Firmensitz Damiani in Brixen

Holzbau mit bewegter Lamellenfassade aus Furnierschichtholz

Rund 40 Kilometer nördlich der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen liegt die mittelalterliche Stadt Brixen in einem Talkessel – umgeben von Weinbergen, den Dolomiten und dem Eisacker Mittelgebierge. Südlich der Innenstadt, im Industriegebiet an der Rienz, steht ein imposantes Bürogebäude, das bis auf das Sockelgeschoss komplett in Holzbauweise errichtet wurde. Das kubische Gebäude ist der Firmensitz von Damiani Holz & Ko, ein Unternehmen, das auf das Bauen von vorgefertigten Holzhäusern sowie auf den Handel mit Holzprodukten spezialisiert ist. Den ausgeschriebenen Wettbewerb für die Erweiterung und Renovierung des Verwaltungs- und Logistikzentrums konnte das ortsansässige Planungsbüro Modus Architects für sich entscheiden.

Das Erscheinungsbild der Fassade ändert sich je nach Tageszeit und Belichtung
Für die vorgehängte hinterlüftete Fassade kommt Fichte als Furnierschichtholz zum Einsatz
Die vertikal angeordneten Lamellen mit zackenförmigem Profil erzeugen ein wellenförmiges Relief

Der viergeschossige, markante Holzwürfel steht im Kontrast zu den typischen Industriegebäuden in der Nachbarschaft mit ihren Fassaden aus Putz oder Stahl und Glas. Das Ziel des Entwurfs war es, mit dem Neubau die unterschiedlichen Konstruktionsweisen und Anwendungsmöglichkeiten von Holz in mehrgeschossigen Bauten aufzuzeigen. Ein massives, halb unterirdisches Sockelgeschoss aus Beton bildet die Basis für drei darüberliegende Geschosse, die in Pfosten-Riegel-Holzbauweise errichtet wurden. Sowohl deren Fassade als auch das Dach sind überzogen von Lamellen aus Fichtenholz als Furnierschichtholz. Die in der Ansicht vertikal angeordneten Lamellen mit zackenförmigem Profil erzeugen ein wellenförmiges Relief. Je nach Tageszeit und Belichtung entstehen Licht- und Schattenspiele, durch die sich das Erscheinungsbild der Fassade immer wieder verändert.

Der Besuchereingang des Gebäudes befindet sich auf der Ostseite, entsprechend der hier ansteigenden Geländeoberkante auf halber Höhe zwischen Sockel- und Erdgeschossniveau. Er wird markiert von einem großen, schräg nach oben auskragenden Eingangsportal aus Cortenstahl. Auf der Eingangsebene befindet sich ein Empfangstresen. Von dort erreichen die Besucher über eine kurze, einläufige Treppe nach oben den großzügig gestalteten Wartebereich im Erdgeschoss, das Treppenhaus, den Aufzug sowie ein Café im angrenzenden, zweigeschossigen Bestandsgebäude. Der Neubau beherbergt auf dieser Etage außerdem Büros für die Technikabteilung. Im darunterliegenden Sockelgeschoss ist auf der Westseite eine ebenerdige Warenanlieferung mit Rezeption angeordnet sowie weitere Büro- und Besprechungsräume der Technik. Im ersten Obergeschoss sind die Büroeinheiten der Verwaltung untergebracht. Das zweite Obergeschoss besitzt einen offenen Grundriss. Hier befinden sich ein Vortragsbereich, ein Café sowie Raum für Besprechungen. Ein großes, polygonales Fenster sorgt für Ausblicke und reichlich Tageslicht im Innenraum. Von außen ist das markante Fenster in der obersten Etage schon von Weitem, als eine Art Wahrzeichen, zu erkennen.

Die gesamte Konstruktion ist diffusionsoffen und besteht aus unbehandelten Massivholzelementen. Dadurch entsteht ein gesundes, emissionsarmes Raumklima. Selbst der Gebäudekern mit Treppenhaus und Aufzugschacht ist aus Brettschichtholz gefertigt. Massives Fichtenholz wurde dazu mehrschichtig und kreuzweise in mehreren Lagen verklebt. So werden ein minimaler Schwund in Längs- und Querrichtung, eine hohe Passgenauigkeit sowie ein sehr geringes Arbeiten des Holzes erreicht. Die massiven und dadurch nur langsam abbrennenden Flächenelemente gewährleisten außerdem einen hohen Brandschutz. Die Außenwände sind mit Holzfaserplatten gedämmt.

Zusätzlich zu dreifach verglasten Fenstern in der Außenhülle wurden eine Fußbodenheizung und eine kontrollierte Lüftungsanlage eingebaut. Der Heizenergiebedarf des Gebäudes liegt unter 10 kWh/m²a. Das Gebäude entspricht damit der höchsten Klasse, Gold Nature, nach dem Südtiroler Nachhaltigkeits-Zertifizierungssystem Klimahaus.

Bautafel

Architekten: Modus Architects, Brixen
Bauherr:
Damiani-Holz & Ko, Brixen
Fertigstellung: 2011
Standort: Julius-Durst-Straße 68, 39042 Brixen
Bildnachweis: Modus Architects, Brixen; Fotos: Günter Richard Wett, Innsbruck / Leonhard Angerer, Brixen (1)

Fachwissen zum Thema

OSB-Platten in einem Berliner Mehrfamilienhaus in Holzbauweise, Architekten: Kaden + Klingbeil, Berlin

OSB-Platten in einem Berliner Mehrfamilienhaus in Holzbauweise, Architekten: Kaden + Klingbeil, Berlin

Baustoffe

Ausbauplatten: Holz

Mosaikparkett Eiche

Mosaikparkett Eiche

Baustoffe

Bodenbeläge: Holz und Stein

Schafwolle

Schafwolle

Baustoffe

Dämmstoffe: Natürliche Dämmstoffe

Wandbaustoffe: Holz

Baustoffe

Wandbaustoffe: Holz

Bauwerke zum Thema

Südansicht mit der Fassade aus einer schmalen Weißtannenholzlattung (unbehandelt) und dem charakteristischen flachen Satteldach mit unterschiedlichen Neigeflächen

Südansicht mit der Fassade aus einer schmalen Weißtannenholzlattung (unbehandelt) und dem charakteristischen flachen Satteldach mit unterschiedlichen Neigeflächen

Wohnen

Hofhaus in Sulz

Unter dem auskragenden Gebäudeteil entstand ein witterungsunabhängiger Spielplatz (Nordwestansicht)

Unter dem auskragenden Gebäudeteil entstand ein witterungsunabhängiger Spielplatz (Nordwestansicht)

Bildung

Kindergarten mit Krippe in Haus im Ennstal