Forschungsgebäude INFN in Turin

Rot in vielen Nuancen

Im Stadtteil Mirafiori im Süden von Turin sitzt nicht nur der italienische Autokonzern Fiat, sondern auch ein Areal des Consiglio Nazionale delle Ricerche, eine Institution, die sich in etwa mit der deutschen Max-Plank-Gesellschaft vergleichen lässt. Eines der Forschungsgebäude, das dort seinen Sitz hat, beherbergt eine Zweigstelle des Nationalen Instituts für Kernphysik (Istituto Nazionale di Fisica Nucleare, INFN). Nun wurde es durch das Architekturbüro Elastico Farm mit einem Neubau, dem sogenannten S-Lab, erweitert.

Geplant wurde der S-Lab genannte Bau vom Architekturbüro Elastico Farm.
Die Geschossigkeit des neuen Gebäudes lässt sich von außen kaum ablesen: Das weitgehend geschlossene, aus verschiedenen Baukörpern zusammengesetzte Volumen ist von bis zu vier Reihen gleich hoher Sandwichpaneele eingehüllt.
An das mit Waschbetonplatten bekleidete, niedrigere Bestandsgebäude schließt der Erweiterungsbau mit einem Verbindungsgang an.

Das Grundstück des Instituts, das die Erweiterung mittig besetzt, grenzt auf zwei Seiten ans Grüne: rückwärtig – nach Osten hin – an eine Driving Range und im Süden an den Stadtpark Colonnetti. An das mit Waschbetonplatten bekleidete, niedrigere Bestandsgebäude schließt der Erweiterungsbau mit einem Verbindungsgang an.

Auskragende Scheiben

Die Geschossigkeit des neuen Gebäudes lässt sich von außen kaum ablesen: Das weitgehend geschlossene, aus verschiedenen Baukörpern zusammengesetzte Volumen ist von bis zu vier Reihen gleich hoher Sandwichpaneele eingehüllt. An den Ecken kragen einzelne Paneele mal in die eine, mal in die andere Richtung aus, was zusammen mit der unterschiedlichen Färbung der Elemente für ein lebendiges und markantes Erscheinungsbild sorgt.

Die Öffnungen haben meist eine ähnliche Breite wie die Fertigteile und sind entweder mit transluzenten Polycarbonatelementen oder mit anthrazitfarbenen Rahmenkonstruktionen – mit Fenstern und opaken Paneelen – verschlossen. Auch die nach Norden orientierten hohen Tore zum Produktionsbereich sowie die Fugen zwischen den Fertigteilen nehmen diesen dunklen Farbton auf.

Halle als Herz

Der Bau ist weitgehend eingeschossig, weist aber im Inneren verschiedene Raumhöhen auf. Zentrales Element ist eine circa sieben Meter hohe Werkstatthalle, in der die Maschinen und Präzisionsinstrumente hergestellt werden, die für die Experimente des Instituts benötigt werden. Darüber hinaus finden sich in dem Bau Laboratorien, Büros und dienende Bereiche.

Beton: Fertigteile mit geheimer Botschaft
Die verschiedenen Rottöne der Sandwichelement-Fassade reichen von bräunlichen Nuancen über Orange bis hin zu Rosa. Neben der leicht wolkigen Struktur zeigen einige der Oberflächen eine weitere Besonderheit: Bei einer bestimmten Luftfeuchtigkeit taucht darauf in hellen Buchstaben das Kürzel INFN auf. Für den Architekten Stefano Pujatti ist das „ein Experiment, auf der Haut eines Gebäudes, das für Experimente gemacht ist“.

Die Sandwichpaneele der Hülle sind 2,2 Meter hoch und verschieden lang. Elemente, die exakt gleich beschaffen sind, gibt es – auch aufgrund der Auskragungen und der Farbunterschiede – kaum. Mit einem Maß von maximal 10,5 Meter konnten die Fertigteile per regulärem Lastzug transportiert werden.

Die Werkstatthalle im Inneren wird von mächtigen, im Profil v-förmigen Fertigteilbindern überspannt. Bei einer Länge von etwa 23,5 Metern war für ihre Anlieferung ein Schwertransport vonnöten. Über den Bindern sitzt eine Sheddach-Konstruktion, die das blendfreie Nordlicht einfängt und mit Photovoltaikelementen bestückt ist. -chi

Bautafel

Architektur: Elastico Farm, Chieri (Stefano Pujatti, Alberto Del Maschio, Valeria Brero, Serena Nano, Daniele Almondo, Andrea Rosada, Monica Ierace)
Projektbeteiligte: Arching, Turin (Tragwerksplanung); Projema Engineering (Gebäudetechnik); Ruscalla Renato (Bauunternehmen); Alciati Prefabbricati (Fertigteile); Paolin Impianti (Installationen)
Bauherr/in: Istituto Nazionale di Fisica Nucleare
Standort: c/o Consiglio Nazionale delle Ricerche, Mirafiori Sud, 10135 Turin
Fertigstellung: 2020
Bildnachweis: Anna Positano, Gaia Cambiaggi / Studio Campo

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