Ferienanlage Meraki Studios in Spili
Bambusverschatten im Betonskelett
Abgelegen in den zentralen Bergen Kretas, nahe der Ortschaft Spili, hat das Büro Sigurd Larsen Design & Architecture eine minimalistische Ferienanlage mit sechs Apartments realisiert. Die Meraki Studios, benannt nach dem griechischen Begriff für „mit Liebe und Leidenschaft gemacht“, vereinen steinerne Schlichtheit mit tiefem Respekt für die umgebende Landschaft. Auf die klimatischen Bedingungen des mediterranen Standorts reagierten die Architekt*innen mit Pergolen und beweglichen Bambusläden.
Betonskelett mit Natursteinmauerwerk
Die Anlage umfasst zwei Gebäude: Das größere liegt am Hang und beherbergt die Meraki-Studios – sechs Apartments, die an Feriengäste vermietet werden. Hinzu kommt ein separates, zweigeschossiges Haus, in dem die Eignerfamilie wohnt. Die Architektur beider Häuser orientiert sich an der Materialität des Ortes: Ein sichtbares Betonskelett bildet das strukturelle Rückgrat der Anlage. Das dreidimensionale Raster passt sich dem geneigten Gelände an und wirkt wie die orthogonale Erweiterung des Felsgesteins – roh in der Anmutung, aber präzise geschnitten.
Lokales Natursteinmauerwerk facht die Betonstruktur aus. Aufgrund seiner thermischen Eigenschaften wird das Gestein traditionell als Baumaterial in der Region genutzt. Es schützt die Innenräume vor der sommerlichen Hitze und altert würdevoll: Mit der Zeit soll sich Flechtenbewuchs auf den Fassaden bilden, der die Gebäude optisch mit dem terrassierten Gelände verschmelzen lässt.
Höhlenartig und offen zugleich
Die sechs Apartments unterscheiden sich in Größe und Zuschnitt, sind aber einheitlich zum Tal hin ausgerichtet. Die Rückseiten sind geschlossen und fast höhlenartig in den Hang eingebettet, während die Vorderseiten weite Blicke in die Landschaft freigeben. Pergolen und bewegliche Fensterläden sorgen für verschattete Übergangszonen und erlauben es den Gästen, auf wechselnde Sonnenstände zu reagieren.
Im Inneren prägen massive Natursteinwände und eine reduzierte Materialpalette die Raumatmosphäre. Jedes Apartment ist mit Küchenzeilen ausgestattet, die in der hiesigen Abgeschiedenheit die Selbstversorgung unterstützen. Neben den Küchen stammt auch der Großteil der übrigen Möblierung aus der Hand des Architekturbüros. Für die Betten wurde auf Produkte des griechischen Herstellers Cocomat zurückgegriffen.
Gartenräume und Poolterrasse
Das separate Gebäude der Gastgeberfamilie befindet sich auf einem erhöhten Plateau. Es ist zweigeschossig organisiert: Die Wohnräume des Erdgeschosses gruppieren sich um einen offenen Innenhof, der einen halböffentlichen Begegnungsraum für Gäste und Familie bietet. Hingegen kann vom deutlich kleineren Obergeschoss ein Rundumblick auf die Berge und den Garten genossen werden.
Zwischen den Gebäuden erstreckt sich eine landschaftlich gestaltete Anlage mit alten Olivenbäumen, kleinen Wäldern, Wiesen und Trockenmauern. Unterschiedlich ausgerichtete Terrassen eröffnen jeweils eigene Raumerlebnisse: Eine von ihnen ist mit einem Pool in bestehende Steinmauern integriert, andere bieten Aussicht auf das ehemalige Agrarland oder Rückzugsorte unter Bäumen.
Sonnenschutz: Pergolen und Bambusläden
Einen entscheidenden Beitrag zur Aufenthaltsqualität im heißen, mediterranen Klima leistet der baulich integrierte Sonnenschutz. Eine zentrale Rolle spielen dabei Überkopfverschattungen über den Terrassen und oberhalb der raumhoch verglasten Fassaden. Dabei handelt es sich um dicht gebundene Bambusmatten in Stahlrahmen.
Einige der Elemente wurden als Sonnendächer in das Betonskelett eingesetzt. Sie dienen nicht nur als architektonische Verlängerung der Innenräume, sondern auch als Puffer gegen direkte Sonneneinstrahlung – insbesondere um die Mittagsstunden, wenn die Sonne am höchsten steht. Weitere Elemente lagern auf auskragenden Stahlprofilen an der Fassade auf. In Kombination mit der massiven Steinbauweise fördern die Überkopfverschattungen die passive Kühlung.
Mit ihren großformatigen Matten werfen sie wandernde, durchbrochene Schlagschatten. Die eng gebundenen Bambusstäbe filtern dank ihrer feinen Struktur das Sonnenlicht, ohne es komplett auszusperren oder den Blick gen Himmel vollständig zu versperren. So entsteht im Inneren ein Spiel aus Licht und Schatten, das je nach Tageszeit und Sonnenstand variiert. Zugleich erlaubt die Durchlässigkeit eine natürliche Belüftung, sodass sich die Hitze unter den Terrassendächern nicht staut.
Gerahmte Bambusmatten kommen auch als Sichtschutz zwischen den Terrassen benachbarter Ferienwohnungen zum Einsatz. Im Innenraum erlauben Bastrollos und Vorhänge, das Tageslicht weiter zu justieren. Somit integriert sich das Sonnenschutzsystem nicht nur funktional, sondern auch gestalterisch in die Architektur – und das ganz ohne High-Tech. -sr
Bautafel
Architektur: Sigurd Larsen Design & Architecture, Berlin
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2025
Standort: Spili, Kreta, Griechenland
Bildnachweis: Kkrom Services (Fotos); Sigurd Larsen Design & Architecture, Berlin (Pläne)
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