Fachempfehlung Evakuierungsübungen
Hinweise zur Planung und Durchführung von Alarmproben in Schulen und Kindertageseinrichtungen
Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) und die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) haben eine gemeinsame Fachempfehlung für Evakuierungsübungen in Schulen und Kindertageseinrichtungen herausgegeben. Der praxisorientierte Leitfaden widmet sich den organisatorischen Abläufen von Alarmproben und liefert wertvolle Hilfestellung, um Räumungen im Ernstfall sicher und routiniert zu meistern.
Planerisch und baulich sind Bildungseinrichtungen durch Sonderbauvorschriften streng reglementiert. Doch Schutzkonzepte, Brandschutzordnungen und bauliche Rettungswege funktionieren im Ernstfall nur dann, wenn auch das organisatorische Verhalten aller Beteiligten Hand in Hand greift. Die Fachempfehlung Evakuierungsübungen schließt eine entscheidende Lücke im Übergang vom baulichen zum organisatorischen Brandschutz. Sie richtet sich gezielt an Einrichtungsleitungen, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie an die Fachplaner und die betreuenden Feuerwehren vor Ort.
Realitätsnahe Übungsszenarien statt Show-Effekte
Ein zentrales Anliegen der Autoren ist die realitätsnahe, aber angstfreie Durchführung von Alarmproben. Der Leitfaden warnt ausdrücklich vor spektakulären Übungen mit Show-Effekten wie dem Einsatz von Diskonebel. Sogenannter Übungsrauch breitet sich physikalisch völlig anders aus als echter, heißer Brandrauch, birgt gesundheitliche Risiken für Menschen mit Atemwegserkrankungen und kann insbesondere bei kleineren Kindern zu Traumatisierungen führen. Stattdessen empfiehlt die Publikation einfache visuelle Alternativen wie Stoffdecken oder Schilder, um gesperrte oder „verrauchte“ Abschnitte zu simulieren und das Finden von alternativen Rettungswegen zu trainieren.
Darüber hinaus beleuchtet die Fachempfehlung spezifische Herausforderungen im Alltag, wie etwa den Umgang mit dem U3-Bereich in Kindertagesstätten. Da Kleinstkinder als nicht selbstrettungsfähig gelten, werden konkrete Hilfsmittel und Methoden wie Evakuierungstücher, Fluchtwagen oder die sogenannte „Staffellaufmethode“ zur schnellen Evakuierung über Etagen hinweg vorgestellt. Auch die zunehmende Digitalisierung im Bildungswesen findet Berücksichtigung: Die Integration von digitalen Klassenbüchern und deren Nutzbarkeit an der Sammelstelle unter erschwerten Bedingungen – wie einem Stromausfall – wird kritisch thematisiert.
Strukturierte Vorbereitung und Qualitätskontrolle
Für die Fachplanung, den Brandschutzbeauftragten und die Architektenschaft liefert die Publikation wichtige Anhaltspunkte zur Überprüfung der baulichen Infrastruktur während des laufenden Betriebs. Durch strukturierte Protokolle und Checklisten im Anhang lässt sich evaluieren, ob Rettungswege im Alltag dauerhaft freigehalten werden, ob Türen im Zuge der Räumung ordnungsgemäß schließen und ob die akustische Alarmierung überall im Gebäude einwandfrei wahrnehmbar ist. Als zeitliche Zielvorgaben nennt der Leitfaden eine maximale Evakuierungszeit des Gebäudes von fünf Minuten sowie den Abschluss der Vollzähligkeitsmeldung innerhalb von zehn Minuten nach Alarmauslösung.
Die 49-seitige Publikation steht auf der Webseite des Deutschen Feuerwehrverbandes (siehe Surftipps) zum Download kostenfrei zur Verfügung.
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