Feststehender Sonnenschutz

Beim feststehenden Sonnenschutz wird zwischen Systemen unterschieden, die sich aus der Kubatur bzw. dem Volumen des Baukörpers ergeben und Systemen mit starr auf den Fassaden applizierten Elementen. Im Gegensatz zu beweglichen Sonnenschutzlösungen benötigen beide Varianten keine Beschlagsmotorik oder andere Steuerungssysteme und sind deshalb weniger schadensanfällig. Dem gegenüber steht die mangelnde Flexibilität eines feststehenden Sonnenschutzes.

Auch Balkone und Gebäudegrün zählen zum feststehenden außenliegenden Sonnenschutz.
Grünglaslamellen als feststehender Sonnenschutz an einem Bürogebäude in Malaga, Spanien
Starres Lamellensystem aus Holz am Jakob-Kaiser-Haus in Berlin, Architekten: Busman & Haberer aus Köln, de Architekten Cie. aus Amsterdam, von Gerkan, Marg & Partner aus Hamburg und Schweger & Partner aus Hamburg

Große Formenvielfalt

Verschattungen mittels Auskragungen, Brise Soleils, Gesimsen, Balkonen und Dachüberständen wirken sich stark auf die Erscheinung eines Gebäudes aus und sind deshalb schon früh im Entwurfsprozess zu berücksichtigen. Das gilt auch für Applikationen auf der Fassade, die anders als die oben genannten Sonnenschutzelemente aus Metallen, Kunststoffen, Holz oder Textilien gefertigt sein können. Zu unterscheiden ist zwischen linearen, horizontal montierten Auskragungen, etwa mittels Gitterrosten, starren horizontalen oder vertikalen Lamellen und flächigen Elementen wie Screens, Segeln, transluzenten Paneelen, hölzernen Lattenverkleidungen oder vorgehängten Lochblechen. Auch die natürliche Verschattung mit Pflanzenblättern fällt unter die Definition eines „feststehenden“ Sonnenschutzes.

Schützende Ornamente

Durchbrochene Wandpartien, ornamentale Formsteine und kunstvolle Gitter, die Fensteröffnungen und Loggien verschatten, sind traditionell in vielen Regionen mit heißem Klima anzutreffen, etwa in Südosteuropa, Zentralasien, Afrika sowie Mittel- und Südamerika. Die Elemente funktionieren klimatisch als Hitzeschild, in dem sie den Innenraum verschatten und gleichzeitig durch ihre kleinen Öffnungen kühlend durchlüften lassen. Aufgrund ihrer tiefen Querschnitte werfen Formsteine großflächige Schatten und erschweren zugleich die Einsehbarkeit der Innenräume. Für diese Art des Sonnenschutzes sind viele Varianten und Begriffe geläufig:

  • Maschrabiyya (arabischsprachiger Raum; Französisch: Moucharabiehs): ornamentales Gitter aus Holz
  • Jali (Sanskrit: Jāla) ornamentale Gitter aus Marmor, Sandstein oder Holz in der indischen Architektur
  • Pansara (Zentralasien): ornamental durchbrochene Wandpartien oder Gitter; vielerorts als Betonfertigteile adaptiert
  • Cobogo (brasilianisches Portugiesisch): Wände aus ornamentalen Formsteinen
  • Celosía (spanischsprachiger Raum): Wände aus ornamentalen Formsteinen, ebenso andere durchlässige Wandelemente aus Beton, Natursteinen, Holz, Metall oder gebranntem Ton
  • Transenne (deutsche Fassung von lateinisch Transenna): durchbrochene Holz oder Steinplatten in den Öffnungen frühchristlicher Kirchen

Vor- und Nachteile

Ein Vorteil des feststehenden Sonnenschutzes liegt in den oftmals geringeren Kosten im Vergleich zu beweglichen Systemen. Außerdem ist er praktisch wartungsfrei, sofern die Elemente witterungsbeständig und statisch einwandfrei befestigt sind – insbesondere für die auftretenden Windlasten wie Sog. Fallen Wartungsarbeiten an, betreffen sie meist nicht die Sonnenschutzelemente selbst, sondern defekte Entwässerungen, etwa bei Balkonen und Vordächern.

Der Nachteil liegt in der mangelnden Flexibilität. Da die Sonne ständig ihre Position und ihren Einstrahlungswinkel verändert, der Sonnenschutz aber feststeht, kann er auch nur zu bestimmten Zeiten optimal wirksam werden. Auf jahreszeitliche Unterschiede und Veränderungen von Sonnenstand und Temperatur im Tagesverlauf kann der Sonnenschutz nicht reagieren. Die konstante Verschattung kann zudem negative Auswirkungen auf den Tageslichteinfall haben.

Fachwissen zum Thema

Das Wort Jali stammt aus dem Sanskrit. Es bedeutet Gitter oder Netz und bezeichnet perforierte Platten respektive Tafeln aus Stein oder Holz, die die Fensteröffnungen vollständig ausfüllen.

Das Wort Jali stammt aus dem Sanskrit. Es bedeutet Gitter oder Netz und bezeichnet perforierte Platten respektive Tafeln aus Stein oder Holz, die die Fensteröffnungen vollständig ausfüllen.

Zubehör

Jali

Einst verschatteten Sonnensegel die Ränge des Kolosseums in Rom.

Einst verschatteten Sonnensegel die Ränge des Kolosseums in Rom.

Grundlagen

Zur Geschichte des Sonnenschutzes

Tipps zum Thema

Bücher

Modern Architecture and Climate: Design Before Air Conditioning

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Sonnenschutz sponsored by:
MHZ Hachtel GmbH & Co. KG
Kontakt: 0711 / 9751-0 | info@mhz.de