Forst- und Holzwirtschaftsunternehmen in Brumov-Bylnice

Archetyp neu erfunden

Nur einhundert Meter trennen Sägewerk und neue Firmenzentrale des tschechischen Forstwirtschafts- und Holzverarbeitungsunternehmens Kloboucká Lesní in Brumov-Bylnice. Es lag also auf der Hand, die Hauptstruktur des Neubaus aus den hauseigenen Brettschichthölzern herzustellen, dem Flaggschiffprodukt des Holzwerks. Entwurf und Planung übernahm das tschechische Architekturbüro Mjölk architekti. Mit dem neuen Firmensitz zeigen die Beteiligten, dass eine einfache, reduzierte Bauweise und ein sparsamer Umgang mit Material und Energie einem zeitgemäßen Betrieb nicht entgegenstehen, sondern diesen sogar unterstützen können.

Archetypisch ist die Grundform: Ein Langhaus mit spitzem, tief heruntergezogenem Satteldach.
Der beheizte Raum begrenzt sich auf den rechteckigen Baukörper; die beiden Gänge an den Längsseiten und der Dachstuhl sind halboffene, unbeheizte Räume.
Die Nordseite der Holzdachkonstruktion ist vollständig mit Glas ausgefacht; die Südseite ist zu einem Großteil mit Photovoltaik-Paneelen belegt.

Das Unternehmen hat sich dem Schutz der Wälder und einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen verschrieben. Daher gestaltet es den gesamten Lebensweg eines Holzbauteils: In der eigenen Baumschule im rund 60 Kilometer entfernten Moravský Písek werden die ersten Samen gesetzt, die Setzlinge zu ausgewachsenen Bäumen gepflegt, anschließend gefällt und im Sägewerk zu hochwertigen Bauprodukten verarbeitet. Alle innerhalb des Produktionsprozesses anfallenden Holzreste finden Verwertung: Die Rinde verkauft das Unternehmen an Gärtnereien, ein Teil der Holzspäne geht an Papierfabriken. Die restlichen Späne werden in der Pelletieranlage auf dem Gelände zu Holzpellets verarbeitet, die anschließend im zentralen Kesselhaus als Hauptbrennstoff für die Beheizung der gesamten Anlage dienen. Darüber hinaus gibt es eigene Klär- und Solaranlagen.


Zwischen Fluss und Schienen

Das Werksgelände schmiegt sich im Süden an den Verlauf des Flusses Vlára, nördlich begrenzen Bahnschienen das Areal – hier ist auch die neue Zentrale positioniert. Durch diese Setzung empfängt das öffentlichkeitswirksame Gebäude Besuchende und verbirgt die dahinterliegenden Produktions- und Fabrikhallen. Radikal einfach und archetypisch ist dessen Grundform, abgeleitet von traditionellen Scheunen und regionalen typologischen Einflüssen: Giebel, Wände und ein steiles Satteldach begrenzen die Raumstruktur. Das spitze Dach ist weit herabgezogen und kragt längsseitig über den Außenbereich.

Während das Holztragwerk der nördlichen Dachfläche und Fassade gänzlich mit Glaselementen ausgefacht ist, ist die Südseite zu mehr als der Hälfte mit Photovoltaikpaneelen belegt. Diese decken den gesamten Strombedarf des Firmensitzes. Dank des steilen Dachwinkels fließt anfallendes Regenwasser in langgestreckte Teiche an den beiden Längsseiten des Bauwerks. Diese haben eine kühlende Wirkung und dienen als Lichtreflektoren, die diffuses Tageslicht bis tief in das Erdgeschoss lenken.

Archetyp mit Satteldach: Tragstruktur

Die tragende Hauptstruktur besteht aus 32 zweigeschossigen, im Querschnitt rechteckigen Brettschichtholzrahmen. In einem Abstand von 1,80 Meter aneinandergereiht, ergeben sie das langgezogene, rechteckige Volumen. Die Flächen zwischen den Rahmen sind je nach innerer räumlicher Organisation mit Glasfronten, Fenstern oder geschossenen Holzfassadenteilen abgeschlossen. Dieser quaderförmige, zweigeschossige Körper mit einer Grundfläche von 56 x 18 Metern definiert den beheizten Raum.

