Fitzroy Loft in Melbourne

Weißer Carrara-Marmor in Küche und Bad

Weite Räume, hohe Decken und große Verglasungen, dazu der Charme von Sichtmauerwerk, patinierten Holzbalken und rohem Betonboden – solche Attribute machen alte Industriebauten als Wohnraum in Großstädten äußerst attraktiv. So auch den Lagerraum einer ehemaligen Schokoladenfabrik im Melbourner Stadtteil Fitzroy, den die Planer vom Büro Architects EAT in eine sehr helle, großzügige und doch stark differenzierte Wohnung umwandelten. Das Fitzroy Loft befindet sich in der oberen Etage des zweigeschossigen, rund 125 Jahre alten Backsteinbaus, von dessen historischer Substanz so viel wie möglich gewahrt bleiben sollte. Die Planer schufen eine moderne Innenarchitektur, die sich klar vom Bestand abhebt, aber dessen Ästhetik übernimmt, was insbesondere an den feingliedrigen, schwarzen Stahlfenstern und -türen deutlich wird.

Durch filigrane Klapp-Schiebe-Elemente aus Stahl und Glas lassen sich Wohnraum und Atrium zusammenschalten
Das Atrium sorgt für reichlich Tageslicht im Wohn- und Schlafraum (links), aber auch im Eingangsflur und im Bad
Die immense Raumhöhe nutzten die Architekten, um eine zweite Ebene einzuziehen: Oberhalb von Küche und Wohnraum befindet sich das Elternschlafzimmer

Die historische Dachkonstruktion der Loftwohnung mit Nord-Süd-Ausrichtung blieb erhalten. Sie besteht aus einer aufeinander folgenden Reihe von Satteldächern mit Oberlichtern, die für eine blendfreie Belichtung überwiegend von Norden sorgen. Die immense Raumhöhe nutzten die Architekten, um eine zweite Ebene einzuziehen – jedoch nicht über die gesamte Grundfläche, sondern unterbrochen von Raumzonen, die bis unters Dach offen gestaltet sind. Auf diese Weise ist eine spannende, abwechslungsreiche Raumfolge entstanden. Tragende Holzbinder im Innenraum wurden teilweise sichtbar belassen, die Oberlichter erneuert und durch weitere Glasflächen ergänzt. Das Ziegelmauerwerk ist nur partiell in seiner ursprünglich roten Farbe sichtbar, der Rest ist weiß gestrichen. Die originalen Betonböden wurden aufgearbeitet.

Erschlossen wird die Wohnung über ein Treppenhaus an der Nordwestecke. Die Eingangstür mündet in einem Flur, der an der Westseite zunächst an einer Glasfront und dann über zwei Stufen an der Garderobe entlang führt. Hinter der Glasfront und begrenzt durch die Nordfassade befindet sich ein Atrium, das als eine von drei Raumzonen die doppelte Raumhöhe aufweist. Hinter der Garderobe sind Küche und Wohnraum angeordnet, mit halber Raumhöhe aufgrund des Galeriegeschosses. Vom Atrium sind sie durch filigrane Klapp-Schiebe-Elemente aus Stahl und Glas getrennt, die ein Zusammenschalten ermöglichen. Im Anschluss an den Flur liegt ein Speiseraum, der wiederum bis zum Dach offen ist und in den Wohnraum übergeht.

Der südliche Teil der Wohnung ist durch eine Wand abgetrennt, die mit großformatigen Feinsteinzeugfliesen bekleidet ist. Dahinter befindet sich eine Bibliothek, die zur Hälfte über einen Luftraum verfügt und sich mittels Schiebetür zum Wohnraum öffnen lässt. In der Südwestecke ist ein Schlafraum mit Bad angeordnet, daneben führt eine Treppe hinauf zur Galerieebene bzw. dem Dachraum mit zwei weiteren Schlafzimmern und einem weiteren Bad. Auf der gleichen Höhe ist ein dritter, sehr großer Schlafraum mit lang gestrecktem Badezimmer im Dachraum über Küche und Wohnraum untergebracht. Eine schwarze Stahlbrücke verbindet die neu eingezogenen Geschossebenen untereinander und führt quer durch den Speiseraum. Wangen aus perforiertem Stahlblech sollen ihr Leichtigkeit verleihen, der geschwungene Handlauf lässt an eine Seilbrücke denken.

