verwendetes Deckmaterial. Zum Einsatz kommt Schiefer aus französischem Abbau, verarbeitet von einem lokalen Dachdeckerbetrieb. Die Schieferplatten sind als Rechteckdeckung verlegt.
Belichtung, Belüftung, Sonnenschutz und Speichermasse
Etwa mittig in den Dachflächen sind Dachfenster eingebaut – einzeln, paarweise oder bandartig an der Südostseite. Sie lassen sich motorisch steuern und verfügen über Jalousien als außenliegenden Sonnenschutz. Zusammen mit den regelmäßigen Lüftungsflügeln in der Fassade ermöglichen die Dachfenster eine natürliche Belüftung des Gebäudes. Weite Dachüberstände, Veranden, Pergolen und horizontale Holzlamellen wirken einer Überhitzung der Innenräume entgegen. Als thermisch träge Speichermasse fungieren die Bodenplatte aus Beton ebenso wie die aus ungebrannten Lehmziegeln gemauerten Innenwände.
Konstruiert aus vorgefertigten Holzelementen
Das Tragwerk bilden im Werk vorgefertigte Fachwerkträger aus Fichten-Brettschichtholz nach traditionellem Vorbild. Auch die Decken- und Dachelemente wurden vorgefertigt zur Baustelle geliefert. Fenster und Türen sind ebenfalls Holzkonstruktionen. Mit Douglasienholz bekleidete und mit Stroh und Holzfasern gedämmte Holzrahmenelemente bilden die geschlossenen Fassadenbereiche.
Einfache Materialien, Sorgfalt im Detail
Holz, Lehm und Schiefer sind natürliche und bei fachgerechter Konstruktion auch sehr langlebige Materialien. Sie tragen dazu bei, dass sich das Gebäude gut in den Waldrand integriert. Auch die Möbel und Innenausbauten bestehen vielfach aus Holz. Für die Sanitärräume und die Außengestaltung wurden teils wiederverwendete Materialien eingesetzt. Die sorgfältig detaillierte Konstruktion schafft qualitätvolle Innen- und Außenräume, also ein Umfeld, in dem sich Kinder und Erwachsene gerne aufhalten. -us
Bautafel
Architektur: Pluriel(les) Architectes, Paris
Projektbeteiligte: Solab, Ivoire (Beratende Ingenieure); Les Rondeaux, Paris (Landschaftsarchitektur); Eiffage Construction Hors-site, Vélizy-Villacoublay (Bauunternehmen)
Bauherr: Ville de Cergy
Fertigstellung: 2026
Standort: Rue du Brûloir 95000 Cergy-Pontoise, Frankreich
Bildnachweis: © Charly Broyez (Fotos); Pluriel(les) Architectes, Paris (Pläne)
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