Darüber stülpt sich das steile Dach: Es ist bis zum ersten Obergeschoss herabgezogen und kragt längsseitig über die Außenräume. So bleibt nur die Erdgeschossfassade vollständig sichtbar. Im Bereich des ersten Obergeschosses entsteht dadurch auf beiden Längsseiten zwischen Dachfläche und innerer Fassade jeweils ein im Querschnitt annähernd dreieckiger Gang, der an den Stirnseiten offen ist. Diese Bereiche dienen einerseits als geschützte Außenräume, andererseits wirken sie als thermische Pufferzone zwischen Dach und Fassade. Auch der Dachstuhl liegt außerhalb des beheizten Raums und kann als überdachte Terrasse genutzt werden. Die gesamte Struktur ist modular aufgebaut und dementsprechend an sich ändernde Anforderungen anpassbar.


Außen traditionell, innen zeitgemäß

Der Innenraum ist roh und einfach belassen. Insgesamt kamen nur wenige unterschiedliche Materialien zum Einsatz: Neben dem Holz für das Rahmentragwerk, das den Innenraum strukturiert, wurden Glastrennwände, Holzverkleidungen und Holz-Glas-Akustikwände kombiniert. Hybriddecken aus Beton und Holz steifen das Tragwerk aus und verbessern die Akustik. Die Böden bestehen aus poliertem Beton. Sämtliche Installationen sind sichtbar entlang der Decken geführt. Aus Beton ist auch der zentrale Erschließungskern, der zusammen mit dem Keller und den Holz-Beton-Hybriddecken das Tragwerk aussteift. Bei all der architektonischen Reduktion und Einfachheit haben die Beteiligten fortschrittliche technologische Lösungen verbaut, die für Komfort, Effizienz und Flexibilität sorgen.


Die Photovoltaikanlage auf dem Dach deckt den gesamten Bedarf des Firmensitzes. In einem Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von 72 kW wird überschüssige Energie gespeichert und bei Bedarf für die Produktion eingesetzt. Da die Heizung der gesamten Anlage über das zentrale Kesselhaus mit Holzpellets aus eigener Herstellung erfolgt, ist das Werk energieautark und unabhängig von anderen Brennstoffquellen.

Zugleich entspricht die Bauweise des neuen Bürogebäudes dem Cradle-to-Cradle-Prinzip, nach dem Bauteile möglichst einfach rückgebaut werden können. So sind die Leimbinder der Holzkonstruktion sichtbar verschraubt und können nach dem Lebenszyklus des Bauwerks demontiert und bei Bedarf wiederverwendet werden. -si

Bautafel

Architektur: Mjölk architekti, Liberec
Projektbeteiligte: Lostrade CZ, Ostrava (Tragwerksplanung); Petr Vlček, Prag (Bauüberwachung); Michal Drga, Smolina (Bauunternehmen Beton); Pukýš DŘEVOSTAVBY, Horní Lideč (Bauunternehmen Holzkonstruktion); Elseremo, Brumov-Bylnice (Photovoltaikanlage); Ladislav Stružka, Vlachovice (Maschinenbau); Mont, Slavičín (TGA); KL Techstage, Újezd u Brna (Stahlkonstruktion); Woodyglass, Brünn (Holz-Glas-Trennwände und Verkleidungen); Lampárna, Ostrava (Lichtplanung); Atelier Partero, Brünn (Landschaftsplanung) GISarch studio, Luhačovice (Gartenbauunternehmen); Izolplast, Zlín (Flachdach)
Bauherr*in: Kloboucká lesní, Brumov-Bylnice
Fertigstellung: 2022
Standort: Brumov-Bylnice, Tschechien
Bildnachweis: BoysPlayNice; Mjölk architekti

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