Küche und Bad

Die offen gestaltete Küche ist das Herzstück der Wohnung und Treffpunkt der Familie. Sie ist gegliedert durch eine rund sechseinhalb Meter lange und zwei Meter tiefe Kochinsel mit Fronten aus hellgrau lackierten, vertikalen Holzlatten. Die dem Wohnraum zugewandte Längsseite lässt sich als Bar nutzen. An der Schmalseite zum Speiseraum kragt eine Arbeitsplatte aus weißem Carrara-Marmor etwa anderthalb Meter weit aus. Rückwärtig zur Garderobe im Eingangsflur schließt eine Küchenzeile an, die zur Hälfte aus Schrankwänden besteht. Auch ihre Fronten sind mit grau lackierten Holzleisten bekleidet, auch hier bestehen die Arbeitsplatte und die Rückwand hinter der Spüle aus weißem Marmor. Darüber sind Strahler in einen Baldachin integriert und sorgen für indirekte Beleuchtung.

Ein Bad auf der unteren Etage ist mit WC, einem breiten Waschtisch und ebenerdig begehbarer Dusche ausgestattet. Das Gäste-WC wird über die Bibliothek erschlossen. Ein Bad auf der Galerieebene gehört zu den Kinderschlafzimmern und verfügt über eine Badewanne. Auf der Galerie befindet sich ein Arbeitsplatz. Von dort führt eine Wendeltreppe weiter auf eine nach Süden gerichtete Dachterrasse. Das lang gestreckte Bad am Elternschlafzimmer, das über die Stahlbrücke erschlossen wird, liegt oberhalb des Eingangsflurs. Es ist zum Atrium verglast, und auch an der Nordseite des Elternschlafraums setzt sich die Glasfront des unteren Wohnraums fort.

Das Elternbad misst etwa 13 x 1,50 Meter. Obwohl nicht sehr breit, wirkt es aufgrund der von Norden nach Süden auf vier Meter Höhe ansteigenden Dachschräge, der hellen Oberflächen und dem durch die satinierten Glasscheiben einfallenden Tageslicht sehr großzügig. Unter der Dachschräge ist eine freistehende ovale Badewanne platziert. Daneben befinden sich zwei ebenerdige, offen ausgebildete Duschen. Tellerkopfbrausen kragen aus der Wand und werden durch Armaturen mit geradlinigen Stabhandbrausen ergänzt. Den Boden und die Rückwand der Dusche bedecken großformatige, weiße Marmorplatten. Gegenüber der Tür befindet sich ein Doppelwaschtisch als Spezialanfertigung: Ein schwarzer und weitgehend unverkleideter Stahlrahmen trägt zwei Einbaubecken. Die Schubladen bestehen aus weiß lackiertem Holz, die Waschtischplatte aus weißem Marmor. Über den Becken hängt jeweils ein kreisrunder Spiegel. Die Wandarmaturen sind schlicht und gleichfalls geometrisch geformt. Das WC befindet sich in einem abgeschlossenen Raum neben dem Waschtisch.

Bautafel

Architekt: Architects EAT, Melbourne
Bauherr: privat
Fertigstellung: 2015
Standort: Melbourne, Australien
Bildnachweis: Derek Swalwell, Melbourne

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Auch wenn individuelle Anforderungen oft vor standardisierten Normen stehen und Bäder zunehmend als offene Raumkonzepte gestaltet werden, bleiben die grundlegenden Planungsüberlegungen im Wohnungsbau relevant.

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Planung von Bädern im Wohnungsbau

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