Frei Otto – 1925-2015 – Bauen mit der Natur

Frei Otto – 1925-2015 – Bauen mit der Natur

Joaquin Medina Warmburg und Anna-Maria Meister (Hrsg.)

Prestel Verlag, München 2025
256 Seiten, zahlreiche farbige und schwarzweiße Abbildungen, Format: 24 × 28,7 cm, gebunden

Preis: 59 EUR

ISBN 978-3-7913-7749-0

Frei Otto wäre am 31. Mai 2025 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass erschien eine umfangreiche Monografie, begleitet von einer Ausstellung in seinem Geburtsort Chemnitz, die bis Juli 2025 zu sehen war. Sein Werkarchiv befindet sich im Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Die Herausgeber der Monografie, Joaquín Medina Warmburg und Anna-Maria Meister, beide Professoren am KIT, konnten auf umfangreiche Quellen und Materialien zurückgreifen. Neben Zeichnungen und Skizzen wählten sie zahlreiche Fotografien von Planungs- und Bauprozessen sowie Modellen als authentische Zeitdokumente aus. 

Die Monografie gliedert sich in drei Teile:

  • Natur: Biologie, Ökologie, Klima
  • Technik: Konstruktionen, Methoden, Formen
  • Gesellschaft: Ethik, Partizipation, Netzwerken
Die Herausgeber stellen neun Essays neun Werken gegenüber, um einen offenen historiografischen und theoretischen Diskurs anzustoßen. Sie beleuchten nicht nur legendäre Bauwerke wie den westdeutschen Pavillon auf der Expo 1967 in Montreal, die Dächer des Olympiaparks in München 1968-72, die Schirme für Pink Floyds US-Tournee 1977 oder die Kelchstützen für Stuttgart 21. Sie zeigen auch die grundlegende Bedeutung des biomorphen Leichtbaus mit Gitterschalen und Seilnetzen.

Im Fokus stehen Ottos unermüdlicher interdisziplinärer Ideenaustausch, sein  – wie er es nannte – „Spinnerzentrum“ in Stuttgart und seine enorme Produktivität bis ins hohe Alter, die 2015 mit dem posthum verliehenen Pritzker-Preis 2015 gewürdigt wurde. Doch verschweigen die Autoren auch nicht fachliche und persönliche Auseinandersetzungen, Rückschläge und ideologische Grabenkämpfe.

Eine eher ungewöhnliche Ehrung erfuhr Otto 1997 mit einer eigenen Briefmarke. Die Deutsche Post widmete ihm im Sondermarkenblock „Deutsche Architektur nach 1945“ einen Platz. Neben Otto wurden nur drei weitere Architekten mit je einem Werk geehrt: Hans Scharoun mit der Berliner Philharmonie, Ludwig Mies van der Rohe mit der Neuen Nationalgalerie in Berlin und Gottfried Böhm mit der Wallfahrtskirche Neviges. Frei Ottos Beitrag, der Deutschen Pavillon der Expo 1967 in Montreal, erhielt das schlichte wie eindeutige Motto: „Wir suchen jene Baukunst, die aufgrund ähnlicher Prozesse entsteht, wie die Konstruktionen der Natur.

Begriffe wie Klimahülle, transluzente Membranen, Solararchitektur, Ressourceneffizienz, adaptive Strukturen oder Parameter-Matrix, zu Lebzeiten Ottos kontrovers und kritisch diskutiert, gehören heute zum selbstverständlichen Vokabular zeitgemäßer Architektur. Norman Foster fasste Ottos Bedeutung so zusammen: „Im gleichen Maß, in dem die außergewöhnliche Folge seiner Werke das Erscheinungsbild der Architektur verändert hat, haben seine ökologische Sensibilität, seine Intelligenz und Weitsicht die Konturen des architektonischen Denkens für das 21. Jahrhundert festgelegt. Er ist eine Inspiration.“ (Zitat 2005, Ausstellungskatalog der TU München, hrsg. von Winfried Nerdinger) -sj

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Die Multihalle in Mannheim, 1974 von Carlfried Mutschler und Frei Otto als Lattengitterschale mit einer Spannweite von 85 Metern errichtet (Aufnahme aus dem Jahr 1975)

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Konstruktionselemente

Gitterschalen

Betonschalentragwerk der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Bremen-Huchting (1971) nach Frei Otto

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